Go Trabi Go – Ländle Edition

Enricos Trabant ist eine Attraktion – nicht nur auf dem Dornbirner Weihnachtsmarkt .

Enricos Trabant ist eine Attraktion – nicht nur auf dem Dornbirner Weihnachtsmarkt .

Seit 30 Jahren ist die DDR Geschichte – doch ihr Symbol, der Trabant, lebt mehr denn je. Auch in Vorarlberg.

Nicht einmal eine Minute dauert es, da ist Enrico Uebe umringt von Menschen. Oder besser gesagt: sein Auto. „Wunderschön“, ruft ein älterer Herr dem Dornbirner entgegen. Eine Frau macht gleich ein Selfie von sich vor dem Wagen. Und ein paar Kinder drücken ihre Nasen an den Fenstern platt, während sie sich auf die Kunststoffverkleidung stützen. Moment … Kunststoff? Ja, Kunststoff. Denn Enricos Auto sorgt nicht nur deshalb für Aufsehen, weil es mitten auf dem Dornbirner Weihnachtsmarkt steht. Sondern weil es ein Trabant ist. „Ein Trabant P 601 S deluxe, um genau zu sein. Baujahr 1987, einer der letzten Guten“, sagt er und grinst. Das motorisierte DDR-Symbol ist nämlich mit Kunststoff statt Metall verkleidet – was dem Auto den liebevollen Spitznamen „Rennpappe“ einbrachte. „Der Trabant ist Kult“, sagt Enrico, „und das merkt man auch an den Preisen. Die sind zuletzt rapide angestiegen.“ Er muss es wissen: Der hellblaue „Flipper“ ist bereits der zehnte Trabant (oder kurz: Trabi) des ehemaligen DDR-Bürgers. „Ungefähr. Genau weiß ich es gar nicht mehr.“

Vorwärts immer,
rückwärts nimmer

Sein aktuelles Modell hat er vor zwei Jahren gekauft, da war der „Ossi“, wie er sich nennt, schon drei Jahre in Dornbirn. „Den habe ich aus Schwedt, einem Ort zwischen Berlin und Ostsee, geholt.“ Gute 900 Kilometer und das mit Zweitaktmotor und 26 PS – beim Trabantfahren ist der Weg das Ziel. Als er endlich da war, ging es beim Typisieren ganz schnell. Schließlich kannte der TÜV Enrico und seine außergewöhnliche Auto-Vorliebe ja schon. „Als ich meinen ersten Trabi hier anmelden wollte, stand ich ganze fünf Mal bei denen vor der Tür. Die wussten mit einem Trabant erstmal gar nichts anzufangen“, erinnert sich der 47-Jährige lachend. So weit er kann, schraubt er selbst an dem Kult-Mobil, „die Inneneinrichtung übernimmt aber meine Frau Anne – zum Glück“, zwinkert Enrico. Wenn es ans Eingemachte geht, fährt er zu befreundeten Trabi-Spezialisten ins Allgäu. Manchmal benötigt er aber auch ganz profane Hilfe: „Auf dem Weg nach Hause muss ich
13 Prozent Steigung überwinden – da mussten auch schon das ein oder andere Mal die Nachbarn kommen und anschieben“, lacht er. „Der Trabi verbindet einfach. Durch Instagram, Facebook und große, organisierte Treffen habe ich schon Menschen von überall auf der Welt kennenlernen dürfen. Ich kenne sogar welche, die in den USA damit herumfahren!“

Wenn das Honecker
sehen könnte

Weit gebracht hat es auch Enricos „Flipper“: „In diesem Sommer sind wir nach Mailand gefahren. Der Urlaub war wunderschön, aber das Highlight war doch die Maut-Station an der italienischen Autobahn: Ein älterer Mann schaute aus dem Häuschen, sah den Trabant und rief begeistert: ‚La Trabanta!‘ Er hat sich sichtlich gefreut, nach so vielen Jahren wieder einen zu sehen“, erinnert sich Enrico. Nicht ohne Grund, schließlich wird der Trabant seit dem Ende der DDR nicht mehr gebaut – und trotzdem steigen die Anmeldezahlen in Deuschland. „Nach der Wende wurden viele Trabis stillgelegt“, weiß der „Ossi“. „Die werden jetzt einer nach dem anderen wieder aufgebaut, gehandelt und gefahren. Das ist ein richtiger Hype, der da entsteht.“ Dass der auch Enrico ergriffen hat, scheint übrigens kein Wunder zu sein: Aufgewachsen ist der 47-Jährige wenige Kilometer von Greppin entfernt, seine erste Wohnung hatte er in eben dem Ort in Sachsen-Anhalt – „neben dem Torbogen, der zu Beginn des legendären Films ‚Go Trabi Go‘ zu sehen ist“, grinst Enrico.

<p class="caption">Bei Instagram zeigt Enrico seinenLändle-Trabi – wie hier am Bödele.</p>

Bei Instagram zeigt Enrico seinen
Ländle-Trabi – wie hier am Bödele.

<p class="caption">„Flipper“ vor dem legendären Torbogen aus „Go Trabi Go“.  Fotos: Sams, handout/Enrico Uebe</p>

„Flipper“ vor dem legendären Torbogen aus „Go Trabi Go“.  Fotos: Sams, handout/Enrico Uebe

<p class="caption">Enrico bietet seinen Trabi auch fürHochzeitsfahrten an – natürlich auch bei seiner eigenen mit Frau Anne.</p>

Enrico bietet seinen Trabi auch für
Hochzeitsfahrten an – natürlich auch bei seiner eigenen mit Frau Anne.

<p class="caption">30 Jahre nach dem Leben hinter derMauer erobert der Trabant die Welt.</p>

30 Jahre nach dem Leben hinter der
Mauer erobert der Trabant die Welt.