Jahrelang war Alkohol für Sebastian Spiegel tabu, nun ist er Weinakademiker und hat ein eigenes Weinlokal.  Foto: WANN & WO

Jahrelang war Alkohol für Sebastian Spiegel tabu, nun ist er Weinakademiker und hat ein eigenes Weinlokal.  Foto: WANN & WO

Ein eigenes Weinlokal ist etwas Besonderes – umso mehr, wenn man Straight Edger war. Sebastian Spiegel hat genau das gewagt.

Die Sieben ist für Sebastian Spiegel eine besondere Zahl. „Irgendwie verändert sich mein Leben immer im sieben-Jahres-Zyklus – oder besser gesagt, ich verändere es“, sagt der Dornbirner im Gespräch mit WANN & WO. „Man kann sagen, der Wechsel ist die einzige Konstante in meinem Leben.“

Bewegte Vergangenheit

Wechsel gab es definitiv so einigen im Leben des 38-Jährigen: Er war schon Konzertveranstalter, Gitarrist in Hardcore-Punk-Bands, gründete das „Schlachthaus“ in Dornbirn mit, hat die Jugendarbeit in Höchst mitaufgebaut, war Sozialarbeiter … und eben sieben Jahre lang Straight Edger, hat also keinen einzigen Tropfen Alkohol angerührt. Vom kompletten Alkoholverweigerer zum Weinclub-Gründer und jetzt eben Geschäftsführer eines Weinlokals. Widerspricht sich das nicht? „Ich finde nicht“, sagt Spiegel, der sogar drei Kreuze, das Zeichen der Straight-Edge-Bewegung, tätowiert hat. „Ich habe auch nie meine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass ich nie wieder Alkohol trinken würde. Das war halt ein Abschnitt in meinem Leben und eine sehr wertvolle Zeit, die ich nicht bereue.“ Jetzt eben der neue Abschnitt als Weinfachmann. Dazu ist er über seine Mutter gekommen, die als Wein-Educaterin Lehrgänge an Schulen gibt. „Da bin ich anfangs mitgegangen und plötzlich war mein Interesse geweckt.“ Und aus dem Interesse wurde eine wahre Leidenschaft: Spiegel hat sich an der renommierten Weinakademie WSET in London ausbilden lassen, hat kürzlich seine Diplomarbeit abgegeben und darf sich schon bald Weinakademiker nennen. Parallel dazu hat er den Club Weinstein gegründet, mit dem er dem Thema Wein ein junges, modernes Image geben will.

Alles aus der Region

„Der nächste Schritt war dann eben, den Showroom hier in Dornbirn zu eröffnen“, erklärt er. Neben Qualitäts- und Bio-Wein bietet er dort auch regionale Produkte wie Marmelade, Chutneys und Pasta aus Hohenems oder Kaffee von Amann an. Die Kunden können aber nicht nur shoppen, das Geschäft soll auch ein Ort für ein Glas Wein mit einem Stück Flammkuchen oder einigen Kanapees nach Feierabend sein. Ein Erfolgsmodell im Bier-Land Vorarlberg? „Das Ländle hat sicher eine Weinkultur. Und wenn es nicht klappt, werd‘ ich eben Speaker bei den Fuck-Up-Nights“, scherzt der Dornbirner. So ganz hat er seine Wurzeln übrigens nicht abgeschüttelt, erzählt er lachend: „Ich höre immer noch Straight-Edge-Musik. Nur jetzt eben mit einem Weinglas in der Hand.“

„Ich höre immer noch Straight-Edge-Musik. Nur jetzt eben mit einem Weinglas in der Hand.“ Sebastian Spiegel, „Weinstein Finewine“

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