Gassi mit zwei Tonnen an der Leine

Achtung, Verwechslungsgefahr: Das sind nicht die Beatles und das ist nicht der berühmte Zebrastreifen vor den Abbey-Road-Studios. Hier gehen Andrea, Abdelilah und Anja mit Gitti und Rosi in Rankweil spazieren. Dabei sind staunende Gesichter von Fußgängern und Autofahrern garantiert. Fotos: Sams

Achtung, Verwechslungsgefahr: Das sind nicht die Beatles und das ist nicht der berühmte Zebrastreifen vor den Abbey-Road-Studios. Hier gehen Andrea, Abdelilah und Anja mit Gitti und Rosi in Rankweil spazieren. Dabei sind staunende Gesichter von Fußgängern und Autofahrern garantiert. Fotos: Sams

Andrea aus Rankweil hat zwei Kühe vor dem Schlachter gerettet – und geht jetzt mit ihnen im Ort spazieren. W&W traf die „kuhle“ Clique.

Der Fahrer des weißen Autos muss diesmal etwas länger am Zebrastreifen in Rankweil warten. Denn als Gitti auf der anderen Straßenseite angekommen ist, hat sie keine Lust mehr, weiterzugehen und bleibt stehen. Sie durch Hupen zum Weitergehen auffordern? Lieber nicht. Denn Gitti ist übermannshoch, wiegt 1240 Kilogramm und ist ein Rind. Genauer gesagt, das Rind von Andrea Baladi. „Und laut dem Lauteracher Viehhändler Pfanner das größte in ganz Vorarlberg“, sagt die 53-Jährige stolz. Aber nicht nur ihre Größe, auch ein weiterer Punkt macht Gitti zu etwas Besonderem: Die Sechsjährige ist eine begnadigte Kuh.

Vor dem Kälbertransport gerettet

„Gitti hätte als Jungtier per Kälbertransport nach Spanien geschafft werden sollen“, erinnert sich Andrea. „Über den Tierschutzverein habe ich davon erfahren und gleich beschlossen, das zu verhindern. Und das hieß eben: Gitti zu mir nehmen.“ So ein übergroßes Rind hält man aber nicht mal eben im Garten – und schließlich ist Andrea keine Landwirtin. Also fand Gitti ihr neues Zuhause auf dem Hof von Andreas Bekanntem Franz Zangerl. Und damit sie nicht allein ist, kam später auch noch Rosi dazu, die mit ihren gut 500 Kilo neben ihrer großen Stall-Mitbewohnerin wie ein Zwerg wirkt. „Am Anfang haben die Leute den Kopf geschüttelt, dass ich überhaupt eine Kuh rette. Die seien ja eh zum Schlachten da“, erzählt die Rankweilerin. Und muss lachen: „Als ich dann auch noch angefangen habe, mit den beiden spazieren zu gehen, erklärten sie mich für vollkommen verrückt.“ Für Andrea sind die Rinder mehr als einfach nur Nutztiere. „Mir ist es wichtig, dass die Leute sehen, dass es ganz sanfte, gemütliche Tiere sind, die einen eigenen Charakter haben. Wenn man sie und ihre Jungtiere nicht beunruhigt, sind sie auch alles andere als aggressiv. Das sollen die Leute anhand der Spaziergänge sehen.“

Pflegeeltern gesucht

Die sind auch nicht zu übersehen: Schon nach kurzer Zeit bildet sich eine Menschentraube um die ungewöhnliche Clique aus Gitti, Rosi, Andrea, ihrem Mann und Freundin Anja. Letztere ist übrigens genau so dazugestoßen: „Ich habe die beiden mit den Kühen auf der Straße gesehen. Da musste ich sie einfach sofort ansprechen“, berichtet die 35-Jährige. „Und seitdem bin ich dabei!“ Die Frage ist allerdings, wie lange noch – denn eigentlich will Andrea mit ihrem Mann in dessen Heimat Marokko ziehen. „Aber ich kann die beiden nicht allein lassen. Deshalb bleiben wir, bis wir jemanden gefunden haben, der Zeit und Lust hat, sich ihrer anzunehmen. Die Kosten übernehmen natürlich wir.“ Das mögen manche verrückt finden. „Aber so viel sind mir die Kühe tatsächlich wert.“

<p class="caption">Redakteurin Anja konnte es sich nicht nehmen lassen, auf dem „größten Rind“ Vorarlbergs Platz zu nehmen.</p>

Redakteurin Anja konnte es sich nicht nehmen lassen, auf dem „größten Rind“ Vorarlbergs Platz zu nehmen.

<p class="caption">„Kuhl & the Gang“: Andrea, Anja und Abdelilah mit Gitti und Rosi.</p>

„Kuhl & the Gang“: Andrea, Anja und Abdelilah mit Gitti und Rosi.

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