#zäm: Ein Weinberg als Refugium

Winzer und Gastwirt aus Leidenschaft: Schäfle-Wirt Christoph Fulterer. Foto: handout/Markus Gmeiner

Winzer und Gastwirt aus Leidenschaft: Schäfle-Wirt Christoph Fulterer. Foto: handout/Markus Gmeiner

Christoph Fulterer ist in vierter Generation Wirt des Landgasthof Schäfle in Feldkirch-Altenstadt und bewirtschaftet als Winzer die Riede „Am Bock“ am Ardetzenberg. Dort haben er und seine Familie ein Refugium in der Krise gefunden.

Er habe, so erzählt Christoph, die Krise schon im Februar kommen sehen. „Ich hatte die Situation schon länger beobachtet und hatte schon vor dem Shutdown alle betriebswirtschaftlichen Belange geregelt, Kredite gestundet, Kontokorrent erhöht, alle Mitarbeiter informiert und beim AMS angemeldet.“ Viele hätten damals noch den Kopf geschüttelt. „Aber am Tag der Schließung hat sich alles bestätigt und wir waren vorbereitet.“ Das Hotel habe mit eingeschränktem Betrieb für sogenannte Schlüsselkräfte weiterhin geöffnet gehabt, aber kaum der Rede wert, mit fünf Prozent Auslastung. Auf Takeaway und alternative Geschäftsmodelle habe man bewusst verzichtet.

Der Kreis schließt sich

„Wir hatten trotzdem eine schöne Zeit, weil wir so viel Zeit wie noch nie am Weinberg verbracht haben. Meine Frau, meine Mutter und auch unsere Kinder waren fast immer dabei. Wir hatten eine sinnstiftende Arbeit.“ Und so habe es sich eigentlich nie wie Krise angefühlt, sondern sei eine wirklich schöne Zeit gewesen, die die ganze Familie sehr genossen habe. „So schließt sich für uns der Kreis. Unser Weinberg war noch nie in seiner 20-jährigen Geschichte in so einem guten Zustand.“ Mit viel Liebe widmet sich Christoph Fulterer seinen Rebstöcken, die er vom Vater ererbt hat. Kultiviert einen fruchtig-leichten Rivaner und eine kleine Menge Pinot Noir. Die feinen Tropfen reifen im uralten Gewölbekeller des Schäfle, zwei Stockwerke unterhalb der Gaststuben. Vater Heinz Otto hatte sich 1993 den langgehegten Wunsch erfüllt, selbst Wein zu keltern. Für die heranwachsenden Geschwister sei das Mithelfen im Weinberg gelegen gekommen, um sich das Taschengeld aufzubessern. Zwischenzeitlich sei der Vater leider verstorben, und auch die Mutter habe sich mit dem Winzerdasein angefreundet. Dass man, um erfolgreich zu sein, ein unterstützendes Team im Hintergrund braucht, hat Christoph bei der Handballerei schon als Jugendlicher erfahren. Eine internationale Karriere sei eine vielversprechende Option gewesen, aber schlussendlich habe der „Boaz“ gefehlt. Er entschied sich für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre in Innsbruck und reiste danach zehn Jahre lang durch die Weltgeschichte. Ursprünglich habe sein Bruder die Nachfolge als Schäfle-Wirt antreten wollen. 2006 brannte das Schäfle jedoch fast bis auf die Grundmauern ab und wurde wiederaufgebaut. Da seien die Karten neu gemischt worden, der Bruder schlug einen anderen Weg ein. Zu der Zeit habe Christoph langsam darüber nachgedacht, selbst eine Familie zu gründen. Jedoch wollte er seine Kinder öfter sehen, als es ein Angestellten-Job zulassen würde. Er und seine Geschwister seien im Schäfle groß geworden, Tag und Nacht um die Eltern gewesen, hätten sie arbeiten gesehen und als leidenschaftliche Gastgeber erlebt. Auch Christoph wollte seine Kinder in seinem Umfeld aufwachsen sehen, hängte seinen Job kurzerhand an den Nagel und übernahm das Schäfle samt dem dazugehörigen Weinberg. Eine Entscheidung, die er noch nie bereut habe. Denn: Wenn nach alter Tradition die große Glocke vom Katzenturm die Weinlese einläute, er mit den treuen Helfern, manche seien dem Vater schon in den Neunzigern an die Hand gegangen, die reifen Trauben von den Reben am Ardetzenberg schneide und mit ihnen nach getaner Arbeit im Schäfle gemeinsam ein Glas auf einen guten Jahrgang hebe, besonders dann spüre er, dass er am richtigen Platz sei.

Die ganze Kindheit und Jugend verbrachten wir im Schäfle. Das war für uns fantastisch.“ Christoph Fulterer

Wann & Wo | template