Journalistische Reise durch die Zeit

Florian Klenk auf die Frage, was einen guten Journalisten ausmacht: „Wir brauchen Spezialisten!“ Fotos: Universität Liechtenstein

Florian Klenk auf die Frage, was einen guten Journalisten ausmacht: „Wir brauchen Spezialisten!“ Fotos: Universität Liechtenstein

Im Interview mit aha Youth Reporter Lucas Ammann sprach Florian Klenk, Chefredakteur des „Falter“, über Pressefreiheit und den Wandel der Medienlandschaft.


Im Zuge der Veranstaltungsreihe „Campus Gespräch“ hielt Florian Klenk, Chefredakteur der Wochenzeitung „Falter“, an der Universität Liechtenstein einen Vortrag zum Thema „Fakt, Fake und der
Journalismus“. Dabei blickte er unter anderem auf die Entwicklung der journalistischen Welt innerhalb der vergangenen 28 Jahre zurück und wagte eine Zukunftsprognose. Anschließend sprach Klenk mit aha Youth Reporter Lucas Ammann im Interview über Journalismus, den Wandel der Medienwelt und die Pressefreiheit.

Der Einfluss des Internets

„Ich möchte, dass wir im Jahr 1991 in einen tiefen Dornröschenschlaf fallen.“ Mit dieser Aussage begann der promovierte Jurist seinen
Vortrag. 1991 deshalb, weil Klenk in diesem Jahr seine Journalisten-Karriere begann. Damals wurde das Internet nur von wenigen genutzt, weshalb es einen geringen Einfluss hatte. Die Situation veränderte sich aber mit der Zeit, wie Klenk erklärt. Der wachsende Einfluss von Internet und Social Media lösten einen Umbruch in der Medienwelt aus.

Wandel in der Medienwelt

Als Beispiel hierfür nennt Klenk das Jahr 2008, in dem die Videoplattform YouTube „marktreif“ wurde. Dies habe ganz neue Möglichkeiten eröffnet – plötzlich konnte jeder Videos in Sekundenschnelle verbreiten. „Es beginnt die Transformation einer Gesellschaft, die es gewohnt ist, Bildschirmen zu vertrauen und Zeitungen zu lesen in eine ‚redaktionelle Gesellschaft‘ – wie sie der Kommunikationswissenschaftler Bernhard Pörksen nennt“, erklärt Klenk. Plötzlich war es jedem möglich, Nachrichten zu verbreiten, was früher in diesem Ausmaß ausschließlich Journalisten vorbehalten war.

Das Handy als

Arbeitsgegenstand

Florian Klenk blickt der Zukunft der Medien, trotz geänderter Situation, positiv entgegen. Die Entscheidung des „Falter“, Online-Content nur begrenzt kostenlos zur Verfügung zu stellen, hält der Chefredakteur für richtig, „weil viele Zeitungen damit ihre Abonnenten verloren haben.“ Selbst sei er jedoch in gewissen Bezügen auch Opfer der neuen Technologien geworden: Sein Handy sei sein Arbeitsgegenstand, weshalb er sich auch als „handysüchtig“ be-zeichnet. „Das ist wie jemand, der ständig raucht.“ Der Tageszeitungsjournalismus, in dem er für den „Kurier“ eine Zeit lang gearbeitet hat, ginge ihm aber nicht ab, „weil wir in Zeiten des Online-Journalismus‘ und von sozialen Medien täglich veröffentlichen können“.

Pressefreiheit als Leibthema

Florian Klenk dockte 1998 bei der Wiener Stadtzeitung „Falter“ an, ehe er dort 2008 Ressortleiter des Bereichs Politik wurde. 2012 übernahm er gemeinsam mit dem Vorarlberger Armin Thurnher die Chefredaktion. Seine Dissertation schrieb er über Pressefreiheit und Unschuldsvermutung unter dem Aspekt der Kriminalberichterstattung, was der Inverstigativjournalist als sein „publizistisches Leibthema“ bezeichnet. Es ginge ihm darum, wie viel Öffentlichkeit Rechtsfindung brauche – wann Medien Schutz
darstellen und wann eine Gefahr.

„Wir brauchen Spezialisten“

Auf die Frage, was gute Journalisten ausmache, entgegnete Klenk: „Ich glaube, es ist wichtig, sich zu
spezialisieren – obwohl natürlich auch Allgemeinwissen dazugehört. Was wir brauchen, sind Spezialisten, die wirklich eine Ahnung haben, worüber sie schreiben.“
Personen, die facheinschlägig an einer Fachhochschule studieren, würden zwar das Handwerk eines Journalisten beherrschen, jedoch nicht das zu behandelnde Thema. Andererseits sei es wichtig, Distanz zu den Regierenden zu bewahren, schließt Florian Klenk.

<p class="caption">Lucas Ammann (l.) traf den „Falter“-Chefredakteur zum Interview.  Foto: handout/privat</p>

Lucas Ammann (l.) traf den „Falter“-Chefredakteur zum Interview.  Foto: handout/privat

Zur Person

Name: Florian Klenk

Geburtsdatum: 23. Juni 1973

Ausbildung: Rechtswissenschaften

Beruf: Jurist, Journalist, Autor

Funktion: Chefredakteur „Falter“

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