interviewJohannes Wilhelm (GF Wilhelm + Mayer)

Wie sehen Sie Lösungsansätze wie zielgruppenorientierte Planung (bspw. Gebäude ohne Lift, für Immobilien, in denen junge Menschen leben oder Verzicht auf Spielplätze für Projekte, in denen ältere Menschen wohnen) zur Kostenreduktion?

Heute auf einen Lift zu verzichten bedeutet auch den langfristigen Wert einer Immobilie zu mindern. Ein späterer Lifteinbau ist kaum machbar oder sehr kostenintensiv. Spielplätze sehen wir als öffentlichen Raum, der von der Kostenseite nicht so sehr ins Gewicht fällt und von den Hausgemeinschaften über die Zeit nach bestem Allgemeinnutzen verwendet wird – also immer eine wertvolle Fläche. Zielgruppenorientierte Planung ist für uns etwas, das die gemeinnützigen Bauträger besser lösen können. Unsere Immobilien sind auf eine breite Benutzung ausgelegt. Nur über die Lage können sie für die eine oder andere Zielgruppe interessanter sein.

Viele Wohnbauprojekte sehen sich sehr ähnlich. Bauträger reagieren darauf mit immer mehr und exquisiteren Ausstattungsmerkmalen. Könnte eine reduziertere Ausstattung zu leistbarem Wohnen beitragen?

Eine durchschnittliche, funktionell schwache Architektur ist selbst mit einer Luxusausstattung nicht aufhebbar. Gute Architektur zeichnet sich durch beste Funktion und Größenabstimmung aus. Sie bietet den Rahmen für vielseitige, individuelle Ausstattung auch noch nach Jahren. Auch das ist Nachhaltigkeit. Die Leistbarkeit von Wohnen hängt meistens von anderen Faktoren ab. Exorbitante Grundstückspreise, hohe Steuerbelastung und natürlich eine gängige Bauart auf hohem Niveau und langer Lebensdauer ist nicht geeignet, kurzfristig finanziert zu werden.

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