„Herausfordernde Situation für alle“

Einige Bootshäuschen im norwegischen Sunndalsøra spiegeln sich im klaren Wasser. Fotos: handout/Johannes Rusch

Einige Bootshäuschen im norwegischen Sunndalsøra spiegeln sich im klaren Wasser. Fotos: handout/Johannes Rusch

Johannes (33) forscht am Veterinärinstitut in Oslo. Der Feldkircher über seine Erfahrungen rund um den Lockdown im skandinavischen Norden.

WANN & WO: Inwiefern hat sich dein Leben durch die Einschränkungen des Staates verändert?

Johannes Rusch: Bei uns wurde die Forschungstätigkeit in den Laboren komplett heruntergefahren. Alle wurden aufgefordert, die Arbeit von zuhause aus zu machen, sofern möglich. Für mich bedeutet das, dass ich nun im Wohnzimmer meine Doktorarbeit schreibe und auf die Forschungsarbeit im Labor warten muss. Man plant die Einkäufe etwas längerfristiger und bei Geschäften bilden sich lange Schlangen, da teilweise Security-Bedienstete immer nur eine gewisse Kundenanzahl hineinlassen.

WANN & WO: Wie gehen deine Freunde und Kollegen mit der
derzeitigen Situation um?

Johannes Rusch: Die Leute haben großes Vertrauen ins Gesundheitssystem hier und es wirkt, als ob die meisten den Verordnungen der Regierung vertrauen. Es ist aber dennoch eine gewisse Unsicherheit spürbar, da niemand genau weiß, wie lange die Situation so bleiben wird. Natürlich sind die Menschen auch besorgt – hauptsächlich aber um Freunde, Eltern oder Groß-eltern, die zur Risikogruppe gehören. Die größte Herausforderung war sicherlich für Kollegen mit Kindern das Homeschooling bei gleichzeitigem Homeoffice.

WANN & WO: Welche Auswirkungen hat Corona auf die Gesellschaft? Wie würdest du das
„Straßenbild“ beschreiben?

Johannes Rusch: Die „Lockdown“-Maßnahmen in Norwegen waren etwas weniger streng als in Österreich. Es gab keine Maskenpflicht, alle Geschäfte waren geöffnet, aber mit wesentlich weniger Kunden. Anfangs waren die Straßen sehr leer. Sobald aber die Maßnahmen gelockert wurden und man sich zu fünft treffen durfte – unter Einhaltung eines Sicherheitsabstandes – waren viele Grünflächen in Parks besetzt. Gerade aber am Staatsfeiertag am 17. Mai waren die Feierlichkeiten stark eingeschränkt.

WANN & WO: Wie bewertest du die Maßnahmen in Norwegen?

Johannes Rusch: Ob die Maßnahmen zu streng waren, wird sich erst nach langer Zeit zeigen, vor allem im direkten Vergleich mit dem Nachbarland Schweden. Das Ziel der Regierung, die Zahl der Neuinfizierten zu verringern und die Krankenhäuser nicht zu überlasten, wurde jedenfalls erreicht. Persönlich habe ich die frühen Lockerungen der Maßnahmen sehr begrüßt, denn sich im Park wieder mit Freunden zu treffen war eine willkommene Abwechslung von der vorherigen sozialen Isolation.

WANN & WO: Mit Blick auf Österreich: Wie geht die Politik hier
deiner Meinung nach mit der
Corona-Situation um?

Johannes Rusch: Anfangs wirkte die Arbeit sehr überzeugend. Auch in Gesprächen mit internationalen Freunden hörte man, dass die Leute gespannt auf Österreich blicken, weil dort sehr schnell und sehr hart reagiert wurde. Als dann später Erlässe wieder zurückgenommen wurden und neu formuliert werden mussten, hat das der Souveränität leider etwas Abbruch getan und auch etwas chaotisch gewirkt. Es ist allerdings eine herausfordernde Situation für alle und wenn man die Herangehensweise verschiedener Länder vergleicht, geht die Regierung in Österreich ähnlich damit um, wie in viele anderen Ländern auch.  

<p class="caption">Uvdal in der Nähe des Hardangervidda Nationalparks.</p>

Uvdal in der Nähe des Hardangervidda Nationalparks.

<p class="caption">Das Opern-Gebäude in Oslo in der Abenddämmerung.</p>

Das Opern-Gebäude in Oslo in der Abenddämmerung.

Zur Person: Johannes Rusch

Alter, Herkunft: 33 Jahre, gebürtig aus Feldkirch

Ausbildung: Studium (Biologie und Zoologie)Beruf: Forscher am Veterinärinstitut in Oslo

Wohnhaft: Nach Studium aufgrund eines Job-Angebots nach Norwegen gezogen.

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