„Wie ein Märchen“

Nur wenige Stunden nach seiner Heimkehr von den Paralympischen Spielen in Tokio am vergangenen Donnerstag stand Rollstuhl-Tennis-Ass Thomas „Olge“ Flax (37) aus Dornbirn WANN & WO Rede und Antwort.

WANN & WO: Willkommen zurück Thomas. Hattest du schon etwas Zeit, dich auszuruhen?

Tomas Flax: Naja, es ist alles schon noch ein bisschen konfus. Ich konnte zwar ein paar Stunden schlafen, aber ganz fit bin ich noch nicht. Die Rückreise dauerte 24 Stunden, das war sehr anstrengend. Und wenn man zu mir in die Wohnung schaut, sieht man, dass ich erst angekommen bin. Da sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen (lacht).

WANN & WO: Mit deinem Partner Nico Langmann gelang dir ein sensationeller Sieg gegen die Spanier Enrique Siscar Meseguer und Francesco Tur Blanch. Hättest du nach deinem schweren Mountain­bikeunfall 2007 je gedacht, dass du einmal bei den Paralympics dabei sein und sogar triumphieren wirst?

Tomas Flax: Ehrlich gesagt, nein. Ich bin auch überrascht, welche Kreise das Ganze gezogen hat. Im Endeffekt ist dieser Erfolg ja nur für mich wichtig. Er hat ja überhaupt keine Bewandtnis für Österreich, für Vorarlberg, für niemanden. Aber es war ein emotionaler Höhepunkt für mich und das gesamte Team, den wir auch mit sensationellem Sushi und zwei, drei Sapporo-Bieren gefeiert haben.

WANN & WO: Aber gilt nicht ­ohnehin der olympische Gedanke?

Tomas Flax: Das stimmt schon. Aber es entwickelt so eine Dynamik, dass man einfach mehr mitbringen möchte, als nur T-Shirts und Schlüsselanhänger. Jetzt habe ich diesen emotionalen Baustein, den ich jedem zurückgeben kann, der mir Mut zugesprochen hat. Das ist sehr cool. Und dass ich überhaupt dabei sein konnte, ist für mich schon ein bisschen wie ein Märchen.

WANN & WO: Hattest du während deines Aufenthalts auch die Möglichkeit, Land und Leute etwas kennenzulernen?

Tomas Flax: Das Paralympische Dorf war hermetisch abgeriegelt. Da gab es kein Entkommen. Tokio befindet sich ab 20 Uhr im Lockdown. Auf den Straßen ist nichts los. Das Schönste war, als wir mit dem Bus aus dem Paralympischen Dorf zur Eröffnungsfeier gefahren sind. Die Autofahrt dauerte 40 Minuten, quer durch Tokio. Als die Absperrungen geöffnet wurden und wir hinaus fuhren, waren die Straßen gesäumt von Menschen – alle mit Masken – die einfach den Bussen zugejubelt haben, Herzchen gezeigt, gewunken und Fotos gemacht haben. Da war ich nervlich bereits am Limit, bevor es eigentlich richtig los gegangen ist.

WANN & WO: Worauf freust du dich nach diesem Abenteuer in Japan nun in den nächsten Tagen am meisten?

Tomas Flax: Dass ich endlich wieder neben meiner Freundin einschlafen und mit ihr aufwachen kann. Wir waren insgesamt sieben Wochen voneinander getrennt. Erst war sie im Urlaub und als sie heimgekommen ist, haben wir uns coronabedingt für zwei Wochen räumlich getrennt, damit ich mir ja nichts einfange. Und danach war ich in Japan. Jetzt genießen wir es einfach sehr, ohne uns irgendwelche Sorgen machen zu müssen, wieder miteinander einschlafen zu können. Das ist richtig schön.

<p class="caption">Am Center Court mit Doppelpartner Nico Langmann.</p>

Am Center Court mit Doppelpartner Nico Langmann.

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