Wenn aus der Party ein Albtraum wird!

Einmal kurz nicht aufgepasst und die Feierstimmung kann ins komplette Gegenteil kippen – wie sich erst kürzlich wieder ein Fall im Ländle zeigte, bei dem eine junge Frau mit KO-Tropfen betäubt werden sollte.  Foto: Sams

Einmal kurz nicht aufgepasst und die Feierstimmung kann ins komplette Gegenteil kippen – wie sich erst kürzlich wieder ein Fall im Ländle zeigte, bei dem eine junge Frau mit KO-Tropfen betäubt werden sollte.  Foto: Sams

Eine Warnung in Social Media sorgt gerade für Aufsehen im Ländle: Schon wieder sind KO-Tropfen aufgetaucht. W&W sprach mit dem Opfer, der Polizei und einer Security-Mitarbeiterin.

Eine Zigarette in ihrem Leben wird Michelle wohl für immer im Gedächtnis bleiben – und das nicht im Positiven. Denn während sie am Wochenende vor Silvester vor einem Club in Feldkirch rauchte, versetzte ein Unbekannter ihr Getränk drinnen mit KO-Tropfen. „Ich stellte mein Getränk am Tisch neben den Securitys ab“, erzählt die 22-Jährige, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen will, WANN & WO. „Ich weiß natürlich, dass man das Getränk nicht unbeaufsichtigt lassen soll. Aber ich dachte, dass sich niemand traut, direkt neben den Securitys etwas ins Glas zu werfen.“ Doch damit lag Michelle leider falsch. „Als wir zurück in den Club gingen und ich mein Glas austrank, wurde ich sehr müde. Meine Augen wurden unglaublich schwer. Ich wollte nur noch schlafen und konnte mich kaum auf den Beinen halten. Ich taumelte, als hätte ich viel zu viel getrunken“, erinnert sie sich. Sie geht mit ihrem Freund nach draußen, doch auch die frische Luft hilft ihr nur langsam. „Mein Freund war die ganze Zeit bei mir, hielt mich wach und passte auf mich auf. Irgendwann ließ die Wirkung nach und dann war es endlich vorbei.“

Securitys sind kein
100%-iger Schutz

Auch Security-Mitarbeiter sind kein absoluter Schutz und letztlich nur Menschen, weiß die gebürtige Schwarzacherin Sandy Gasser. Sie ist seit Jahren im Security-Gewerbe tätig. Und sagt, dass auch das Abstellen der Getränke am Security-Tisch kein garantierter Schutz ist. „Denn der Sicherheitsdienst ist oft nicht dafür geschult“, sagt die 50-Jährige im Gespräch mit WANN & WO. „Außerdem müssen die Mitarbeiter ihre Augen überall und auch das umliegende Geschehen im Visier haben, nicht nur die Gläser.“ Sie appelliert an die Eigenverantwortung und Vorsicht der Club-Gäste: „Die Leute ziehen sich Handschuhe an, um sich gegen die Kälte zu schützen, eine dicke Jacke, um nicht zu frieren. Sie ziehen sich einen Helm beim Fahrradfahren an, um sich vorbeugend zu schützen und legen beim Autofahren einen Gurt an – aber bei Getränken sind sie nachlässig! Warum? Das ist wie russisches Roulett.“

