„Man muss höllisch aufpassen“

WANN & WO besuchte Eva zuhause und sprach mit der 21-Jährigen über den Abend, an dem ihr K.O.-Tropfen verabreicht wurden.  Fotos: Sams, handout/privat

WANN & WO besuchte Eva zuhause und sprach mit der 21-Jährigen über den Abend, an dem ihr K.O.-Tropfen verabreicht wurden.  Fotos: Sams, handout/privat

Eva (21) aus Nenzing* wurde in einem Club im Unterland Opfer von K.O.-Tropfen. W&W sprach mit ihr über den verhängnisvollen Abend.

„Es war schon so gegen halb 11, als ich mich direkt nach der Arbeit mit Freunden im Club getroffen habe. Ich habe einen Weiß-Sauer getrunken, das ist eigentlich alles, an das ich mich noch erinnern kann“, erzählt Eva im Gespräch mit WANN & WO. „Mir wurde gesagt, ich hätte noch einen zweiten getrunken, aber das war es dann schon. Als ich am nächsten Morgen aufgewacht bin, wusste ich überhaupt nichts mehr.“

„Vollkommen verändert“

Was ihre Freunde Eva am nächsten Tag erzählten, schockte die 21-Jährige: „Scheinbar habe ich mich ganz anders verhalten, als ich das sonst mache. Ich hätte getanzt, mich komplett ausgelassen und hemmunglos aufgeführt und sei vollkommen verändert gewesen“, berichtet sie von den Schilderungen ihrer Begleiter. „Am gleichen Abend hat es noch zwei weitere Freunde von mir erwischt – einen jungen Mann und eine junge Frau. Ihr ist es wirklich schlecht gegangen, sie habe sich dauernd übergeben müssen. Außerdem habe ich erfahren, dass ein Bekannter von mir nur einen Tag davor im gleichen Club eine ähnliche Erfahrung machen musste. Ich verstehe einfach nicht, warum jemand so etwas macht. Was passiert wäre, wenn ich nicht in einer Gruppe unterwegs gewesen wäre, möchte ich mir gar nicht vorstellen.“

„Wird mir eine Lehre sein“

Am nächsten Morgen habe Eva anfangs nicht gewusst, wie sie mit der Situation umgehen soll, sich dann aber doch dazu entschieden, eine Anzeige zu erstatten. „So etwas darf einfach nicht ungestraft bleiben, auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass der Täter gefasst wird, sehr klein ist“, sagt Eva, die andere auch warnen möchte: „In letzter Zeit habe ich von mehreren in meinem Bekanntenkreis gehört, dass ihnen etwas Ähnliches passiert ist. Man muss einfach höllisch aufpassen und sollte immer ein Auge auf sein Getränk haben. Mir wird dieser Abend auf jeden Fall eine Lehre sein“, so die 21-Jährige.

„Kaum wahrnehmbar“

Brigitte Stadelmann, Leiterin vom Mädchenzentrum Amazone, kennt die Problematik: „Unter dem Begriff K.O.-Tropfen werden flüssige Drogen zusammengefasst, die in geringer Dosis stimulierend und enthemmend, in höherer Dosierung betäubend und einschläfernd wirken. Sie sind farb- und geruchlos, schmecken salzig bis seifig, sind jedoch in Mixgetränken kaum wahrnehmbar. Der Verein Amazone klärt Mädchen und junge Frauen im Rahmen der Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungsworkshops über K.O.-Tropfen auf, vermittelt Strategien und Kompetenzen, um in Notsituationen entsprechend reagieren zu können. Aufklärung, Information und Strategievermittlung sind wesentliche und wirksame Präventionsmaßnahmen“, so die Expertin.

„Bis zum Atemstillstand“

„Als sogenannte K.O.-Tropfen kommen GHB (Gamma-Hydroxy-Buttersäure, „Liquid Ecstasy“) oder GBL, eine Ausweichsubstanz, die im Körper zu GHB umgewandelt wird, zum Einsatz“, erklärt der Bregenzer Psychiater und Neurologe Dr. Franz Riedl. „Bei niedrigen Dosierungen verursachen sie eine leichte Berauschung, ähnlich wie Alkohol. Erhöhte Dosierungen können Stimmungen verstärken oder sexuell stimulierend wirken. Noch höhere wirken einschläfernd, was sehr schnell einsetzt. Hier besteht insbesondere in Kombination mit Alkohol die Gefahr, dass die Wirkung bis zum Atemstillstand führen kann. Wenn der Verdacht besteht, dass jemand unter dem Einfluss von K.O.-Tropfen steht, sollte man schnell reagieren, damit auch die richtigen Untersuchungen gemacht werden“, so der Mediziner.

*Name und Wohort von der Redaktion geändert.

<p>Dr. Franz Riedl</p>

Dr. Franz Riedl

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