„Tradition wird belebt“

Martin Elias posiert in traditioneller Tracht. Fotos: handout/privat, Franz Lutz, Steurer, Reuters

Martin Elias posiert in traditioneller Tracht. Fotos: handout/privat, Franz Lutz, Steurer, Reuters

Die Tracht wird immer populärer, Oktoberfeste boomen. W&W sprach mit Martin (23) und Bianca (32) vom Trachtenverein Sonntag.

Die Tracht, welche einst als etwas verstaubt galt, erlebt in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Aufschwung. Dabei muss zwischen verschiedenen Ausführungen unterschieden werden: Die Modetracht, wie sie von jungen Leuten auf Oktober- oder Zeltfesten getragen wird, hat nicht mehr viel mit dem traditionellen Exemplar zu tun. Dennoch freuen sich Trachtenvereine im Land über regen Zuspruch. Auch Martin Elias Dünser aus Sonntag weiß das. „Meine Geschwister sind schon seit Längerem beim Trachtenverein Sonntag dabei. Ich wollte ursprünglich nur mit auf ein Event und mir das Ganze ansehen. Schlussendlich fand ich den Verein so cool, dass ich auch beigetreten bin“, erzählt der 23-Jährige. Das war im Jahr 2010. Seitdem ist er auf allen Sitzungen und Events dabei.

Trachtentänze und

­Schuhplattler

Der Trachtenverein Sonntag ist ein junger Verein. „Im letzten Jahr konnten wir elf neue Mitglieder bei uns begrüßen, die alle im Alter von etwa 15 Jahren sind. Einmal wöchentlich haben wir Sitzung. Dort werden Tänze geprobt, von Trachtentänzen bis hin zum Schuhplattler“, berichtet Martin. „Auch Organisatorisches wird besprochen.“ Im nächsten Jahr feiert der Verein sein 50-jähriges Bestehen. Dazu bereitet das Team ein großes Fest vor. „Wir haben einen Festausschuss gegründet, der sich monatlich trifft und die Rahmenbedingungen bespricht. Wir freuen uns auf ein tolles Event.“ Auf die Traditionalität angesprochen, hält Elias fest: „Für mich persönlich ist die Tradition ein Nebeneffekt. Wenn man nur aus diesem Grund einer Gruppe beitritt, muss man wirklich sehr überzeugt von den traditionellen Aspekten sein. Für mich persönlich stellen das Miteinander und das Zusammensein die wichtigsten Punkte dar. Wenn einem die Tracht auch noch gefällt, wie es bei mir der Fall ist, dann ist es natürlich perfekt“, lacht der 23-Jährige. Auch Obfrau Bianca weiß vom Trend. Für sie hat die Tradition jedoch einen hohen Stellenwert: „Ich bin gern beim Verein, weil ich es wichtig finde, Tradition und Brauchtum zu pflegen“, so die 32-Jährige aus Sonntag. „Natürlich kommt auch der Spaß, den man mit der Gruppe bei Proben und Ausrückungen hat, nicht zu kurz. Der Trend der Modetrachten stört mich aber nicht, im Gegenteil! Mir gefallen diese Dirndl gut, sie passen zu Oktoberfesten und ähnlichen Events. Mit der traditionellen Tracht haben sie jedoch nichts zu tun. Das sollte nicht vermischt werden.“

Moderne Kombinationen

Auch Mario Rothmund, Marketing­profi der Brauerei Frastanz, weiß, dass die Tracht mit all ihren Events immer mehr in Mode kommt. Bestes Beispiel ist für ihn das frastanzer Bockbierfest. „Unser Bockbierfest war auch heuer wieder ein voller Erfolg“, berichtet Rothmund. „Wir haben vor fünf Jahren die ‚Drei Schwestern‘ populär gemacht, welche sich stets im Dirndl und mit Zöpfen zeigen. Dann kam das Motto ‚Wer in Dirndl und Lederhose kommt, wird belohnt‘ – das hat sich schlussendlich so weit entwickelt, dass man auffällt, wenn man nicht in Tracht erscheint. Beim heurigen Fest konnte man die Nicht-Trachtenträger an zwei Händen abzählen. Sogar die Securitys fielen auf“, lacht Rothmund. Er denkt, dass die Zelt- und Oktoberfeste auf jeden Fall dazu beitragen, dass die Tracht wieder modern geworden ist. „Auch wie diese getragen wird, hat sich verändert“, so der Rankweiler. „Inzwischen kombinieren junge Burschen eine Lederhose mit Sneakers und einer Trainingsjacke, das Ganze ist also moderner geworden. Die Tradition wird von der Jugend auf jeden Fall belebt.“

<p>Bianca, 32</p>

Bianca, 32

<p>Mario R.</p>

Mario R.

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