„Von allen Seiten wird Hilfe angeboten“

Der Höchster Bürgermeister Herbert Sparr mit Sonja und Wolfgang Fink inmitten der verkohlten Überreste. Fotos: MB

Der Höchster Bürgermeister Herbert Sparr mit Sonja und Wolfgang Fink inmitten der verkohlten Überreste. Fotos: MB

Nach dem verheerenden Großbrand in Höchst sprach WANN & WO mit Familie Fink über die Geschehnisse und wie es jetzt weitergeht.

„Wir hatten uns gerade zum Abendessen hingesetzt, nachdem wir 13 Traktoranhänger beladen und für den Transport zu unseren Kunden vorbereitet hatten“, berichtet Sonja Fink, die Fink Landesprodukte in Höchst zusammen mit ihrem Vater Wolfgang betreibt. „Plötzlich gab es eine Explosion und einen Feuerball, dass es uns fast vom Stuhl gehauen hätte. Innerhalb kürzester Zeit brannte alles lichterloh“, erinnert sie sich. „Zwei Traktoren, ein Auto und den Maishäcksler haben wir noch rausgebracht, dann wurde es einfach zu heiß“, erzählt Wolfgang, den die Polizei sogar daran hindern musste, noch einen weiteren Traktor retten zu wollen. „Das war auch gut so, denn wie mir die Feuerwehr später erklärt hat, hätte ich das wahrscheinlich nicht überlebt.“

„Nachbarhäuser gerettet“

Die ersten Gedanken galten auch insbesondere den Nachbarhäusern: „Als ich das Gebäude damals ge­­baut habe, wurde seitens des Bauausschusses auf eine Feuerschutzwand bestanden. Gottseidank, muss ich heute sagen, denn diese beiden Wände haben bestimmt mehrere Nachbarhäuser vor den Flammen gerettet. Trotzdem tut es weh, wenn ich sehe, wie die Nachbarn um ihre Häuser gehen und das Ausmaß der Schäden ansehen. Hier ist mir sehr wichtig, dass alle gut entschädigt werden. Sehr beeindruckend ist für mich, wie uns von allen Seiten Hilfe angeboten wird“, sagt Wolfgang Fink.

Hilfe aus ganz Vorarlberg

Die ganze Nachbarschaft war ohne Aufforderung sofort engagiert. „Es gab wohl keine Flasche Wasser mehr in einem Kühlschrank. Nachbarinnen haben mitten in der Nacht angefangen, Kuchen zu backen, und alle mit Kaffee versorgt“, erzählt Sonja. „Bauern aus ganz Vorarlberg helfen uns, allen voran Familie Kathan, der vor etwas mehr als einem Jahr etwas Ähnliches widerfahren ist. Als sie im Radio hörten, dass auch viele Spielsachen meiner Kinder verloren sind, haben sie sofort beim nächsten Geschäft Halt gemacht, für meine Enkelkinder einen Trettraktor samt Gutschein für einen Anhänger gekauft und uns gebracht“, sagt Wolfgang. Insbesondere der Verlust der vier Lieblingstraktoren habe die Kinder sehr mitgenommen: „Wir sind sehr gut mit Familie Lehner aus Hard (Alpla) befreundet, die uns sofort einen Traktor von Fendt aus ihrem Museum hingestellt hat. Die Firmen Fendt und Pöttinger werden uns mit weiteren Maschinen unterstützen. Auch andere Unternehmen helfen, meine Hausbank hat finanzielle Unterstützung angeboten. Vom Gasthof Schwanen und Nachbarn wird uns Verpflegung gebracht, Naturprodukte Flatz hilft uns ebenfalls“, zählt Wolfgang die vielen Helfer auf. „Landwirte schaffen Platz in ihren Lagern, die Konkurrenzverwaltung (Gemeindeverbund Höchst, Gaißau, Fußach) hat für eine Möglichkeit gesorgt, wo unsere Tiere, die nächste Woche von der Alpe kommen, bis zum Überwintern bleiben können. Auch das Land Vorarlberg erwägt eine Unterstützung und unser Bürgermeister war von Anfang an da, um zu helfen“, zeigt sich Wolfgang beeindruckt. Ein besonderer Dank gelte Hermann Hofer, von Hofer Landesprodukte Lustenau, bei dem es vor Jahren auch gebrannt habe: „Damals habe ich ihm geholfen und dafür hat er sich jetzt revanchiert. Man meint, wir wären ja Konkurrenten, aber wir sind schon lange gute Freunde. Drei Tage lang ist er in Italien und Deutschland herumgefahren, um für mich Ersatzware aufzutreiben. Hier arbeitet die Branche wirklich super zusammen!“

„Lebenswerk zerstört“

Besonders froh sei Wolfgang, dass Fahrlässigkeit oder Brandstiftung als Ursache ausgeschlossen werden konnten: „Diese Ungewissheit und auch die Spekulationen haben mich fertig gemacht. Ich hatte sogar einen Nervenzusammenbruch“, erzählt er. „Wir sind zwar sehr gut versichert, aber das wird alles noch eine Weile dauern. Durch das Feuer wurde das Lebenswerk von drei bis vier Generationen zerstört.“

Gaffer behinderten
die Einsatzkräfte

Die Feuerwehr sei – entgegen anders lautender Behauptungen – in kürzester Zeit vor Ort gewesen, sagen Finks. „Das Problem war jedoch, dass viele Gaffer mit ihren Autos für die Feuerwehr die Zufahrt erschwert haben“, erklärt Wolfgang. „Während der Löscharbeiten mussten sich die Einsatzkräfte abwechseln, weil die Hitze so groß war. Beim Büro, auf das die Flammen glücklicherweise nicht übergegriffen haben, wurde es so heiß, dass die Isolierung in den Wänden geschmolzen und das Fensterglas gesprungen ist. Vielen Dank für den unermüdlichen Einsatz und die große Anteilnahme!“

650 Tonnen Heu und 150 Tonnen Stroh wurden durch den Brand in etwa vernichtet. 190 Feuerwehrleute aus Höchst, Gaißau, Fußach, Lustenau, Hard und der Schweiz waren im Einsatz. 13 Anhänger mit ca. 100 Tonnen Heu waren bei Ausbruch des Feuers für den Transport vorbereitet.

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