Ist wirklich alles OK, Boomer?

Der Ausdruck „Ok, Boomer“ ist zum Symbol des Konflikts zwischen Alt und Jung geworden. W&W hat sich umgehört, wie groß die Kluft tatsächlich ist.

Chloë Swarbrick ist so etwas wie die Zigarettenkippe in einer Benzinpfütze. Genau so, wie der beiläufig weggeworfene Stummel ein ziemliches Feuer entfacht, so hat ein beiläufiger Spruch von ihr eine gewaltige Diskussion ausgelöst: „Ok, Boomer.“ Seit die 25-jährige, neuseeländische Parlamentsabgeordnete einen alten, konservativen Kollegen in einer Debatte mit nur zwei Worten und einer einfachen Handbewegung zum Schweigen brachte, ist „Ok, Boomer“ das Meme der Stunde. Der Ausdruck ist zum Inbegriff des Konflikts zwischen der jungen „Generation Z“ und den Babyboomern geworden – jenen etwa 55- bis 65-Jährigen, die heute an den Schalthebeln von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft sitzen. Und denen die „Generation Z“ vorwirft, mit ihrem Streben nach immer mehr Wirtschaftswachstum um jeden Preis das Klima, wenn nicht gleich den ganzen Planeten, auf dem Gewissen zu haben. Aber ist die Kluft tatsächlich so groß oder wird der Konflikt nur künstlich aufgeblasen? Diese Frage sollte bei der Podiumsdiskussion „Eiszeit zwischen Jung & Alt“ der Katholischen Kirche Vorarlberg am Montag geklärt werden. Und zwar von Aaron Wölfling, dem Gesicht von „Fridays For Future“ in Vorarlberg, OJAD-Geschäftsführer Martin Hagen und ÖAAB-Lehrer-Obmann Wolfgang Türtscher.

Zündstoff Klimaproteste

Zumindest auf der Bühne im Kolpinghaus Dornbirn war die ideelle Kluft zwischen Alt und Jung groß. „Ich bin zufrieden mit der Reaktion auf die Klimaproteste. Damit, dass das Thema weltweit an die Spitzen der Politik-Agenden gelangt ist“, sagte Wölfling. Und setzte an die Boomer-Generation gewandt hinzu: „Unzufrieden bin ich hingegen damit, dass trotzdem nichts passiert. Die Emissionen sind noch immer kein bisschen gesunken.“ Deshalb müsse weitergestreikt werden. Ein Ziel, das Türtscher zwar teile – aber doch bitte nicht zur Unterrichtszeit: „Ich bewundere das Engagement der Jugendlichen. Mich stört aber, dass es während der Schulzeit stattfindet.“ Laut ihm wären die Straßen leer, wenn die Demos an Wochenenden stattfänden. Eine Kritik, die Wölfling schon oft gehört habe: „An Samstagen wären nicht die Straßen leer, sondern die Zeitungen.“

Altbekannte Konflikte

Die Klimafrage ist aber nur ein Beispiel für die Eiszeit zwischen Jung und Alt. Und die ist keinesfalls neu, findet Wölfling: „Ich glaube seit es Menschen gibt, gab es diesen Generationenkonflikt. Die Jugend rebelliert gegen die ältere Generation und die ältere Generation begegnet dem mit Missgunst.“ OJAD-Geschäftsführer Hagen teilt diese Ansicht. „Ältere Menschen blicken gern zurück, junge nach vorn. Außerdem betrachten junge Menschen Verhältnisse kritisch, die Älteren wollen aber keine Veränderungen.“ Und auch, wenn Hagen selbst zur Boomer-Generation gehört, verstehe er die „Generation Z“ gut. „Man muss sich nur einmal die Frage stellen: Was wäre, wenn seit 1919 kein Mensch für oder gegen etwas demonstriert hätte?“

Hinhören gefordert

Die „Ok, Boomer“-Debatte kommt immer auch auf das politische Machtgefälle zu sprechen: Statistisch ist nur etwa jeder vierte Wähler jünger als 35 Jahre. Wird Politik also nur für die Alten gemacht? Wölfling sagt Ja: „Im Moment gibt es definitiv ein Alters-problem in der Politik. Die junge Generation, die noch lange mit den jetzt getroffenen Entscheidungen leben muss, wird oft außer Acht gelassen“, schildert der Aktivist im Gespräch mit WANN & WO. „Mich schockiert es, dass große Entscheidungen, wie zum Beispiel der Brexit, zum Großteil von älteren Menschen getroffen werden, während die Jugend auf der Straße steht und klar sagt: ‚Wir wollen das nicht!‘“ Laut OJAD-Chef Hagen liegt die Lösung im Austausch zwischen den Generationen: „Das Problem sind nicht die Unterschiede zwischen Jung und Alt, sondern der Mangel an Kommunikation zwischen ihnen.“ Dazu gehört auch das Hinhören – und das passiert laut einer jungen Frau im Publikum nicht, wie sie an Türtscher gewandt klagte. „Die junge Generation fühlt sich ihrer Zukunft beraubt, ist wütend und resigniert. Das spürt man überall, das muss man doch emotional erfassen.“ Türtschers Antwort fiel knapp aus: „Von solchen Gefühlen habe ich noch nichts gehört.“ An dieser Stelle würde die „Generation Z“ ihr Smartphone in die Hand nehmen und ein „Ok, Boomer“-Meme posten.

<p class="caption">Die Klimaproteste sind nicht der alleinige Grund, wohl aber der Auslöser für den aktuellen Generationenkonflikt.  Foto: Stiplovsek</p>

Die Klimaproteste sind nicht der alleinige Grund, wohl aber der Auslöser für den
aktuellen Generationenkonflikt.  Foto: Stiplovsek

<p class="caption">Aaron Wölfling</p>

Aaron Wölfling

<p class="caption">Martin Hagen</p>

Martin Hagen

<p class="caption">Wolfgang Türtscher</p>

Wolfgang Türtscher

Wann & Wo | template