„Habe nie zu der Clique der beliebten Mädchen gehört!“

50 Prozent der Silbermond-Bandmitglieder: Sängerin Stefanie Kloß und Schlagzeuger Andreas Nowak.  Foto: Sams/Breuß

50 Prozent der Silbermond-Bandmitglieder: Sängerin Stefanie Kloß und Schlagzeuger Andreas Nowak.  Foto: Sams/Breuß

Zwischen eurem neuen Album „Schritte“ und seinem Vorgänger „Leichtes Gepäck“ liegen vier Jahre. Was hat sich in dieser Zeit verändert? Es gab einige emotionale Momente. Wir haben vier geliebte Menschen verloren. Ein neues Leben kam dazu. Das schafft eine neue Sicht auf das Leben: Wann fängt es an? Wann hört es auf? Was ist dazwischen? Das hat unsere Platte sehr geprägt.

Das mit dem „Leichten Gepäck“ dürfte mit einem Baby nicht so leicht sein. Wie findest du dich mit der Mutterrolle zurecht? Ich glaube, jeder, der zum ersten Mal ein Kind bekommt, versucht am Anfang, damit einfach irgendwie klarzukommen (lacht). Es braucht Zeit, bis man sich organisiert hat. Das hatte auch Einfluss auf die Band: Zuerst herrschte Chaos, nun haben wir mehr Struktur denn je.

In dem Song „Für Amy“ sprecht ihr einem jungen Mädchen Mut und Selbstvertrauen zu. Wer ist Amy? Es geht um ein Mädchen, das einmal nach einem Konzert auf uns zu kam. Ihren Namen haben wir geändert. Schon von Weitem konnte man sehen, dass es sie all ihren Mut kostete, uns anzusprechen. Dabei war sie so ein tolles Mädchen. Ich konnte nicht verstehen, warum sie so unsicher war.

Erkennst du dich in Amy wieder? Ich war auch nie das coolste Mädchen, habe nie zu der Clique der beliebten Mädchen gehört, die mit 14 schon einen Freund hatten. Die Teenager-Jahre sind die schlimmste Zeit überhaupt. Wie ich auch in dem Song sage: Ich möchte nicht nochmal 14 sein. Damals unterstützten mich die Jungs aus der Band. Nun wünsche ich mir, dass der Song ein Begleiter für Mädchen durch diese schwierige Zeit darstellt und ihnen zeigt, dass sie okay sind, wie sie sind.

Um zu den lustigeren Seiten des Lebens zu kommen: Ist euch schon einmal etwas Peinliches auf der Bühne passiert? Aus zeitlichen Gründen sind wir teilweise auf Playback angewiesen, was die Instrumentalisierung angeht. Dies war auch im folgenden Szenario der Fall. Als wir vor der Show hinter der Bühne standen, hörten wir plötzlich, dass das Lied schon anfing. Wir rannten sofort nach draußen. Natürlich fiel trotzdem auf, dass die Musik schon zu hören war, bevor wir an unseren Instrumenten saßen (lacht).

In eurer Musik kritisiert ihr oft, was in der Welt falsch läuft. Seht ihr es als Personen des öffentlichen Interesses als eure Pflicht an, sich zu solchen Themen zu äußern? Es ist okay, wenn sich ein Künstler nicht äußern will, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Unserer Meinung nach, sind es aber Themen, die wichtig sind und die Welt besser machen könnten, wenn sie so eintreffen würden – darum war es uns wichtig, diese anzusprechen.

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