Die Faszination des Verfalls: Vergessene Plätze im Ländle

Sie werden von einer unheimlichen Kälte und beklemmender Stille erwartet. Das Brechen eines Astes. Vereinzelte Tropfen verschmelzen zu kleinen Seen, schwappen über und bahnen sich langsam ihren Weg durch das spröde Dach. Das Echo der Wassertropfen verschwindet leise im Nichts. Vorsichtig drehen sie den Schlüssel um. Die Faszination für das Mysteriöse, den Zerfall und längst vergessene Zeiten, hat sie hergeführt. Was sich wie der Anfang eines Horror-Thrillers liest, ist die große Leidenschaft von vier Hobbyfotografen und Amateurfilmern aus Vorarlberg. Sie sind der Jagd nach verfallenen Plätzen, sogenannten „Lost Places“, verfallen.

Gratwanderung zwischen Legalität und Illegalität

Sie nennen sich Urbex Explorer, kurz Urbexer, und vorerst möchten sie unerkannt bleiben. Zahlreiche Anfragen in den sozialen Medien bezüglich der genauen Standorte und zum Schutz der eigenen Privatsphäre lassen sie anonym agieren. Informationen zu den „Lost Places“ bekommen sie durch intensive Recherche und verschiedene Portale wie www.go2know.de. Die Seite bietet kommerzielle „Lost Places“-Touren mit Begleitung an, unter anderem Touren in die berühmten Heilstätten von Beelitz in Deutschland. Sie schreiben E-Mails und ersuchen um Genehmigung, die verlassenen Plätze zu fotografieren. Die Crew von Urbex Vorarlberg handelt nach einem Codex der unter anderen „Lost Places-Aktivisten“ auf der ganzen Welt verbreitet ist: „Take nothing but pictures, leave nothing but footprints“, was so viel bedeutet wie „Mach nichts, nur Fotos und hinterlasse nichts, abgesehen von deinen Fußabrücken.“ Die vier Abenteurer sind gegen die Zerstörung und das Besprühen von alten Gebäuden, Vandalismus ist ihr größter Feind. Auch wenn es Plätze gibt, die sich als Spielplatz ohne Regeln heraustellen, lauern gerade dort viele Gefahren. Daraus resultiert ihre Botschaft: Respekt und Achtung vor den alten Gebäuden.

Zeitkapseln, die längst
vergessen wurden

Oft müssen sie ihrem Hobby in den benachbarten Ländern nachgehen, da die Auswahl der „Lost Places“ in Vorarlberg begrenzt ist. Doch haben sie bereits einige interessante Orte im Ländle erforscht. Vom Rheintal über den Bregenzerwald ins Klostertal konnten sie ein paar verlassene Grundstücke aufspüren und abfotografieren. Genaue Details zu den Standorten geben sie nicht weiter, das wäre zu einfach für die anderen. Ergebnisse und Tipps findet man auf ihren Seiten im Web. Ihre Facebook-Seite Urbex Vorarlberg dient als Plattform für frisch bearbeitete Fotos, Tipps und Tricks.

Aufarbeitung
zeitgeschichtlicher Schätze

Es ist die Geschichte, die sie interessiert. Wer hat hier gelebt? Was ist passiert? Fragen zu Objekten, deren Zeit scheinbar längst abgelaufen ist. Durch die Fotos der Urbex Vorarlberg jedoch nur scheinbar, denn es gibt sie noch immer.

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