„Spannend, aber gefährlich“

„Better Call Trump“: Der US-Präsident wurde in eine Szene des „Breaking Bad“-Spin-offs „Better Call Saul“ montiert.  Foto: AK Vorarlberg, VOL Live; Screenshots: YouTube/Ctrl Shift Face, Kurt Fleisch, EZRyderX47

„Better Call Trump“: Der US-Präsident wurde in eine Szene des „Breaking Bad“-Spin-offs „Better Call Saul“ montiert.  Foto: AK Vorarlberg, VOL Live; Screenshots: YouTube/Ctrl Shift Face, Kurt Fleisch, EZRyderX47

Deepfakes sind witzig und technisch beeindruckend – können aber auch zu einem großen Problem werden, warnt die AK Vorarlberg.

Ob Sebastian Kurz beim Euro­vision Songcontest oder Iron-Man Robert Downey Jr. als Doc Brown in „Zurück in die Zukunft“: Deep­fakes können durchaus unterhaltsam sein, die Ergebnisse sehr beeindruckend. Allerdings birgt die Technologie großes Gefahrenpotenzial. Denn auch wenn in erster Linie prominente Personen wie Schauspieler und Politiker damit veräppelt werden – treffen kann es jeden, wie Dr. Franz Valandro, Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Vorarlberg warnt: „Deepfakes sind ein sehr spannendes Thema – können aber zu einem großen Problem für Betroffene werden.“ Denn mit entsprechender Hard- und Software kann heute alles manipuliert werden. „Photoshop ist da schon längst ein überholtes Basic-Tool“, so der Experte im Gespräch mit WANN & WO. „Aktuelle Programme in Verbindung mit leistungsstarker Hardware können weitaus mehr. Und je mehr Bilder ich habe, desto realistischer die Ergebnisse.“

„Dunkelziffer sehr hoch“

Im vergangenen Jahr wurde der AK ein Fall zugetragen, bei dem eine junge Frau von einem Bekannten informiert wurde, dass sie in einem Pornovideo zu sehen sei. „Die Frau hatte davon keine Ahnung. Ihr Gesicht wurde auf den Körper einer Pornodarstellerin montiert. So etwas geschieht immer wieder – auch unbemerkt über geschlossene Gruppen oder WhatsApp. Die Dunkelziffer ist vermutlich sehr hoch. Höchstproblematisch wird es, wenn Fotos von Minderjährigen verbreitet werden.“ Valandro stellt klar: „Ist ein Bild erst einmal online, verliert man die Kontrolle darüber.“ Betroffene hätten meist keine Chance, das Fotomaterial wieder aus dem Netz zu bekommen.

Rechtliche Möglichkeiten?

Jeder Mensch hat das Recht auf das eigene Bild. Doch in Zeiten des Internets und Sozialer Medien ist dies nicht immer einfach einzuklagen. „Alleine den Urheber auszumachen, ist oft schon sehr schwierig“, so Valandro weiter. Befänden sich die Verantwortlichen außerhalb der EU, etwa in den USA oder in Russland, könne man zwar per Anwaltsschreiben die Löschung des Contents beantragen – ob es dazu kommt, sei aber sehr unsicher. „Meist landen diese Schreiben im Papierkorb. Deepfakes verletzen Persönlichkeitsrechte und die Urheber können nur belangt werden, wenn sie auch ausgemacht werden können. Und der Schaden ist für die Betroffenen in der Regel dann ohnehin schon entstanden.“

<p class="caption">Bundeskanzler Sebastian Kurz wurde kürzlich per Deepfake-Software zum ­Sänger beim Eurovision Songcontest.  </p>

Bundeskanzler Sebastian Kurz wurde kürzlich per Deepfake-Software zum ­Sänger beim Eurovision Songcontest.  

<p class="caption">„Home Stallone“.  </p>

„Home Stallone“.  

<p class="caption">Amazon-Chef Jeff Bezos und Tesla-CEO Elon Musk in „Raumschiff Enterprise“.</p>

Amazon-Chef Jeff Bezos und Tesla-CEO Elon Musk in „Raumschiff Enterprise“.

<p class="caption">Dr. Franz Vallandro</p>

Dr. Franz Vallandro

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