Wie viel Klima kostet das Internet?

„Netflix and Chill“ ist nicht die beste Tat fürs Klima.  Foto: W&W/Vierlinger

„Netflix and Chill“ ist nicht die beste Tat fürs Klima.  Foto: W&W/Vierlinger

Autofahren und Fliegen schaden dem Klima – aber auch Medien-konsum, wie W&W vom Experten erfuhr.

Was hat eine Autofahrt vom Harder Binnenbecken nach Bregenz mit einer Serienfolge auf Netflix gemeinsam? Abgesehen von der Dauer, wenn man Pech mit dem Verkehr hat: den ökologischen Fußabdruck. Denn eine halbe Stunde Netflix verbraucht so viel CO2 wie eine Autofahrt von 6,3 Kilometern. Das hat der französische Think Tank „The Shift Project“ herausgefunden und in einer aktuellen Studie zusammengetragen.

Ländle keine Ausnahme

Den enormen Energiehunger durch die digitale Technologie sieht auch Josef Burtscher, Geschäftsführer des Energieinstituts Vorarlberg, mit Sorgen. „Auch wenn die Nutzung alternativer Energiequellen vor allem beim Heizen noch die drängendere Aufgabe ist, denke ich, dass dieser Trend zu immer mehr Stromhunger zunehmen wird“, so der Experte gegenüber WANN & WO. „Zwar ist dieser Bedarf in Vorarlberg mit weniger CO2 belastet, als in anderen Ländern, aber wir sind, was die Nutzung von Netflix & Co. angeht, wohl keine Ausnahme. Wenn es uns gelingt, dieses Mehr an Strom erneuerbar zu produzieren, ist der CO2-Anteil aber sicher vernachlässigbar.“ Bis es soweit ist, müsse aber jeder an seinem eigenen ökologischen Fußabdruck feilen: „Haben wir vor Jahren und noch teilweise heute in die Fußzeile unserer E-Mails geschrieben, man solle das Mail nicht ausdrucken, so wird vielleicht in Zukunft ein Hinweis kommen: Laden sie den Film nur in einer Qualität herunter, die ihrem Wiedergabegerät entspricht. Vielleicht ist das auch in Zukunft ein Qualitätsmerkmal, wenn eine Musik- oder Filmplattform mit erneuerbarer Energie betrieben wird – in Zeiten von Fridays for Future sicher denkbar.“ Und vielleicht sogar die bessere Alternative, so Burtscher: „Wenn jemand dann noch Ökostrom bezieht und sich einen Film streamt, anstatt mit dem zu großen Auto in die nächste Stadt zu fahren um ins Kino zu gehen, dann ist auch dies insgesamt mit weniger CO2 verbunden.“

<p class="caption">„Netflix and Chill“ ist nicht die beste Tat fürs Klima.  Foto: W&W/Vierlinger</p>

„Netflix and Chill“ ist nicht die beste Tat fürs Klima.  Foto: W&W/Vierlinger

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              Grafik: WANN & WO; Quelle: The Shift Project, Borderstep Institut, Greenpeace, Arte
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Grafik: WANN & WO; Quelle: The Shift Project, Borderstep Institut, Greenpeace, Arte

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