Traum vom eigenen (Waisen-)Haus

Im Einsatz für die Kleinsten: Als vierfache Mutter liegen Anna die Kinder in Nigeria besonders am Herzen. Fotos: handout/Anna Onwuka

Im Einsatz für die Kleinsten: Als vierfache Mutter liegen Anna die Kinder in Nigeria besonders am Herzen. Fotos: handout/Anna Onwuka

Anna und Michael Onwuka aus Götzis verteilen seit Jahren Spenden in Nigeria. Nun planen sie mehr.

Anna Onwuka sieht fit aus. Erstaunlich fit, wenn man weiß, dass die Götznerin eine Nachtschicht sowie nur ein paar Stunden Schlaf hinter sich hat und gerade im Begriff ist, sich in ihren zweiten Job zu stürzen. Oder eigentlich sogar ihren dritten Job, schließlich kann man das Management einer fünfköpfigen Familie durchaus genauso bezeichnen. „In der Nacht arbeite ich in einem betreuten Wohnheim. Und am Tag wartet Afrika auf mich“, erzählt Anna WANN & WO. Denn sie hat einen Traum, für den sie jeden Tag alles gibt: Ein Waisenhaus in Nigeria bauen.

Etwas zurückgeben

Dieser Traum war nicht schon immer da, sondern ist gewachsen – mit jedem Besuch in dem Land. „Seit ich denken kann, hat es mich schon nach Afrika gezogen. Ich war schon immer fasziniert von diesem Kontinent, von der Kultur und besonders von den Menschen“, erinnert sich Anna. Vor etwa zehn Jahren hat sie sich dann ihren Herzenswunsch erfüllt und zum ersten Mal Nigeria besucht. Dabei war sie von einem Menschen dort ganz besonders fasziniert: Anna lernt Michael kennen, das Paar führt über drei Jahre lang eine Fernbeziehung. 2011 heiraten sie schließlich in seinem Heimatland und Michael zieht zu Anna nach Vorarlberg. Aber das Paar will sich nicht auf dem westlichen Lebensstandard ausruhen, sondern etwas zurückgeben: „Wir wollten den Menschen in Nigeria helfen, das stand für uns ohne Zweifel fest“, sagt Anna. Und sie wussten auch sofort, an wen ihre Hilfe gehen sollte: „Kinder.“

1000 Kinder beschenkt

Das Paar besucht Waisenhäuser und Slums, verteilt Essen, Spielzeug und Kleidung an die Kinder. Viele von ihnen erhalten von ihnen ihren ersten Ranzen, Papier und Stifte, damit sie in der Schule richtig mitarbeiten können. „Bildung ist das Um und Auf, wenn man den Menschen in Nigeria helfen will. Nur mit einem Abschluss können sie etwas Gutes lernen, einen Job finden und für ihre Familie sorgen“, stellt die 48-Jährige klar. Denn dass das längst nicht immer der Fall ist, hat sie bei ihren Besuchen in dem wirtschaftlich armen Land aus nächster Nähe erfahren müssen. „Ich habe Frauen kennengelernt, deren Männer sie mit drei, vier, fünf Kindern sitzen gelassen haben, weil sie sich mit der Ernährung ihrer Familie überfordert fühlten. Babys, die nach der Geburt einfach in einem Gebüsch liegen gelassen wurden, weil die Mütter vor Armut nicht für sie sorgen können“, schildert sie. Also fangen Anna und Michael an zu sammeln: Auf Facebook stellt sie ihr Projekt vor und bittet um Spenden, in etwas mehr als anderthalb Jahren besucht sie gut 400 Mütter, die ihr abgelegte Sachen ihrer Kinder schenken und schon bald platzt ihr Dachboden aus allen Nähten. „Wir haben dann einen alten Lkw gekauft, haben ihn bis oben hin vollgeladen und nach Nigeria verschifft. Mehr als 1000 Kinder konnten wir damit in Nigeria beschenken, das war ein großartiges Gefühl! Die Menschen waren so dankbar. Einige der Mütter riefen sogar die Leiter der Schulen an, in denen wir die Spenden verteilten und fragten, ob das alles seine Richtigkeit habe – sie dachten, die Sachen wären gestohlen, weil sie so viel Großzügigkeit gar nicht fassen konnten!“ Nachdem das Paar alle Sachen verteilt hat, verkauft es den Lkw vor Ort, kauft von dem Erlös Essen und verteilt das ebenfalls.

Den Ärmsten helfen

Aber Anna und Michael wollen nicht einfach nur für den kurzen Moment helfen, sondern längerfristig. Und das bedeutet eben, in die Bildung zu investieren. „Wir haben nicht nur Babys gesehen, die wegen Armut weggegeben wurden, sondern auch Babys, die ausgesetzt wurden, weil sie aus einer Vergewaltigung heraus entstanden sind, oder weil die Familien glauben, dass sie verhext seien. Da ist Bildung und eben Aufklärung der Schlüssel, damit das nicht mehr passiert.“
Deshalb wollen sie jetzt ein Waisenhaus in Nigeria bauen. „Ein Grundstück haben wir schon und sind auch in Kontakt mit Nonnen, die die Kinder dort betreuen und unterrichten werden“, erzählt Anna stolz. Was noch fehlt, ist das Geld. „Wir werden etwa 12.500 Euro brauchen. Fast die Hälfte haben wir schon, was uns aber unglaublich freuen würde, wäre ein Großspender.“ Bei mehreren Vorarlberger Unternehmen hat das Paar deshalb schon angefragt – bislang aber nur Absagen bekommen. „Wir hoffen einfach, dass sich doch noch jemand als Großsponsor findet und so weitere Spender mitzieht“, hält Anna fest. „Es ist ja nicht für uns oder für irgendein privates Vergnügen – sondern für die Kinder, die sonst keine Chance haben.“

<p class="caption">Schlüsselfaktor Bildung: Viele Kinder erhielten von Anna und Michael ihre erstenSchulsachen überhaupt.</p>

Schlüsselfaktor Bildung: Viele Kinder erhielten von Anna und Michael ihre ersten
Schulsachen überhaupt.

„Wir haben Babys gesehen, die wegen Armut ausgesetzt wurden, weil sie aus einer Vergewaltigung heraus entstanden sind oder weil die Familien glauben, sie seien verhext.“ Anna Onwuka