„Friday for Future“ mit Markus Wallner

Vergangenen Freitag bat WANN & WO Landeshauptmann Markus Wallner für einen „Friday for Future“ ins Illwerke Zentrum Rodund. Die   Vandanser Steinwand im Hintergrund. Fotos: Breuß/Sams

Vergangenen Freitag bat WANN & WO Landeshauptmann Markus Wallner für einen „Friday for Future“ ins Illwerke Zentrum Rodund. Die   Vandanser Steinwand im Hintergrund. Fotos: Breuß/Sams

Im exklusiven W&W-Interview zum Klimaschutz in Vorarlberg spricht der Landeshauptmann offen über ein Thema, das uns alle angeht.



Greta Thunberg: Wie stehen Sie zu ihr und den teilweise untergriffigen Reaktionen auf ihre Person?

Wer etwas tut, muss auch mit Kritik rechnen. Unterm Strich ist es wirklich beeindruckend, was eine 16-Jährige alles bewirken kann – natürlich auch mithilfe neuer Medien. Die Jugend darf fordern und frech sein. Letztlich versuchen sie, uns und insbesondere die Politik darauf aufmerksam zu machen, dass dieses Thema für sie wichtig ist. Und dass wir gefordert sind, zu handeln. Sie verlangt zurecht Antworten. Wir stehen angesichts wissenschaftlich belegter Fakten unter Zugzwang. Und wir müssen den Jungen vermitteln, dass wir sehr wohl bereit sind, etwas zu tun.

Zumal immer der Vorwurf laut wird, die „Jugend von heute“ habe ihr Interesse an der Politik verloren.

Überhaupt nicht, im Gegenteil. Ich mache jede Woche die Erfahrung, dass die Jugend sehr interessiert ist. Gerade Themen wie Migration, Sicherheit, Klimaschutz brennen den Jugendlichen unter den Fingernägeln. Weniger Parteipolitik, mehr Inhalte und Sachthemen.

Kritiker sehen die Ausruf­ung eines Klimanotstands als blanken Populismus. Was bedeutet dieser Begriff konkret für Vorarlberg?

Ich halte den Streit um die Begrifflichkeit sinnlos. Juristisch befinden wir uns vielleicht nicht in einem „Notstand“ oder Katastrophenszenario. Trotzdem geht es mir darum, den Menschen klar zu machen, dass wir den Appell verstanden haben und bereit sind, Maßnahmen zu setzen – die auch Gewicht haben. Vorarlberg ist ein Land des Tuns. Die ganz großen Ansätze liegen im Bereich Erneuerbarer Energie, speziell in Sachen Wasserkraft. Weiters wird dem Thema Mobilität ein Schwerpunkt gewidmet. Zusätzlich steht Abfallwirtschaft auf unserer Agenda – Stichwort Littering. Letztlich geht es um Fragen unseres persönlichen Lebensstils, und auch darum, uns selbst zu hinterfragen.

Wie steht es zum Beispiel um das Energiethema?

Aktuell kommen wir beim Anteil des Stroms, den wir aus erneuerbaren Energien gewinnen, auf rund 75 Prozent. Soeben haben wir uns als konkrete Maßnahme entschieden, drei neue Kraftwerke zu bauen. Wir wollen bis 2030 die 100 Prozent schaffen.

25 Prozent entstammen aber auch aus dem europäischen Netz, also auch aus Kohle- und Atomstrom.

Das stimmt und hier gibt es auch nichts schönzureden. Keiner weiß genau, woher der Strom kommt, er trägt kein „Mascherl“. Energieautonomie ist nicht Autarkie. Auf lange Sicht müssen wir unseren Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken, um zumindest in der Bilanz sauberen Ökostrom zu beziehen. Wir leisten aber auch einen Beitrag zur deutschen und europäischen Energiewende. Denn je mehr Strom wir aus der Wasserkraft ins europäische Netz einspeisen, desto weniger werden Atom- oder Kohlekraftwerke benötigt.

Wie steht es um den Ausbau der Photovoltaik, gerade auch im privaten Bereich? Würde ein Landesunternehmen wie die Illwerke nicht am eigenen Ast sägen, wenn die Vorarlberger ihren privaten Stromverbrauch über eigene Anlagen decken könnten?

Als Landesunternehmen wird neben der Pumpspeicherung und Wasserkraft auch dieses Thema sehr spannend. Es geht hierbei vor allem um Probleme der Energiespeicherung, und wie ein Haushalt den gewonnenen Strom privat nutzen kann. Ein Feld, das aber auch als zukünftiges Geschäftsmodell für die Illwerke zunehmend interessanter wird. Auch in Kombination mit E-Autos die ja auch als solche Speichermedien fungieren könnten.

Wie reagiert der Bund auf den gestiegenen Bedarf an z.B. Solarförderungen?

Der Bruch der Regierung bedeutete auch Stillstand in der Neufassung des „Ökostrom-Gesetzes“. Die nächste Bundesregierung muss sich schleunigst, am besten noch im nächsten Jahr, mit dem „Erneuerbare-Energien-Ausbau-Gesetz“ beschäftigen. Mit der Wasserkraft stoßen wir an unsere Grenzen. Wollen wir die 100 Prozent voll machen, brauchen wir weitere 5000 Dächer mit PV-Anlagen. Was wir uns ebenfalls als Ziel gesetzt haben und intensiv beim Bund einfordern wollen, gerade in Bezug auf Förderungen.

Wie stehen Sie zur CO²-Steuer, die ja von Seiten der ÖVP abgelehnt wird?

Ich stehe dem Gedanken grundsätzlich nicht negativ gegenüber. Es darf nur nicht sein, dass diese Steuer von den Schultern des kleinen Mannes getragen wird. Menschen im ländlichen Raum sind oft auf ein Auto angewiesen. Wieso sollte es gerade sie treffen? Erst wenn jene, die eigentlich nichts dafür können, entlastet werden, kann so eine Steuer durchaus sinnvoll sein.

Wie steht es um den Ausbau der „Öffis“?

Im Rheintal haben wir bereits einen Takt von zehn Minuten, in denen man in ein öffentliches Verkehrsmittel steigen kann. Neben Wien sind wir preislich ebenfalls am attraktivsten im bundesweiten Schnitt. Hier sind wir auf einem guten Weg, auch was die Zahlen beim Umstieg von private auf öffentliche Mobilität betrifft. Wie überall besteht aber auch hier Luft nach oben. Zum Beispiel beim Ausbau der Bahnhöfe oder der Möglichkeit, sein Fahrrad vor Ort sicher zu verwahren. Spannend ist, dass die Jugend diese Form der Mobilität extrem begrüßt und intensiv nützt, auch in der Nacht.

„Brennender Regenwald am Amazonas“: Wie reagieren Sie persönlich auf Aussagen des brasilianischen Präsidenten Bolsonaro, wenn er z.B. internationale Hilfe ablehnt?

Inzwischen sind solche Themen, auch aufgrund der Jugend, an den heimischen Esstischen angekommen und erzeugen Wut und Unverständnis. Eigentlich ist es ein Ruf nach einem stärkeren Europa. Die Stimme von Vorarlberg oder auch Österreich hat hier wenig Gewicht – höchste Zeit, gerade für ein gemeinsam auftretendes, starkes Europa aufzustehen, und vehement Kritik zu formulieren.

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