„Die Menschen finden kein Gehör“

Millionen Menschen gehen in Hongkong auf die Straße.  Fotos: AP, handout/Hämmerle, Thomas Schrott

Millionen Menschen gehen in Hongkong auf die Straße.  Fotos: AP, handout/Hämmerle, Thomas Schrott

Der Feldkircher Architekt Christian Hämmerle (32) arbeitet derzeit in Hongkong und erlebt die Proteste hautnah mit. Mit W&W sprach er über seine Eindrücke.



Seit ein paar Wochen lebt Christian Hämmerle in Hongkong. Für ihn ergab sich durch einen Wettbewerbsbeitrag für ein Kulturprojekt in Peking die Möglichkeit, für einige Monate in die Sonderverwaltungszone zu ziehen und dort zu arbeiten. Diese befindet sich jedoch in einer der turbulentesten Phasen seit der Übergabe durch die Briten an China.

Sicherheit?

Bedenken über die Sicherheitslage hat der Feldkircher nicht. „Hongkong gilt insgesamt als eine sehr sichere Stadt und die Menschenmassen verteilen sich sehr gut. Da die Proteste hauptsächlich an den Wochenenden stattfinden, bekommt man dort dann doch ein anderes Bild der Stadt zu sehen. Unzählige Menschen unterschiedlichen Alters marschieren trotz brütender Hitze quer durch die Stadt und drücken lautstark ihre Meinung aus“, erzählt Christian.

Der Alltag der Menschen

Bei den ersten Protesten war beinahe ein Viertel der Bevölkerung auf der Straße, was beinahe zwei Millionen Menschen entspricht. „Da die Proteste nun schon länger andauern, wünschen sich viele erst einmal eine Entspannung der Lage und Rückkehr zur Normalität. Die meisten Menschen in meinem Umfeld würden sich anstelle der ausartenden Proteste eine sachliche Diskussion auf politischer Ebene wünschen. Dies geschieht aber leider nicht“, so der 32-jährige Architekt. „Auch wenn ein Großteil der Bevölkerung Sympathien für die Protestanten hat, ist die Angst vor größeren Ausschreitungen mit der Polizei groß. Außerdem gibt es durch die Proteste auch jetzt schon Einschränkungen im Alltag, etwa die Lahmlegung des Flughafens oder gezielte Störungen der Metro“, führt er fort.

China als Machtfaktor und die Zukunft Hongkongs

Wie lange China die Proteste „dulden“ wird, kann nicht genau gesagt werden. Christian meint hierzu: „Aus meiner Sicht zeigt sich der Machtfaktor Chinas allein schon darin, dass derzeit leider entgegen der Wünsche vieler Einwohner, keine entsprechende Antwort auf die Forderungen der Protestierenden von der Hongkonger Regierung kommt. Stattdessen wird größtenteils geschwiegen, dies stachelt die Proteste logischerweise nur noch mehr an. Für mich ist die Zukunft hier vor Ort schwer abzuschätzen, dazu sind die Themen und Hintergründe viel zu komplex und vielschichtig, es gibt keine ,einfache‘ Lösung zur derzeitigen Situation.“

<p>Christian Hämmerle</p>

Christian Hämmerle

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