Vorarlberger Polizei
sieht immer wieder Fälle

Dass genau das öfter einmal nach hinten losgeht, weiß auch die Vorarlberger Polizei. Auch wenn die Beamten keine genauen Zahlen zum Thema vorhalten, die Fälle ereignen sich seit Jahren immer wieder, sagt Peter Gruber, Chefinspektor im Bereich Suchtmittelkriminalität am Landeskriminalamt Vorarlberg, auf WANN & WO-Anfrage. Dabei erfasst die Polizei freilich nur jene Fälle, die auch angezeigt werden – die Dunkelziffer dürfte also deutlich höher liegen. „KO-Tropfen stehen dabei für unterschiedliche Substanzen“, erläutert Gruber. „Häufig als KO-Tropfen eingesetzt werden vor allem GHB, also Liquid Ecstasy, und das nah verwandte GBL.“ Dass KO-Tropfen seit Jahren immer wieder in Vorarlberg auftauchen, zeigt der Fall von Alexandra Erath. Die Hohenemserin hat es vor gut sechs Jahren in einem Dornbirner Club erwischt, erzählt sie WANN & WO. „Ich stand eine halbe Stunde an der Bar, mein Bier ein paar Zentimeter hinter meinem Ellenbogen. Plötzlich wurde mir übel und schwindelig. Ich wollte dann zur Toilette und bin schon nach ein paar Schritten einfach auf den Boden geknallt“, erinnert sich die 28-Jährige. Ein Security-Mitarbeiter hebt sie auf – und schätzt die Situation völlig falsch ein: „Er schrie mich an, wenn ich noch etwas trinke, schmeiße er mich raus. Ich habe in dem Moment weder gewusst, wo oben und unten war, noch was ich ihm antworten sollte.“
Alexandra setzt sich auf einen Stuhl, ihr wird heiß und kalt, sie bekommt Schweißausbrüche. „Dann hat sich jemand neben mich gesetzt und auf mich eingeredet. Was ich genommen hätte und dass ich mit zu ihm nach Hause kommen könnte.“ Der Unbekannte legt seinen Arm um Alexandra, merkt dass ihr Rücken schweißnass ist und geht wieder. „Ich bin mir sicher, dass es genau der Typ war, der mir etwas ins Getränk getan hat.“ Ein Freund kümmert sich danach um die junge Frau und fährt sie später auch nach Hause. Sie geben auch dem Clubbetreiber Bescheid, „aber den Typen ausfindig zu machen, ist unmöglich“, sagt Alexandra. „Ich kann auch nicht sagen, was genau es für eine Substanz war, da ich nie im Krankenhaus war und diese Substanzen nur kurze Zeit im Blut nachweisbar sind.“ Das sind sie etwa zwölf Stunden lang, weiß Chefinspektor Gruber. „Danach ist nichts mehr nachweisbar.“ Das ist ziemlich genau die Zeit, die es dauert, bis Betroffene überhaupt wieder auf den Beinen sind – und ins Krankenhaus gehen könnten.

<p class="caption">Sandy Gasser</p>

Sandy Gasser

<p>Alexandra, 28, Hohenems: „Inmeinen Augen sollten nicht nur die Transporte der Kälber in andereLänder verboten, sondern auch die Einfuhr von Tierprodukten besser geregelt werden. Ich möchte keine Fake-Bio-Produkte kaufen, die gar keine sind.“</p>

Alexandra, 28, Hohenems: „In
meinen Augen sollten nicht nur die Transporte der Kälber in andere
Länder verboten, sondern auch die Einfuhr von Tierprodukten besser geregelt werden. Ich möchte keine Fake-Bio-Produkte kaufen, die gar keine sind.“

„Dann hat sich jemand neben mich gesetzt und auf mich eingeredet. Was ich genommen hätte und dass ich mit zu ihm nach Hause kommen könnte.“ Alexandra wurden eine Substanz ins Bier gegeben

„Als ich mein Glas austrank, wurde ich sehr müde. Meine Augen wurden unglaublich schwer. Ich wollte nur noch schlafen und konnte mich kaum auf den Beinen halten. Ich taumelte, als hätte ich viel zu viel getrunken.“ Michelle wurden KO-Tropfen ins Getränk gemischt

Info



Das rät das LKA Vorarlberg

Die Beamten haben auf WANN & WO-Anfrage einige Tipps fürs sichere Feiern zusammengestellt.

• Lass dich nicht von jemandem
einladen, dem du nicht vertraust.

• Hole dir lieber ein kleines Getränk, das du vor dem Tanzen oder vor dem Gang zur Toilette austrinken kannst.

• Behalte dein Getränk im Auge, im Zweifelsfall ein neues Getränk
besorgen.

• Vereinbare mit FreundInnen, dass ihr untereinander auf die Getränke aufpasst.

• Wenn ihr in der Gruppe unterwegs seid, geht auch zusammen! Keine geht oder bleibt allein.

Wenn du dich komisch fühlst, wenn es dir schlecht geht:

• Geh nicht allein weg. Mach dich so schnell als möglich bei deinen

FreundInnen oder beim Personal bemerkbar. Oft merken die anderen nicht, dass du bereits „kippst“.

• Wenn dir die Situation seltsam oder unangenehm ist, schnapp dir eine oder mehrere Vertraute und verlass den Ort.

• Auf Privatpartys und bei Dates kann es ebenso Angriffe gegen Mädchen und Frauen mit KO-Tropfen geben. Nicht immer sind es Fremde oder Zufallsbekanntschaften.

Wenn es doch bereits zu spät ist:

• Keine Frau allein lassen! Im Zweifel immer die Rettung unter 144 rufen oder wenn die Frau noch dazu fähig ist, gemeinsam in ein Krankenhaus fahren. Die Information, dass ihr
KO-Tropfen vermutet, ist wichtig – Stichwort Nachweisbarkeit! – damit entsprechende Untersuchungen durchgeführt werden.

• Verständigt die Polizei und schildert den Sachverhalt so gut wie möglich. Nur so können entsprechende Ermittlungen eingeleitet werden.