Nerven und Oberschenkel aus Stahl

Auf dieser Straße hat die Triathletin das Fahrrad fahren gelernt – mit Erfolg. Fotos: MiK
Auf dieser Straße hat die Triathletin das Fahrrad fahren gelernt – mit Erfolg. Fotos: MiK

Mehr als neun Stunden am ­Limit: Bianca wird als erste Vorarlbergerin beim Ironman in Hawaii an den Start gehen!

Der Ironman auf Hawaii ist für Triathleten Himmel und Hölle zugleich: Ersteres, wenn man durchs Ziel läuft, zweiteres, wenn man an die Qualen zuvor denkt. Mittendrin beim Ironman World Championship auf der Insel: Die Wälderin Bianca. Schon allein die Qualifikation für diesen Wettkampf ist eine Sensation – sie fährt als erste Vorarlbergerin nach Hawaii. „Mein Ziel für Hawaii ist in erster Linie, mein Rennen zu machen. Wenn mir das gelingt, denke ich, im Mittelfeld dabei sein zu können“, erklärt die 29-Jährige. Mindestens genauso wichtig wie die körperliche Fitness ist die mentale Stärke. „Wie ich meinen ‚Kopf trainiere‘ ist eigentlich ein Geheimnis“, scherzt die ehrgeizige Sportlerin. „Bei einem Ironman geht es spätestens nach dem Schwimmen und Radfahren – also beim Marathon – nur noch um die mentale Stärke. Körperlich werden in Hawaii alle Top-Leistungen bringen. Das Rennen wird also schlussendlich im Kopf entschieden.“

„Kraft schöpfen“

Beim Rennen selbst ist Bianca in einer anderen Welt. „Ich würde fast sagen, man ist auf einem Trip.“ Das Gefühl, nach einem Ironman im Ziel anzukommen, sei unbeschreiblich. „Der Zieleinlauf gibt mir soviel zurück. Die ganzen Schmerzen – die hin und wieder auch Qualen bedeuten – sind vergessen. Von einem guten Rennen kann ich für ein weiteres Jahr Kraft schöpfen. Man ist ganz einfach voll mit Endorphinen. Sobald ich aber über die Ziellinie laufe, schaltet mein Körper wie eine Maschine ab. Beim Ironman in Chattanooga bin ich nach neun Stunden und 18 Minuten Dauerbelastung einfach zusammengeklappt.“ Doch 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen gehen auch an Bianca nicht spurlos vorbei. „Für den Körper sind das ungeheure Strapazen. Vergleichbar, als würde man von einem Lkw überfahren werden. Zwei Mal.“

„Jeder Triathlon ist
wie ein Abenteuer“

Angefangen hat die Wälderin mit Laufen – das wurde ihr schnell zu langweilig. „Jeder Triathlon ist wie ein Abenteuer. Wenn ich abends ins Bett gehe, freue ich mich schon auf den nächsten Trainings-Tag. Ich kann meinen Körper spüren. Außerdem reise ich sehr gerne, die Wettkämpfe finden rund um den Globus statt. So kann ich die ganze Welt sehen.“ Trotzdem kommen Familie und Freunde nicht zu kurz – die 29-Jährige versucht die Balance zu finden: „Sie sind es, die mich aus tiefen Löchern holen und die Erfolge mit mir teilen. Deswegen versuche ich ein gesundes Gleichgewicht zwischen Sport und ‚normalem Leben‘ zu finden.“

„Prahle damit für
den Rest deines Lebens“

Beim ersten Ironman 1978 schrieb der Erfinder John Collins auf die Wettkampbeschreibung: „Schwimme 3,8 km, radle 180 km, laufe 42,2 km. Prahle damit für den Rest deines Lebens!“ Vielleicht wird dieser Grundgedanke des Ironman-Erfinders das Motto, das Bianca im Oktober zu Bestleistungen antreibt.

„Für den Körper sind das ungeheure ­Strapazen. ­Vergleichbar, als würde man von einem Lkw überfahren werden. Zwei Mal.“ Bianca Steurer

Wordrap



Vorarlberg: Meine Heimat

Triathlon: Mein Leben

Grenzen: Gibt es hoffentlich keine

Ausdauer: Ohne Ende

Mentale Stärke: Immer besser

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