Zu Gast bei Familie Corona

Der Name der Familie stammt vom sardischen Wort für „Krone“ – der des Virus übrigens auch. Fotos: Sams

Der Name der Familie stammt vom sardischen Wort für „Krone“ – der des Virus übrigens auch. Fotos: Sams

W&W sprach mit der Bregenzer Familie mit dem außergewöhnlichen Nachnamen über Erfahrungen und Sorgen über die Erkrankung.

„Wie war gleich nochmal der Name? Corona? Wie das Bier oder das Virus?“ Dieser Satz ist einer Bregenzer Familie nur zu gut bekannt. Leute beginnen neben ihnen zu husten. Reißen Witze. All das ist für die Coronas mittlerweile Alltag geworden.

Überall „Corona“

Alles begann mit Berichten über eine neuartige Virus-Erkrankung in China: „Als das Corona-Virus noch eher in Wuhan kursierte und somit weiter weg war, begannen Leute Witze über den Zusammenhang zu unserem Nachnamen zu machen. Auch wir empfanden es als einen interessanten Zufall, dass das Virus gleich heißt, wie unsere Familie“, erzählt Chiara Corona. Dieser Zufall habe jedoch eine einfache Erklärung: „Corona ist ein sardischer Name und steht für ‚die Krone‘“, erklärt der dreifache Familienvater Walter. Die kronenähnliche Form des Virus verschaffte ihm seinen Namen. „Für uns ist es natürlich ein komisches Gefühl, dass unser Nachname plötzlich überall so präsent ist. Ich arbeite in der Gastronomie, muss täglich die neuesten Zeitungen auflegen und überall springt mir das Wort ‚Corona‘ entgegen“, führt Mutter Sandra weiter aus. Besonders betroffen davon ist Tochter Chiara, die als Nachrichtensprecherin für Antenne Vorarlberg arbeitet: „Anfangs war es auch für mich befremdlich, zuerst meinen Namen zu sagen und dann über das gleichnamige Virus zu berichten.“ Mittlerweile habe sich die 25-Jährige jedoch damit abgefunden, genau so wie mit den Witzen. Diese seien schließlich lustiger Natur und nicht böse gemeint, da sind sich die Familienmitglieder einig. Nichtsdestotrotz können die ständigen Späße, zumal sie nicht wirklich abwechslungsreich seien, einem auch durchaus auf die Nerven gehen, wie Gianni, das jüngste Mitglied der Corona-Familie, berichtet: „Etwa, wenn Schüler mich absichtlich nach meinem Nachnamen fragen, obwohl sie ihn kennen.“

Das Lachen vergeht

Nun habe sich die Situation jedoch gemildert: „Je näher die Krankheit kam und die Menschen den Ernst der Lage erkannten, desto mehr flachten die Witze ab“, erklärt Walter. Auch sie selbst seien wegen der Corona-Pandemie beunruhigt: „Gewaltige Bedenken habe ich, was die wirtschaftliche Lage angeht. Deutlich wird die Problematik, wenn man die fallenden Benzinpreise betrachtet oder auch den Aktienmarkt, Tourismus, Export sowie Reise- und Flugverkehr: Das Virus wird weltwirtschaftliche Folgen haben, die wir noch nicht mal erahnen können.“ Sandra beobachtete kürzlich zum ersten Mal, wie Menschen Hamsterkäufe tätigten. Gepaart mit Schulschließungen und Veranstaltungsabsagen bereitet dies der Mutter zunehmend ein mulmiges Gefühl.

Den Humor bewahren

Auch Chiara erfährt die kritische Situation am eigenen Leib: „Gerade jetzt, wo in den meisten Firmen Pläne für den Notfall gemacht werden, wird einem der Ernst der Lage zunehmend bewusst. Auch weil immer mehr Menschen in Quarantäne gesteckt werden.“ Auch Familie Corona hofft, dass sich die Situation bald wieder erholt. „Etwas beruhigend ist, dass sich in China eine positive Entwicklung erkennen lässt. Mir als Sarde liegt dafür die Situation in Italien schwer im Magen. Aber grundsätzlich lässt sich sagen: Die Familie Corona kann auch weiterhin mit den Scherzen leben, denn solange es nur Witze sind, ist es nicht so schlimm“, schließt Walter Corona. „In einer so kritischen Situation ist es wichtig, sich einen Funken Humor zu bewahren. Wenn Leute einen Witz darüber machen und dafür einmal lachen können, stecke ich das gerne weg“, bestätigt Tochter Chiara.

<p class="caption">Als Nachrichtensprecherin ist Tochter Chiara noch einmal ganz besonders mit ihrem außergewöhnlichen Nachnamen konfrontiert.</p>

Als Nachrichtensprecherin ist Tochter Chiara noch einmal ganz besonders mit ihrem außergewöhnlichen Nachnamen konfrontiert.

„Es ist wichtig, einen Funken Humor zu bewahren. Dafür stecke ich das gern weg.“ Chiara Corona

„Je näher die Krankheit kam und die Menschen den Ernst der Lage erkannten, desto mehr flachten die Witze ab.“ Walter Corona

„In der Gastronomie lege ich täglich die Zeitungen auf, überall springt mir das Wort ‚Corona‘ entgegen.“ Sandra Corona

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