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Die dunklen Seiten Feldkirchs

„Es ist nicht falsch, stolz auf seine Herkunft zu sein – nur andere dafür zu verachten.“

„Es ist nicht falsch, stolz auf seine Herkunft zu sein – nur andere dafür zu verachten.“

Seit drei Jahren arbeitet Mark Lins an einem Bildband, der Feldkirch hinter seinem Marktgassen-Make-Up zeigt.

„Es geht um die Stadt. Die echte, nicht die aus dem Touristenführer. Es geht um das, was hinter der Postkarte ist.“ Mark Lins beschreibt Emotionen und Momente außerhalb seiner Komfortzone. Er erzählt von der Pathologie, von Bunkern und Tunneln, berichtet von Tischen mit Spritzbesteck und Heroin. „Manche Szenen sind so surreal, dass es unglaubwürdig wirkt, nicht gestellt zu sein. Ich bin gespannt, ob ich den eingesessenen ‚Ur-Feldkirchern‘ noch etwas zeigen kann, das sie nicht kennen.“ Die Zielgruppe von „z’Fealdkirch – Behind the Postcard“ soll natürlich weitaus größer sein und jeden ansprechen, den es interessiert. „Es geht um Street-Photography und die realen Umstände bei uns.“

Der Bildband präsentiert auf 200 Seiten über 170 Fotos und erzählt abseits von Hochglanzklischees, wie die Rückseite einer Postkarte, rein in Schwarzweiß. Beim Durchblättern erhält man Einblicke in das Feldkirch, das man Touristen vorenthält. In etlichen Nachtaktionen gräbt der 33-jährige Hobbyfotograf tief in längst Vergessenem und baut Beziehungen zu den unterschiedlichsten Bewohnern der Stadt auf. „Es gibt so viele Orte, an denen du täglich vorbeikommst, aber nie wirklich siehst“, erklärt der in Feldkirch geborene Druckvorstufentechniker. Seine Bilder geben Einblicke in eine Realität, die Feldkirch zu dem macht, was es ist. Einer Stadt mitten im Ländle, die neben Blüten und Blättern auch Dornen zeigt, welche man im eigenen Alltag ausblendet. „Hinter dem Bahnhofsgelände fand ich ein Tischlein mit Löffel, Besteck und dem vollen Programm. Nur fünf Minuten früher wäre ich live dabei gewesen.“

Mulmiges Gefühl

Durch Kontakte zur Polizei hat Mark Lins unzählige Geschichten dieser Art auf Lager. Der junge Familienvater richtet seinen Sucher auf versteckte
Milieus und zoomt auf Extremes. Er hat aus seinem Hobby Fotografie, eine Passion gemacht und ein unglaubliches Gespür für Räume und Orte entwickelt. Diese Meinung teilt auch der Mann, der die Stadt Feldkirch repräsentiert. Bürgermeister Berchtold schreibt im Vorwort: „Im Bewusstsein, dass die Schattenburg, die Marktgasse, der Katzenturm schon tausendmal abgebildet worden sind, sucht er (Anm.: Mark Lins) nach den eher versteckten, unbekannten Seiten seiner Heimatstadt, die zusammen mit den bekannten Ansichten einer Stadt erst ihr wahres Gesicht geben.“ Mark Lins versucht „z’Fealdkirch – Behind the Postcard“ gerade zu finanzieren, damit der Bildband in einer ersten Auflage diesen Sommer in den Regalen stehen kann.

<p class="caption">Wenige Minuten nach dem Schuss. Mark Lins’ Recherchen am Brennpunkt Janplatz.</p>

Wenige Minuten nach dem Schuss. Mark Lins’ Recherchen am Brennpunkt Janplatz.

<p class="caption">Mark Lins verbindet mit jedem Foto eine mitreißende Geschichte. Fotos: Handout Lins/mlzwo.com</p>

Mark Lins verbindet mit jedem Foto eine mitreißende Geschichte. Fotos: Handout Lins/mlzwo.com

<p class="caption">Düstere Unterführung in Levis. </p>

Düstere Unterführung in Levis. 

<p class="caption">Geheimer Luftschutzstollen Reichenfeld.</p>

Geheimer Luftschutzstollen Reichenfeld.

„Es gibt so viele Orte, an denen du täglich vorbeikommst, aber die du nie wirklich siehst.“ Mark Lins

Zur Person

Name/Alter: Mark Lins/ 33 Jahre
Wohnort: Aufgewachsen in Feldkirch, lebt heute in Dornbirn

Job: Druckvorstufentechniker, Mitgründer von mlzwo.com

Hobbys: Fotografieren, kreativ sein, Skaten

Titel Bildband: „z’Fealdkirch – Behind the Postcard“