„Es war eine katastrophale und tragische Zeit“

Ein Blick in die Vergangenheit: Im November 1991 veröffentlichte WANN & WO eine Reportage zur erschreckenden Situation am Zürcher Platzspitz. Der Drogenumschlagplatz war auch in Vorarlberg berühmtberüchtigt und eine Anlaufstelle für Süchige aus dem Ländle. Fotos: Amazon Studios/Constantin Television, Sams, WANN & WO

Ein Blick in die Vergangenheit: Im November 1991 veröffentlichte WANN & WO eine Reportage zur erschreckenden Situation am Zürcher Platzspitz. Der Drogenumschlagplatz war auch in Vorarlberg berühmtberüchtigt und eine Anlaufstelle für Süchige aus dem Ländle. Fotos: Amazon Studios/Constantin Television, Sams, WANN & WO

Anlässlich des Serienstarts der Neuauflage von „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wirft WANN & WO einen Blick auf die Drogen­situation im Ländle – damals und heute.

Christiane F. ist wohl die berühmteste Drogensüchtige der Welt. Das 1978 erschienene Buch „Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ wurde zum Bestseller, der 1981 erschienene gleichnamige Film wird Schülern seit Jahrzehnten als abschreckendes Beispiel im Unterricht gezeigt.

W&W am Platzspitz

Doch tragische Schicksale wie jenes von Christiane waren zu dieser Zeit nicht nur in Berlin zu finden. Auch im Ländle und in der benachbarten Schweiz gab es bis in die 1990er hinein eine große, grenz­überschreitende Drogenszene. Einer der berüchtigtsten Umschlagplätze war dabei der Zürcher Platzspitz. WANN & WO-Produktionsleiter Willi Gebhard war im November 1991 für eine Reportage vor Ort. Er erinnert sich: „Ende der 80er und Anfang der 90er wurde die Drogenszene auf den Platzspitz toleriert. Immer mehr Süchtige hielten sich im Park auf, zeitweise waren es mehrere tausend Personen pro Tag. Die Süchtigen kamen aus der ganzen Schweiz, aber auch aus Vorarlberg. Viele lebten permanent auf dem Platzspitz. Unsere Reportage zeigte damals ein Bild von wandelnden Leichen im ,Needle-Park‘.“

Situation heute

Im Jahr 1992 reagierten die Schweizer Behörden, der Platzspitz wurde geschlossen, drei Jahre später wurden die Süchtigen auch vom Bahnhof „Letten“, ebenfalls in Zürich, vertrieben. Seither hat sich vieles verändert – sowohl in der Schweiz, als auch im Ländle. Drogenpolitik sowie Hilfsangebote wurden stetig angepasst und weiterentwickelt, die Umschlagplätze von der Polizei stillgelegt. Was allerdings nicht bedeutet, dass dadurch weniger kon­­­­­­­­­­sum­­­­iert wird. Ganz im Gegenteil. „Die Suchtmittelmengen und der Konsum sind in den letzten Jahren sogar gestiegen. Was mitunter auch den offenen Grenzen geschuldet ist“, teilt die Landespolizeidirektion Vorarlberg auf WANN & WO-Anfrage mit. Weiters informiert die Exekutive: „Offene Drogenumschlagplätze gibt es in dieser Art in Vorarlberg nicht mehr. Im Umfeld von Bahnhöfen und Seeanlagen trifft sich das Klientel aber nach wie vor. Ein Teil des Kaufes hat sich natürlich auch in das ,Darknet‘ verlagert. Je nach Drogenart kann es zudem sein, dass der Kleinverkauf in diversen Lokalen stattfindet.“ Die Qualität des „Stoffs“ hat zudem immer weiter zugenommen: „Anhand der Sicherstellungen registrieren wir eine höhere Qualität vor allem bei Kokain, Heroin und MDMA. Aber auch bei Cannabis – der im Ländle sicher am häufigsten konsumierten Droge – zeigt sich, dass die durchschnittliche Qualität gestiegen ist.“

<p class="caption">Willi Gebhard</p>

Willi Gebhard

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