Die Ratten kommen

In Vorarlberg werden immer mehr Ratten gesichtet. WANN & WO hat mit einem Kammerjäger im Dauereinsatz gesprochen.

Einer der letzten Notrufe, die Ronald Knoll erreicht haben, war ohne Frage haaresträubend: Ein Feldkircher war wie üblich aus seiner Wohnung getreten, um zur Arbeit zu gehen und hatte direkt vor sich eine Ratte über die offene Straße rennen sehen. Klarer Fall für den Kammerjäger Knoll – der sich aktuell keinesfalls über fehlende Arbeit beschweren kann. „In den vergangenen Wochen wurden wir häufiger als üblich wegen Rattenbefall zu Hilfe gerufen“, sagt der Schädlingsbekämpfer im Gespräch mit WANN & WO. Und das nicht nur in Feldkirch: „Das Problem ist nicht auf eine bestimmte Stadt beschränkt, uns erreichen Anrufe aus dem gesamten Ländle.“ Betroffen seien dabei aber vor allem die Städte Dornbirn, Bregenz, Feldkirch und Bludenz. „Eben dort, wo viele Menschen auf begrenztem Raum zusammenleben“, erklärt der Schädlingsbekämpfer.

Feldkirch warnt Bürger

Zumindest die Stadt Feldkirch bestätigt das auf WANN & WO-Anfrage. „Ja, das Problem sehen wir auch“, heißt es in der Antwort der Pressestelle. „Ratten waren in Feldkirch schon immer aufgrund der Flussnähe ein Thema. Aber gerade vor etwa zwei, drei Wochen haben sich vermehrt Bürger bei uns aufgrund von Sichtungen gemeldet.“ Die Nager seien dabei etwa an Komposthaufen in privaten Gärten, im Umfeld von öffentlichen Müllsammelstellen an Wohnanlagen oder auch bei illegal am Straßenrand abgelagertem Müll gesichtet worden.

Durch Toilette in Wohnung

Auch die Pressestelle der Stadt Bregenz bestätigt gegenüber WANN & WO, dass immer mal wieder Ratten in der Stadt auffallen. „Ein Problem würden wir das aber nicht nennen“, so die Auskunft. Ähnlich äußert sich auch Stefan Kirisits von der Bludenzer Öffentlichkeitsarbeit: „Ratten sind Kulturfolger. Sie waren und sind gerade in Städten in Bereichen von offenen Gewässern immer anzutreffen. Jedes Jahr melden Bürger vereinzelt Rattenprobleme. Dass es aktuell eine gestiegene Rattenpopulation gibt, können wir in Bludenz aber nicht bestätigen.“ Aus Dornbirn erreichten WANN & WO gleich mehrere Berichte über Rattensichtungen. So fing ein Messestädter erst vor gut zwei Wochen eine Ratte in seiner Wohnung (siehe Foto). Das Tier war wohl über die Toilette ins Haus gelangt. Weitere Einwohner erzählten von Ratten, die sie im Bereich von Kanaldeckeln gesehen oder sogar mit Fallen im eigenen Garten gefangen haben – teils mehrere Tiere an nur einem Tag. Diese Fälle wurden der Stadt Dornbirn aber offenbar nicht offiziell angezeigt: Von den genannten Fällen hat die Pressestelle auf Anfrage keine Kenntnis. Die Referenten bestätigen lediglich einen aktuellen Rattenfall in einem leerstehenden Gasthaus im Hatlerdorf, um den sich aber inzwischen gekümmert würde, wie es heißt.

Problemgrund Müll

In einem Punkt allerdings sind sich die Städte und auch Kammerjäger Knoll einig: den Gründen für das Problem. „Ratten treten immer wieder dort in Erscheinung, wo falsch mit Abfall, Kompost und vor allem mit Speiseresten umgegangen wird“, sagt etwa Kirisits von der Stadt Bludenz. Und die Feldkircher Pressestelle ergänzt: „Wenn Ratten im Stadtgebiet anzutreffen waren, gibt es meistens in der unmittelbaren Umgebung einen ‚Problemfall‘. Das kann ein nicht richtig aufgestellter Komposthaufen sein oder jemand, der in der Nähe Lebensmittel falsch entsorgt.“ Gerade zur warmen Jahreszeit verschärfe sich die Situation zusätzlich, wenn weggeworfene Lebensmittel noch schneller verderben und beginnen, zu riechen. Kritisch sieht Experte Knoll auch die Müllwirtschaft: „Wenn etwa der Plastikmüll, der ja in Joghurtbechern oder Verpackungen auch immer ein kleines Maß an Speiseresten beinhaltet, nur alle 14 Tage abgeholt wird und in der Zwischenzeit etwa vor dem Haus oder im Keller herumsteht, dann zieht das natürlich Ratten an.“

Schwieriger Kampf

Laut Kammerjäger Knoll vermehren sich die Schädlinge auch deshalb stärker, weil bestimmte Mittel gegen sie nicht mehr freiverkäuflich erhältlich sind. „Die Verbraucher können also nicht mehr selbst mit gleicher Effektivität gegen Ratten vorgehen, sondern müssen Fachleute wie uns rufen.“ Und das in Vorarlberg wohl noch eine Weile lang immer öfter.

<p class="caption">Diese Ratte wurde in einer Dornbirner Wohnung gefangen, nachdem sie wohl durch die Toilette ins Haus gelangt war.  Fotos: privat, Reuters, dpa, APA</p>

Diese Ratte wurde in einer Dornbirner Wohnung gefangen, nachdem sie wohl durch die Toilette ins Haus gelangt war.  Fotos: privat, Reuters, dpa, APA

<p class="caption">Ronald Knoll</p>

Ronald Knoll

15 bis 30 Zentimeter lang kann eine Wanderrate werden. 500 Gramm können die Tiere auf die Waage bringen. 10 Junge bekommt ein Weibchen ungefähr pro Wurf. 100 Tiere kann eine große Rattenkolonnie umfassen.

Wann & Wo | template