Naturstörfaktor Stand-Up-Paddling?

SUP wird immer beliebter.  

SUP wird immer beliebter.  

Eine aktuelle Studie aus Deutschland zeigt auf, dass Stand-Up-Paddling ­überwinternde und rastende Wasservögel gefährdet – auch am Bodensee. WANN & WO hat sich die Situation im Ländle angesehen.

Erstmals wurden für die vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) in Auftrag gegebene Studie europaweit Daten zu Stand-Up-Paddling und dessen Auswirkungen auf Wasservögel erhoben und ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, dass vor allem an den großen Voralpenseen überwinternde und rastende Vögel durch Stehpaddler gestört werden. Verglichen mit Sportarten wie Rudern, Segeln oder Kanufahren sei die Störwirkung durch SUP „überdurchschnittlich hoch“ – nur Motorboote würden die Tiere noch mehr stören. Am Bodensee soll ein einzelner Stand-Up-Paddler sogar aus anderthalb Kilometern Entfernung tausende Kolbenenten aufgescheucht haben.

„Große Störung“

Biologin Johanna Kronberger, Mitarbeiterin bei Birdlife, hat sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt und kommt zu einem ähnlichen Schluss: „Ich habe schon öfter beobachtet, dass Stand-Up-Paddler eine große Störung für rastende Wasservögel, aber auch für Brutvögel darstellen. Die Sportler werden durch die stehende Haltung von den Vögeln leichter als Menschen – und somit als Gefahr – erkannt. Dazu kommt, dass man mit SUP-Boards fast überall einfahren und anlanden kann. Das führt dazu, dass einst ungestörte Gebiete nun auch einem Nutzungsdruck ausgesetzt sind und die Tiere keine Rückzugsorte mehr haben. Im Sommer sind SUPs nur problematisch, wenn sie etwa Richtung Natura 2000 Gebiet Rheindelta oder Bregenzer Ach-Mündung fahren. Im Winter stellen sie allerdings (fast) immer ein Problem dar.“

„In Vorarlberg sind kaum ­Winter-Paddler unterwegs“

„Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Zugvögel auf SUP sensibler reagieren, als heimische Arten“, teilt Andreas Portenschlager, Obmann des SUP Vereins Vorarlberg und Geschäftsführer von Ländle SUP, mit, relativiert aber sogleich: „Die Anzahl der Winter-Paddler auf Vorarlbergs Gewässern ist schwindend gering. Bereiche um Schutzgebiete, sprich um die Mündung Leiblach sowie von Neuamerika bis zur Mündung des Alten Rheins, sollten ganzjährig großräumig gemieden werden. Bereiche mit Bootsverkehr – Bregenzerbucht oder Harder Hafen – sind eher für Winterpaddler geeignet, da mögliche Störungen gering gehalten werden können.“

„Naturschutz sehr wichtig“

Bei Surfmax in Hard sieht man sich „in der Pflicht, Wassersportneulinge auf die Thematik aufmerksam zu machen. Jeder Kursteilnehmer bzw. Mieter eines SUP weiß, dass etwa das Schleienloch sowie rot-weiß-rot gekennzeichnete Gebiete absolut tabu sind“, betont Surfmax-Chef Mathias Tschögl. „Aus eigener Erfahrung weiß ich zudem, dass den Leuten, die diesen Sport ausüben, Naturschutz sehr wichtig ist und sie deshalb auch den nötigen Respekt gegenüber der Natur aufbringen.“ Vereinzelt seien auch in Hard Winterpaddler unterwegs, „99,9 Prozent der Paddler sind von Mai bis September auf dem Wasser.“ Abschließend stellt Tschögl klar: „Schwarze Schafe gibt es überall. Aber wir stehen in engem Kontakt mit der Seepolizei, damit diese auch aus dem Wasser gezogen werden.“

<p class="caption">Laut Studie werden Wasservögel vor allem im Winter durch SUP stark gestört. Fotos: Surfmax, Kronberger, Ländle SUP </p>

Laut Studie werden Wasservögel vor allem im Winter durch SUP stark gestört. Fotos: Surfmax, Kronberger, Ländle SUP 

<p class="caption">J. Kronberger</p>

J. Kronberger

<p class="caption">A. Portenschlager</p>

A. Portenschlager

<p>Mathias Tschögl, Surfkultur, Bregenz: „Für mich ist ganz klar: Wenn es um den Erhalt unserer schönen Natur – und in unserem Fall speziell des Bodenseeufers – geht, gilt es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, Allianzen zu gründen und die Dinge ,miteinander‘ anzupacken. Es ist nicht selbstverständlich, dass es zu derartigen Kooperationen kommt. Wir wollten aber als positives Beispiel vorangehen und die Menschen gleichzeitig über Umwelt- und Naturschutz aufklären. Und wer weiß, vielleicht können wir auch andere dazu motivieren, gemeinsam Projekte umzusetzen. Am Ende des Tages ist es unser Ziel, dass jeder Einzelne, egal ob sportbegeistert oder naturaffin, ein Bewusstsein entwickelt und seinen eigenen Beitrag leistet, um unser kleines Naturjuwel, in dem wir leben, auch für die Zukunft zu erhalten.“</p>

Mathias Tschögl, Surfkultur, Bregenz: „Für mich ist ganz klar: Wenn es um den Erhalt unserer schönen Natur – und in unserem Fall speziell des Bodenseeufers – geht, gilt es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, Allianzen zu gründen und die Dinge ,miteinander‘ anzupacken. Es ist nicht selbstverständlich, dass es zu derartigen Kooperationen kommt. Wir wollten aber als positives Beispiel vorangehen und die Menschen gleichzeitig über Umwelt- und Naturschutz aufklären. Und wer weiß, vielleicht können wir auch andere dazu motivieren, gemeinsam Projekte umzusetzen. Am Ende des Tages ist es unser Ziel, dass jeder Einzelne, egal ob sportbegeistert oder naturaffin, ein Bewusstsein entwickelt und seinen eigenen Beitrag leistet, um unser kleines Naturjuwel, in dem wir leben, auch für die Zukunft zu erhalten.“

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„Knigge“ für Stehpaddler

In der Studie nennt der Verfasser verschiedene Maßnahmen, die ein konfliktärmeres Miteinander von Vogelschutz und Freizeitnutzung gewährleisten können. Diese richten sich insbesondere an den behördlichen und verbandlichen Naturschutz, Landschaftsplanungsbüros, Wassersportverbände, Surfschulen, Verleihstationen von Wassersportequipment sowie die Jägerschaft.

Daneben kann aber auch jeder einzelne Sportler dazu beitragen, Störungen zu vermeiden. Hierzu hat Studienautor Matthias Bull einfache Verhaltensregeln für die naturverträgliche Ausübung des Stand Up Paddlings abgeleitet:

• Freiwilliger Verzicht auf SUP zur Vogelzugzeit im Zeitraum von Anfang Oktober bis Ende März.

• Ganzjährig einen großen Abstand von mindestens 300 Metern zu Vogelansammlungen einhalten.

• Nur bestehende Einstiegsstellen wie Häfen, Badestrände und Slipanlagen in Gewässer nutzen.

• Abstand halten zu Naturschutzgebietsgrenzen, Winterruhezonen, Flachwasserbereichen und Schilf­gürteln.

• Informieren Sie sich im Vorfeld eines Ausfluges über Schutzgebiete und Befahrungsregeln am Zielort.

Quelle: LBV – Landesbund für ­Vogelschutz in Bayern e.V.

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