„Krisenpolitik unkoordiniert und chaotisch“

Blick Richtung City: Ungewohnt ruhige Straßen in der Metropole. Fotos: handout/privat

Blick Richtung City: Ungewohnt ruhige Straßen in der Metropole. Fotos: handout/privat

Fabian (33) aus Feldkirch fasste nach seinem Studium beruflich Fuß in London. W&W schildert der junge Manager den Lockdown in der Metropole und berichtet über seine Erfahrungen.

WANN & WO: Inwiefern hat sich dein Leben durch die Einschränkungen des Staates verändert?

Fabian Flatz: Der Alltag hat sich stark verändert. Wir verbringen viel Zeit zu Hause. Pubs und Restaurants sind noch bis voraussichtlich Juli geschlossen. Glücklicherweise wohne ich in einem für Londoner-Verhältnisse sehr großem Haus mit Garten. Und auch mein Job bei einem Software-Startup ist nur wenig von der Krise betroffen. Ich kann von zu Hause aus arbeiten und wir mussten im Unternehmen auch bisher keine Entlassungen vornehmen.

WANN & WO: Wie gehen deine Bekannten mit der Situation um?

Fabian Flatz: Viele meiner Freunde sind von der Situation genervt. Sie würden gerne wieder neue Leute treffen oder reisen. Dies ist momentan nicht möglich. London ist eine sehr teure Stadt und der Grund warum man hier ist – abgesehen von den beruflichen Möglichkeiten – ist das vielfältige Kulturangebot und Nachtleben. Das liegt jetzt alles komplett still.

WANN & WO: Welche Auswirkungen hat Corona auf die Gesellschaft? Wie würdest du das „Straßenbild“ beschreiben?

Fabian Flatz: Normalerweise sind die Londoner Straßen gefüllt mit Menschenmassen. Jetzt sind selbst zur Rush Hour die Straßen leer, die Stadt wirkt wie ausgestorben. Da London sehr weitläufig ist und die Öffis eingeschränkt wurden, bewegt man sich nur noch in dem „Grätzel“ in dem das eigene Haus liegt.

WANN & WO: Wie bewertest du die Maßnahmen in England?

Fabian Flatz: Die Krisenpolitik der Regierung Johnson (Anmk. Premierminister) wirkte und wirkt auch weiterhin unkoordiniert und chaotisch. Zu Beginn der Krise hatte Großbritannien weniger Fälle als Mitteleuropa. Dieser Vorsprung wurde verspielt. Zuerst wurde die Herdenimmunitäts-These bemüht, nur um diese dann hastig zurückzunehmen als sich herausstellte, dass die prognostizierten Todeszahlen um den Faktor 10 zu niedrig waren. Als das Virus sich rapide verbreitete, waren zu wenig Masken und Schutzmaterial für das Krankenpersonal da. Johnson selbst hielt sich nicht an die Sicherheitsvorschriften der eigenen Regierung und schüttelte Hände im Krankenhaus. Er steckte sich prompt mit dem Virus an. Ich freue mich für ihn, dass er wieder genesen ist. Aber dass er nun dem Virus entschlossener entgegentreten würde als vorher, das glaube ich nicht. Am ersten Tag zurück im Parlament, konnte er simple Fragen zur Krisensituation nicht beantworten. Er ist im Herzen doch lieber Clown als ernster Politiker.

WANN & WO: Wenn du auf Österreich schaust: Wie geht deiner Meinung nach die Politik mit der Corona-Situation um?

Fabian Flatz: Die Maßnahmen der österreichischen Politik werden in der ausländischen Presse sehr gelobt. Diesem Urteil würde ich mich anschließen. Die Zahl der Todesfälle und Neuinfektionen ist in Österreich deutlich geringer als in vielen anderen Ländern. Die österreichische Regierung macht auf mich einen seriösen und kompetenten Eindruck. CS

Zur Person

Name: Fabian Flatz

Alter, Herkunft: 33 Jahre, gebürtig aus Feldkirch

Beruf: Manager bei einem Software Startup

Wohnhaft: Nach Studium in das europäische Startup-Zentrum London gezogen