Stilmittel statt Zombies

Marlene schreibt ihre Texte ausschließlich auf dem Laptop. Foto: Sams

Marlene schreibt ihre Texte ausschließlich auf dem Laptop. Foto: Sams

Schon in jungen Jahren begeisterte sich Marlene Hagspiel für das literarische Schreiben. „Bei den Schularbeiten konnte ich ohne Vorgaben schreiben. Einzig gewisse Reizwörter musste ich einbauen. Das hat mir sehr gefallen“, berichtet die 17-jährige Autorin. Mit elf Jahren besuchte sie schließlich einen Schreibworkshop in den Sommerferien und entdeckte dabei ihre Passion – das kreative Schreiben. Aus diesem Grund will sie künftig über „Literatur Vorarlberg“ selbst eine Schreibwoche für Kinder leiten. „Es ist wichtig, die Jugend für Lesen und Schreiben zu begeistern. Viele reden nur noch in halben Sätzen und die Hälfte davon sind Anglizismen oder in einer anderen Sprache. Ich will der Verblödung der Jugend etwas entgegenwirken.“ Mit der Zeit wurden die Kurztexte der Feldkircherin anspruchsvoller und sie fing an, auch Gedichte zu verfassen.

Englischer Gedichtband

Die besten Arbeiten veröffentlicht die Jungautorin auf ihrem Blog „Marlene zwischen Sonnenblumen und Kaffee“ oder präsentiert sie bei Lesungen in der „Villa Müller“ in Feldkirch. Für die Schule habe sie zwar auch einen Roman angefangen, doch beendet habe sie ihn nicht: „Als ich weiterschreiben wollte, ist mir das Geschriebene kindisch vorgekommen. In meinem Alter entwickelt man sich so schnell. Vor allem der Wortschatz wird größer.“ Momentan arbeite sie deshalb an der Übersetzung ihres englischen Gedichtbands. Mit einer Präferenz für englische Reime habe die ursprüngliche Sprachwahl jedoch nichts zu tun. „Meine Gedichte reimen sich nicht. Ich mag die Sprache und denke manchmal sogar auf Englisch. Als ich in London war, habe ich einfach losgeschrieben“, erklärt Marlene.

Kopfentleerung

Das Schreiben sei für sie ein Ausgleich zur Arbeit als Steuer- und Wirtschaftsassistentin. „Wenn mein Kopf komplett voll ist und nichts mehr hineinpasst, dann hilft mir das Schreiben ungemein. Es fühlt sich an, als würde ich etwas ausschütten und damit Platz für Neues schaffen“, beschreibt sie ihren Schaffenstrieb. Ihre Texte sollen den Lesern Mut machen, sollen unterhalten, zum Schmunzeln anregen und traurige Themen wie etwa Beziehungskrisen in ein fröhlicheres Licht rücken. Doch obwohl sich die Ich-Erzählungen wie Erlebnisberichte aus ihrem Alltag lesen, beruhen diese weniger auf eigenen Erfahrungen. „Ich gebe meinen Figuren auch keine Namen, damit jeder Leser sich in der Person wiedererkennen kann“, erläutert Marlene. Auch die unzähligen Eindrücke auf Reisen würden sie inspirieren – viele Geschichten sind etwa im Zug entstanden. Besonders in großen Städten, wo die Leute gestresst sind, telefonieren und mit Wegwerfbechern durch die Straßen schreiten, habe sie einen verstärkten Drang zu schreiben.

Komposita und Dialekt

Einige Elemente sind in ihren Werken wiederkehrender Natur: Am liebsten verwendet sie Komposita: „Wortkombinationen sind super. Es macht mir unheimlich Spaß, viele Nomen aneinanderzuhängen.“ Sonnenblumenaufdachterassenanpflanzprojekt – Marlene probiert stilistisch einiges aus. Und auch der Dialekt kommt nicht zu kurz. „Durch ihn kann ich besser transportieren, wie eine Person wirklich ist“, erklärt sie die Vorliebe für dialektale Zitate. Da viele Texte von Herzschmerz handeln, sei ihre Leserschaft vornehmlich weiblich. Doch gleichaltrige Buben hätten ihr ebenfalls schon Komplimente für ihre Schreibweise gemacht. Nur der Inhalt würde ihnen weniger zusagen: „Ein männlicher Leser hat sich mehr Zombies und mehr Blut gewünscht“, erzählt Marlene und kann sich ein lautes Lachen nicht verkneifen. Auf Zombies verzichte sie schließlich ebenso bewusst wie auf politische Aussagen. Denn obwohl sie sich sehr für Politik interessiere, will sie mit derartigen Anspielungen niemanden verärgern.

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