Unsichtbares Theater für mehr Zivilcourage

Die Mädels der Kulturakademie der HAK Bregenz vor ihrem Auftritt. Foto: handout/privat

Die Mädels der Kulturakademie der HAK Bregenz vor ihrem Auftritt. Foto: handout/privat

Am Donnerstag zeigten die Schüler der HAK Bregenz in Dornbirn ein Schauspiel über Diskriminierung, von dem keiner wusste, dass es eins ist.


Schülerinnen der Kulturakademie der HAK Bregenz sorgten am Donnerstag für Wirbel im Dornbirner Stadtmarkt. Die Mädels hatten ein Stück zum Thema Diskriminierung einstudiert. Dieses führten sie jedoch nicht auf einer Bühne vor jubelndem Publikum auf, sondern am Busparkplatz und mitten im Einkaufszentrum in Dornbirn – vor unbeteiligten Passanten, die gar nicht recht wussten, wie ihnen geschieht. Leiterin Roswitha Winsauer gab Einblick in die Situation.

Die Szene

Diskriminerung kann viele Merkmale betreffen: Alter, Herkunft, Geschlecht, Sexualität, Religion. Genau auf dieses Problem wollte die Kulturakademie mit ihrem Projekt aufmerksam machen. Die Gruppe inszenierte einen Streit. Ein Mädchen mit Migrationshintergrund stößt eine Österreicherin. Dabei fällt ein Handy zu Boden und wird beschädigt. Der „Inländerin“ wird die Schuld dafür gegeben. Immer mehr Mädchen der Gruppe mischen sich ein – es entsteht ein riesiger Konflikt. Das Stück endet damit, dass eines der Mädchen Münzen auf den Boden wirft und schreit: „Dann nehmt halt das Geld!“ Über das Stück aufgeklärt werden die Passanten nicht. Während des real wirkenden Streits, gingen Lehrerinnen und unbeteiligte Schülerinnen umher und beobachten die Passanten und Reaktionen.

Theatertheorie von Boal

Die Vorgangsweise der Gruppe geht auf die Theorie des brasilianischen Theatertautors und Regisseurs Augusto Boal zurück. Dieser gilt als Erfinder des „unsichtbaren Theaters“. Sein Ziel war es, durch die real wirkenden Stücke echte Aktionen und Emotionen in den Zusehern auszulösen. Er erhoffte sich, Menschen auf diesem Weg zu Zivilcourage ermuntern zu können. Basis der Theaterform bilden Alltagssituationen. Zuschauer sollen die Situation für real halten, um so auch eine reale Aktion ihrerseits auszulösen. Dadurch sollen neue Perspektiven zu schwierigen Situationen im Berufs- und Privatleben geschaffen werden. Genau dies war auch das Ziel der Kulturakademie. Tatsächlich gab es auch Passanten, welche in die Situation einschritten und Zivilcourage zeigten. Dennoch ist da noch Platz nach oben.

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