Neue „Spinner“ für die Kammgarn

Lucas Bitschnau und Pete Ionian in ihrer neuen Wirkungsstätte in der Kammgarn.  Fotos: Sams

Lucas Bitschnau und Pete Ionian in ihrer neuen Wirkungsstätte in der Kammgarn.  Fotos: Sams

Mit Pete Ionian und Lucas Bitschnau bekommt die Harder Kammgarn eine Doppelspitze in der Geschäftsführung. Im W&W-Interview geben die beiden Einblick in ihre Pläne.

WANN & WO: Wie kam es zu eurer Bewerbung?

Pete: Weil ich neue Herausforderungen liebe. Weil die Kammgarn eine geniale Kulturwerkstatt mit viel Tradition, Charme und Charakter ist. Und weil ich überzeugt bin, meine Vielseitigkeit sehr gut einzubringen.

Lucas: Für mich war der Facettenreichtum, den die Kammgarn beheimatet, ausschlaggebend: Hier finden alle Formen der Kunst den passenden Raum. Wir haben eine gesunde Größenordnung und das Menschliche kommt auch nicht zu kurz.

WANN & WO: Wusstet ihr davon, dass sich euer Gegenüber ebenfalls für die Stelle interessiert?

Pete: Wir kennen uns schon lange, ursprünglich als „grünschnabelige“ Musiker in der Szene. Ich war mal auf einer runden Geburtstagsparty bei Lucas im Garten – damals noch in Vandans. Später trafen wir uns wieder als gemeinsame Workshopleiter in einem Jugendprojekt. Dass Lucas sich auch beworben hat, wusste ich vorher nicht. Sonst hätten wir uns ja gleich gemeinsam bewerben können!

Lucas: Die letzten Jahre haben wir uns ein wenig aus den Augen verloren. Deshalb war unser Aufeinandertreffen hier schon ziemlich lustig. Das Einzige was gefehlt hat, war Rudi Carrell, der aus einer Ecke springt und „Hier ist ihr Herzblatt!“ ruft.

WANN & WO: Ihr werdet jetzt als „Doppelspitze“ die Kammgarn leiten. Wie teilt ihr eure Aufgabengebiete ein?

Lucas: Das Spannende ist, dass es keine klassische Aufgabenverteilung gibt. Jeder hat seine Kontakte und beide bringen Erfahrungen in unterschiedlichsten Bereichen mit. Die Chemie stimmt. Dadurch kann die Kammgarn in Zukunft natürlich noch vielseitiger und stärker agieren.

Pete: Wir sind beide zu 100 Prozent verantwortlich für die Kammgarn. Statt eines einsam regierenden Alpha-Wolfes werden wir kooperativ zusammenarbeiten und Synergien nutzen. Was auch das ursprüngliche Wesen der Kammgarn widerspiegelt.

WANN & WO: Wie würdet ihr euren GF-Partner jeweils beschreiben?

Lucas: Pete ist ein Kommunikator. Er schafft es, die unterschiedlichsten Leute an einen Tisch zu bringen. Dabei ist er täglich bis unter die Haarspitzen motiviert. Er hat einen breit gefächerten Erfahrungsschatz und ist auf den unterschiedlichsten Gebieten sehr bewandert. Egal, ob es um Booking, Fotografie, Layout oder Programmgestaltung geht, Pete hat alles schon einmal gemacht! 

Pete: Lucas hat viel erlebt und deshalb auch immer viel zu erzählen. Das sind einerseits abgefahrene Geschichten und andererseits viel Wissenswertes. Durch seine Erfahrungen als Musiker und Produzent, weiß er genau, wie der Hase läuft. Ich mag es, wie achtsam er mit Menschen umgeht und formuliert. Er ist jemand, mit dem man bei einem gemütlichen Bier Visionen spinnen kann. Außerdem hat er Sinn für Humor.

WANN & WO: Ihr kommt beide aus anderen Bezirken. Welche Verbindung habt ihr zur Kammgarn, was bedeutet sie für euch?

Pete: Ich erinnere mich beispielsweise lebhaft daran, wie ich 2012 Red Baraat in der Kammgarn erlebt habe. Mich hat stets das Flair beeindruckt, dass die Räumlichkeiten und die Menschen dort ausstrahlen. Und die künstlerischen Installationen, wie die spezielle Preisliste über der Bar. Aber klar, Hard war immer weit entfernt. Komisch eigentlich, weil sie eine ideale Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln aufweist.

Lucas: Die Kammgarn ist etwas vom Besten, was Vorarlberg zu bieten hat. Die Location ist einzigartig und bei der Qualität werden hier definitiv keine Kompromisse gemacht. Das werden wir auch in Zukunft so handhaben.

WANN & WO: Welche Pläne habt ihr mit der kulturellen Institution vor?

Lucas: Grundsätzlich wollen wir nicht mit dem Dampfhammer drüberfahren. Fakt ist nämlich, dass die Kammgarn auf sehr soliden Beinen steht. Natürlich werden wir neue Impulse setzen. Konkret sprechen wir im Moment von einer sanften Verjüngung und der Rückkehr des Foen-X-Festivals als Openair direkt am See – Rückbesinnung zu den Wurzeln und Neustart zugleich.

Pete: Das erste große Leuchtturmprojekt wird eine Neukonzeption des Festivals Foen-X sein. Da wird sich was tun, es gibt bereits konkrete Pläne und wir sind mitten in den Gesprächen. Neue Formate sollen kommen, wo der Dialog auf die Bühne kommt und Themen wie Nachhaltigkeit oder gesellschaftliches Engagement repräsentiert werden. Wir wollen den Gedanken der Kulturwerkstatt weiterführen, Kooperationen suchen und aktiven Menschen Raum für eigene Ideen bieten. Außerdem liegen uns die Ehrenamtlichen sehr am Herzen, denn sie sind eine Säule des Betriebs.

WANN & WO: Vor welchen Herausforderungen steht ihr? Mit welchen Problemen seid ihr aktuell konfrontiert?

Pete: Die größte Herausforderung ist zur Zeit, dass ein Tag nur 24 Stunden hat. Momentan haben wir jede Menge Termine, lernen ganz viele neue Leute kennen, besprechen Kooperationen, brüten über Konzepten und Visionen, während wir auf der anderen Seite fast nebenbei konkrete Einschulungen bekommen.

WANN & WO: Steht ihr auch für eine Öffnung der Kammgarn gegenüber neuen, jungen und vielleicht „wilden“ Strömungen?

Lucas: Definitiv! Das wird auch ein essentieller Bestandteil unserer Arbeit sein. Wir werden auch hierfür einen Platz finden. Es gibt ja schon gute Ansätze, die wir jetzt perfektionieren werden. Da juckt es uns auch schon ein bisschen unter den Fingernägeln.

Pete: Apropos spinnen: Die Kammgarn hat sich mit der Programmschiene „Spinnerei“ eh schon längst dem jüngeren Publikum und auch neuen musikalischen Strömungen geöffnet. Jeden Monat gibt es zwei, drei Konzerte von Bands, die gerade auf FM4 auf und ab gespielt werden.

Infos:
www.kammgarn.at

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