Fragen an Michael RauchKinder- und ­Jugendanwalt

Warum ist es wichtig, dass junge Menschen in Entscheidungsprozesse eingebunden werden?

Grundsätzlich ist die Beteiligungsmöglichkeit junger Menschen verbindlich in verschiedenen Gesetzen verankert. Die Kinder und Jugendlichen lernen bei guten und auf das Alter abgestimmten Beteiligungsverfahren, dass sie ernst genommen werden, Entscheidungen mit beeinflussen können und das Respektieren anderer Meinungen. Erwiesen ist aber auch, dass Beteiligung zusätzlich einen großen Nutzen für die Gemeinden hat.

Wie sehen Sie nach dieser Studie die Kinder- und Jugendbeteiligung im Land allgemein aufgestellt? 


Es gibt eine solide Basis und besonders im Bereich der offenen Jugendarbeit und bei der Entwicklung von Spiel- und Freiraumkonzepten sehr viele positive Beispiele. Allerdings sind die Herausforderungen bei der fachlichen Begleitung und der Entwicklung dauerhafter Beteiligungsformen groß. Insofern gibt es in Schulen, Städten und Gemeinden noch einiges an Verbesserungspotenzial. Mit entsprechender Förderung durch das Land Vorarlberg sollten vor allem Beteiligungsmöglichkeiten längerfristig sichergestellt und auch Kinder vermehrt beteiligt werden.

Sie sagen, es gelte, die ­Wünsche und Bedürfnisse der Jungen ernst zu nehmen. Werden sie das auch ausreichend?

Als Ombuds- und Beschwerdestelle für junge Menschen bekommt man natürlich auch Einblick in Situationen, wo das Recht auf Beteiligung verletzt wurde. Es gilt von zwei Seiten zu sensibilisieren: Kinder und Jugendliche nicht zu beteiligen ist eine vergebene Chance. Wenn sie sich nicht wahr- und ernstgenommen fühlen, verlieren wir sie. Wichtiger ist aber aufzuzeigen, wie bereichernd und erfolgreich die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen sein kann. Natürlich für junge Menschen selbst aber auch für Eltern und andere Erwachsene.