„Warum wird Cannabis verboten?“

Durch den Einsatz von Cannabinoiden hat sich Egon Gassers Gesundheitszustand stark verbessert. Er wünscht sich, dass Hanf für Erwachsene freigegeben wird. Wer mit Herrn Gasser in Kontakt treten möchte, wendet sich bitte an WANN & WO.  Foto: VOL.AT/Sonnberger

Durch den Einsatz von Cannabinoiden hat sich Egon Gassers Gesundheitszustand stark verbessert. Er wünscht sich, dass Hanf für Erwachsene freigegeben wird. Wer mit Herrn Gasser in Kontakt treten möchte, wendet sich bitte an WANN & WO.  Foto: VOL.AT/Sonnberger

Nach einem OP-Fehler schwebt der 69-jährige Lochauer Egon Gasser seit acht Jahren in ständiger Lebensgefahr. Als die Schulmedizin nicht mehr weiterhalf, griff er zu Hanf – mit bemerkenswerten ­Auswirkungen.

Seit acht Jahren lebt Egon Gasser als Schmerzpatient. Nachdem eine OP schiefgegangen war, droht ihm bis heute Organversagen – und damit der Tod. „Meine Blutwerte sanken so tief, dass die nötigen Eingriffe nicht mehr durchgeführt werden konnten“, erzählt er, „eine schulmedizinische Unterstützung war nicht mehr möglich, weder in der Schmerzambulanz Zams, noch in Feldkirch oder Hohenems. Ich galt als austherapiert.“ Es folgten qualvolle Jahre, verursacht durch Nervenschmerzen am ganzen Körper – eine Palette von 20 Medikamenten, darunter Morphium, blieb wirkungslos. Heute ist Herr Gasser nicht mehr gehfähig und leidet an Schlafstörungen. Sein letzter Hoffnungsfunke: Cannabis.

Dronabinol und CBD

„Im vergangenen Jahr teilte ich meinen Ärzten mit, dass ich auf Hanf umsteigen werde“, berichtet der 69-Jährige weiter. Der Einstieg in die Hanftherapie erfolgte mit Dronabinol, medizinischem THC. Kostenpunkt: 600 Euro wöchentlich! Die Beschwerden ließen etwas nach, doch erst, als Herr Gasser CBD-Tee ausprobierte, stellten sich spürbare Verbesserungen ein. Auch die Blutwerte normalisierten sich wieder. „Die politischen und medizinischen Widerstände empfinde ich als zutiefst ignorant“, kritisiert er nach diesen Erfahrungen die aktuelle Cannabis-Gesetzgebung. „Mit welchem Recht wird diese von der Natur gegebene Pflanze verboten und so viele Menschen kriminalisiert? Warum darf ich nicht meinen eigenen Hanf anpflanzen, um mich selbst zu therapieren?“ Herr Gasser gibt den Kampf nicht auf: 2019 starten er und weitere Schmerzpatienten eine Selbsthilfegruppe, mit dem Ziel, die medizinische Nutzung von Hanf voranzutreiben.

„Ernüchterung eingetreten“

Doch der Weg dorthin, scheint noch ein weiter zu sein, wie Gesundheitslandesrat Christian Bernhard auf WANN & WO-Anfrage erklärt: „Seit Jahrhunderten ist die schmerzlindernde Wirkung von Cannabis bekannt. Nach anfänglicher Euphorie über den medizinischen Einsatz ist mittlerweile aber Ernüchterung eingetreten. Ein nachweisbarer Nutzen, der nur in Einzelfallberichten beschrieben wurde, konnte in großen Studien nicht nachgewiesen werden. Übriggeblieben ist der Einsatz von Cannabis in der multimodalen Schmerztherapie, der Übelkeit bei Chemotherapie und bei Multipler Sklerose. Dafür sind bereits cannabis-haltige Reinsubstanz-Medikamente in Österreich zugelassen. Wenn ein tatsächlicher Nutzen belegbar sein sollte, werde ich mich entsprechend dafür einsetzen. Zuerst aber braucht es Klarheit.“

<p>C. Bernhard</p>

C. Bernhard

infos

Cannabidiol (kurz CBD) ist eines von über 100 Cannabinoiden der Hanfpflanze und gegenüber THC (Tetra Hydro Cannabinol) nicht psychoaktiv.

CBD ist noch wenig erforscht, es zeigt sich aber, dass CBD entspannend und entzündungshemmend wirkt. Das Cannabiniod kommt auch bei Epilepsie, Angststörungen oder chronischen Schmerzen zum Einsatz.

CBD ist weder als Medikament zugelassen, noch erfüllt es laut AGES die Definition eines Nahrungsergänzungsmittels. Aus diesem Grund darf CBD in Österreich nur als Aromaprodukt beworben werden. Als solches ist es frei erhältlich – einen THC-Anteil unter 0,3 Prozent vorausgesetzt.

CBD ist als Tropfen oder Tees, aber auch in Reinform als Blüte erhältlich. Wird man mit CBD-Blüten kontrolliert, geht die Polizei automatisch erst von THC-haltigem Cannabis aus.

Der Anbau von Hanf ist in Österreich legal, die Pflanzen dürfen allerdings nicht zur Blüte gebracht werden. Das gilt für THC- und CBD-haltige Sorten.

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