„Innen war ich immer ein Mann“

Seine weibliche Identität hat Sandro aus Feldkirch vor etwas mehr als zwei Jahren komplett abgelegt.  Fotos: handout/Privat, Manuel Feldmann

Seine weibliche Identität hat Sandro aus Feldkirch vor etwas mehr als zwei Jahren komplett abgelegt.  Fotos: handout/Privat, Manuel Feldmann

Sandro (23) aus Feldkirch war im Jahr 2015 noch eine Frau. W&W sprach mit ihm über Vorurteile, seinen Wandel und Rihanna.

„Ich wusste schon sehr früh, dass da etwas nicht stimmt“, sagt Sandro, der Ende 2015 beschlossen hat, auf seine innere Stimme zu hören und offiziell als Mann zu leben. „Ich hatte bereits als Kind das Gefühl, ein Bub zu sein und eigentlich auch so ausgesehen. An eine Begebenheit kann ich mich noch gut erinnern, denn auf dem Damen-WC hat mich damals ein Mädchen mal darauf hingewiesen, dass ich hier falsch sei. Ich habe auch nie gedacht wie eine Frau, im Inneren war ich immer schon ein Mann. Darum habe ich mich auch nur ganz selten stark geschminkt“, berichtet der heute 23-Jährige.

Umstyling

Im Dezember 2015 hat Sandro dann zum ersten Mal zusammen mit seinem besten Freund Männerkleidung für sich gekauft. „So gestyled bin ich noch am selben Abend auf eine Party gegangen. Ich hatte irgendwie im Gefühl, dass ich dort als Sandro jemanden kennenlernen würde – und so war es dann auch, denn ich habe meine spätere Freundin auf dieser Party getroffen. Als Frau wäre mir das sicher nicht passiert“, ist er überzeugt. „Seit 1. Jänner 2016 lebe ich offiziell als Mann und gehe damit auch sehr offen um. Bei einer späteren Beziehung waren die Eltern mit mir als Trans überhaupt nicht einverstanden waren. Sie bezeichneten mich als krank und sagten, in mir stecke ein Dämon. Das war dann auch der Grund, wieso diese Beziehung nicht funktioniert hat.“

„Mama liebt mich“

„Es war damals auch nicht leicht, mit meiner Mama darüber zu reden. Sie ist nicht sonderlich glücklich mit meiner Entscheidung, aber sie akzeptiert es. Mama liebt mich als den Menschen, der ich bin. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Für Sandros Kumpels war sein Wandel ebenfalls nicht einfach: „Für viele von ihnen war es sehr ungewohnt und die Reaktionen waren sehr gemischt. Einige verwenden heute noch ab und zu unbewusst meinen weiblichen Namen oder bezeichnen mich als ,sie‘. Das schmerzt dann schon, denn mit meinem früheren Leben als Frau möchte ich nichts mehr zu tun haben, sondern in die Zukunft blicken. Andere verwenden meinen alten Namen aber auch bewusst, um mich zu verletzen.“

OP und Hormone

Dennoch ist Sandro absolut davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Demnächst habe er den nächsten Schritt vor und möchte seinen Wandel auch mit Operation und Hormontherapie vollenden. „Ich habe viele Trans-Kollegen, denen man das überhaupt nicht ansieht. Mit ihnen kann ich mich darüber unterhalten und von ihren Erfahrungen profitieren.“ Der junge Feldkircher mit brasilianischen Wurzeln, der von einer Karriere im Showbusiness als Sänger, Entertainer und Model träumt, hat dabei jedoch eine große Sorge: „Wenn ich die Hormontherapie mache, wird sich das mit hoher Wahrscheinlichkeit auf meine Stimme auswirken. Was da genau passiert, lässt sich allerdings nicht sagen, darum mache ich mir etwas Sorgen um meinen Gesang. Den Leuten gefällt an meiner Stimme die Mischung aus sanftem Gesang und rockiger Power“, sagt der junge Feldkircher. Dennoch sei es sein großer Wunsch, diesen weiteren Schritt möglichst bald zu gehen.

Bieber und Rihanna

Die US-Superstars Justin Bieber und Rihanna sind die großen Idole von Sandro, der bereits an mehreren Castings teilgenommen hat, so auch an der UFA Talentbase, präsentiert von WANN & WO, die vor rund einem Monat im Messepark Dornbirn stattgefunden hat. Dort hat er die Caster überzeugt und ein Anmeldeformular für „X Factor“ erhalten. „Ich liebe es, mich zu präsentieren und die Leute zu unterhalten. Darum war ich auch schon bei ,Deutschland sucht den Superstar‘ und ,Die große Chance‘, bei der Sido in der Jury war. Da war ich aber noch eine Frau! Jetzt bin ich in der engeren Auswahl für ,X-Factor‘, wo Sido ja auch wieder einer der Juroren sein wird. Ich bin schon sehr gespannt, ob er sich an mich erinnert, bzw. was er zu meiner Veränderung sagen wird.“

„Sie ist nicht sonderlich glücklich mit meiner Entscheidung, aber sie akzeptiert es. Mama liebt mich als den Menschen, der ich bin. Dafür bin ich ihr sehr dankbar.“ Sandro über die Reaktion seiner Mutter.

Zur Person

Name/Alter: Sandro de Assis Zorzela/23
Herkunft/Wohnort: Sao Paolo/Feldkirch
Berufswunsch: Sänger, Model, Entertainer
Hobbys: Singen, Tanzen
Vorbilder: Rihanna, Justin Bieber

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