Juristische Situation – Stellungnahme von Mag. Florian Kreiner, Anwalt von Christoph Bösch Foto: handout/Kreiner

Ende Jänner wurden zwei von meinem Mandanten betriebene Tankstellen von demselben Täter unter Verwendung einer Waffe überfallen. Zufällig erkannte Herr Mag. Bösch den ihm von der Auswertung des Videomaterials bekannten Tatverdächtigen wieder, hielt sein Fahrzeug an, fixierte den Mann am Boden und ließ durch Passanten die Polizei verständigen. Dieser mutige Schritt wurde gesetzt, obwohl meinem Mandanten bekannt war, dass bei beiden Raubüberfällen eine Faustfeuerwaffe verwendet worden war. Gemäß § 80 StPO war mein Mandant zu dieser Handlung auch berechtigt, da er annehmen konnte, dass die Raubüberfälle vom Angehaltenen ausgeführt worden waren und in Folge der bereits erstatteten Anzeigen auch nach ihm gefahndet wurde oder zumindest werden sollte. Obwohl die nächste Polizeistation bloß 350 Meter entfernt war, dauerte es elf Minuten, bis die Polizei auch tatsächlich eintraf. Nach den mir zur Verfügung stehenden Informationen wurde aber zunächst primär untersucht, ob mein Mandant dem Tankstellenräuber im Zuge der gerechtfertigten Anhaltung irgendwelche Verletzungen zugefügt haben könnte, was nicht der Fall war. In weiterer Folge wurde meinem Mandanten, quasi als Dank für sein mutiges Einschreiten, eine Strafverfügung übermittelt, der zufolge er durch lautstarkes Herumschreien ungebührlicherweise störenden Lärm erregt haben soll. Ein konkreter Sachverhalt wurde nicht angegeben. Auch wurden die für die Polizei vorbereiteten Auszüge aus den Überwachungs­videos seit fast vier Wochen bis dato nicht abgeholt. Die Strafverfügung gegen meinen Mandanten wurde demgegenüber bereits nach sechs Tagen erlassen. Aus meiner Sicht wird mein Mandant klar dafür bestraft, dass er Zivilcourage gezeigt hat und jenen Tatverdächtigen gefasst hat, nach dem die Polizei eigentlich fahnden hätte sollen, was naturgemäß ohne Abholung der Überwachungsvideos nur schwer möglich ist. Es drängt sich daher der Eindruck auf, dass die Wiener Polizei ihre Aufgaben nicht mit der gehörigen Sorgfalt wahrnimmt. Selbstverständlich hat meine Kanzlei die Strafverfügung mittels Einspruch bekämpft. Die Untätigkeit der Polizei und die mangelnde Bereitschaft, das Opfer von zwei Raubüberfällen gehörig zu unterstützen, sind demgegenüber höchst beunruhigend und alles andere als geeignet, das Vertrauen in die Polizei zu stärken.

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