Mit Kampfgeist im Kumite

Präzise und rasant schnell zischt Hannas Ferse beim Side-Kick in Richtung Adrians Kopf. Fotos: Sams

Präzise und rasant schnell zischt Hannas Ferse beim Side-Kick in Richtung Adrians Kopf. Fotos: Sams

Adrian (14) und Hanna (15) zählen zu den stärksten Karate- Nachwuchstalenten Österreichs. W&W hat sie im Olympiazentrum getroffen.

Sorgfältig legen Adrian Nigsch aus Bludesch und Hanna Devigili aus Fraxern ihre weißen Kimonos an und binden ihre blauen Gürtel um. „Normalerweise tragen wir auch mehrere Körperschützer“, erklärt Hanna. Um ein paar Schlag- und Trittechniken vorzuzeigen, kann aber ausnahmsweise auf den Schutz verzichtet werden. Die beiden Schüler des Sportgymnasiums Dornbirn bringen sich in Position. Höchste Konzentration zeichnet sich auf ihren Gesichtern ab. Hanna setzt zum Side-Kick an. Gezielt schnellt ihre Ferse in Richtung Adrians Kopf, um erst kurz vor seinem Gesicht Halt zu machen. „Man möchte im Karate den Gegner nicht verletzen“, betont die 15-Jährige. Das erfordert ein hohes Maß an Körperbeherrschung und Präzision und manchmal passiert es leider trotzdem: „Nasenbluten ist bei uns keine Seltenheit“, erzählt Adrian. Auch die zwei jungen Karatekas mussten schon so einiges einstecken, doch das mindert ihre Freude am Sport nicht im Geringsten – im Gegenteil: „Karate macht mich einfach glücklich und stark, sowohl psychisch als auch körperlich“, bekräftigt Hanna mit einem strahlenden Lächeln.

Internationale Erfolge

Das Ziel für die nächsten Jahre der zwei Nachwuchstalente steht klar fest: im Spitzensportbereich durchstarten. Bereits jetzt können sich die Weltrangpositionen von Hanna (Nummer 28) und Adrian (Nummer 34) sehen lassen. Hanna lag bis vor ihrem Wechsel in eine neue Gewichtsklasse gar unter den Top Ten weltweit. Die Turniere der letzten Monate bescherten ihr einen regelrechten Medaillenregen. Bei den Swiss Junioren Open in Basel im April gewann sie sowohl ihre Gewichtsklasse als auch den Open Bewerb. Bei den Austrian Junior Open im Juni in Salzburg holte sich die Kadersportlerin zwei Gold- und eine Silbermedaille. Auch bei der Karate Youth League in Umag (Kroatien) im Juli legte Hanna einen starken Auftritt hin und erreichte das Viertelfinale. Adrian, der seit dem Frühjahr in der Kadettenklasse trainiert, sorgte ebenso für ein beachtliches Ergebnis und schaffte es in die Runde der letzten 16. Aus dem internationalen Euro Grand Prix letzte Woche in Pilsen konnte Hanna einen dritten und Adrian einen fünften Platz mitnehmen.

Zeitmanagement

Um Top-Leistungen zu erzielen, trainieren die beiden Sportgymnasiasten beinahe täglich. Auch der Terminkalender ist sehr dicht. Gestern erst haben Adrian und Hanna bei der österreichischen Nachwuchsmeisterschaft in Höchst gekämpft, am Dienstag geht es dann ab nach Mexiko zur World Youth League. Für andere Dinge bleibt ihnen oft nicht viel Zeit. „Was man früher zum Beispiel mit Freunden gemacht hat, geht sich heute nicht mehr aus“, verdeutlicht Hanna. Um den Sport auch mit schulischen Leistungen vereinbaren zu können, ist gutes Zeitmanagement unerlässlich. „Da muss man eben die Konsequenz haben und im Flieger lernen“, erzählt Adrian. Neben dem Training und derselben Schule eint die beiden Teenager übrigens noch eine weitere Gemeinsamkeit – dasselbe Vorbild Daniel Devigili. Devigili ist ehemaliger Karate-Weltmeister sowie mehrfacher österreichischer Staatsmeister – und der Vater von Hanna. „Karate war bei uns zuhause seit ich denken kann ein Thema“, schildert die junge Fraxnerin, „mein Vater ist mein größtes Vorbild, aber ich will mein eigenes Ding machen und zeigen, dass ich eine echte Kämpferin bin.“

<p class="caption">Adrian demonstriert eine Schlagtechnik.</p>

Adrian demonstriert eine Schlagtechnik.

<p class="caption">Adrian und Hanna im Gespräch mit W&W.</p>

Adrian und Hanna im Gespräch mit W&W.

„Karate macht mich einfach glücklich und stark, sowohl psychisch als auch körperlich.“ Hanna Devigili, Leistungskader-Karateka

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