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              „45 Tote im Ländle in kürzester Zeit“
            Bernhard Amann, Ex & Hopp: „Es war hüben wie drüben eine katastrophale und tragische Situation. Aufgrund der großen Anzahl betroffener Menschen entschied sich die Schweiz für eine pragmatische und menschenwürdige Lösung. Unter anderem wurde die kontrollierte Heroinabgabe installiert. Auch hier gab es eine offene Szene, etwa im Rösslepark in Feldkirch, die in regem Austausch mit Zürich oder St. Gallen stand. Heroin war zweifellos am gefragtesten. In Vorarl­berg war in den 1980er-Jahren ein stetiger Anstieg der Konsumenten festzustellen, was seinen tragischen Höhepunkt im Frühjahr 1990 fand: In kürzester Zeit starben damals 45 junge Menschen an Überdosierungen. Aufgrund des steigenden Drucks wurde im Herbst 1990 das Ex & Hopp als erste niedrigschwellinge Einrichtung Österreichs in Betrieb genommen, gefolgt vom Hiob (heute Caritas Café) und dem Do It Yourself in Bludenz. Zudem begann das Substitutionsprogramm Anfang der 90er-Jahre.“

„45 Tote im Ländle in kürzester Zeit“

Bernhard Amann, Ex & Hopp: „Es war hüben wie drüben eine katastrophale und tragische Situation. Aufgrund der großen Anzahl betroffener Menschen entschied sich die Schweiz für eine pragmatische und menschenwürdige Lösung. Unter anderem wurde die kontrollierte Heroinabgabe installiert. Auch hier gab es eine offene Szene, etwa im Rösslepark in Feldkirch, die in regem Austausch mit Zürich oder St. Gallen stand. Heroin war zweifellos am gefragtesten. In Vorarl­berg war in den 1980er-Jahren ein stetiger Anstieg der Konsumenten festzustellen, was seinen tragischen Höhepunkt im Frühjahr 1990 fand: In kürzester Zeit starben damals 45 junge Menschen an Überdosierungen. Aufgrund des steigenden Drucks wurde im Herbst 1990 das Ex & Hopp als erste niedrigschwellinge Einrichtung Österreichs in Betrieb genommen, gefolgt vom Hiob (heute Caritas Café) und dem Do It Yourself in Bludenz. Zudem begann das Substitutionsprogramm Anfang der 90er-Jahre.“

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              „Die Verelendung der Szene war groß“
            </p><p>Wolfgang ­Grabher, ­Clean: „Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre war Vorarlberg, auch durch die Nähe zu den offenen Drogen-Szenen in Zürich (Platzspitz), Basel (Kocherpark) und St. Gallen (Bienehüsli) mit einer starken Heroinwelle konfrontiert. In Feldkirch etablierte sich eine offene Szene vor allem rund um den Bahnhof. Aids, Prostitution und Beschaffugskriminalität standen an der Tagesordnung. Die Verelendung der Szene war groß und nicht zuletzt der repressiven Drogenpolitik geschuldet, die Suchtkrankheit auf kriminelles Verhalten reduzierte. Erst als sich zeigte, dass starker Verfolgungsdruck alleine keine Lösung brachte und es im Jahr 1990 eine Phase von gehäuften Herointoten gab, wurden Hilfseinrichtungen ausgebaut und auch neu geschaffen. Durch „Therapie statt Strafe“ im Suchtgiftgesetz und ab 1998 auf Grundlage des neuen Suchtmittelgesetzes fand eine – bis heute bestehende – Differenzierung und massive Erweiterung der ambulanten Drogen- und Suchthilfeangebote (behördliche bzw. gerichtliche Weisungen) statt.“</p>

„Die Verelendung der Szene war groß“

Wolfgang ­Grabher, ­Clean: „Ende der 80er und Anfang der 90er-Jahre war Vorarlberg, auch durch die Nähe zu den offenen Drogen-Szenen in Zürich (Platzspitz), Basel (Kocherpark) und St. Gallen (Bienehüsli) mit einer starken Heroinwelle konfrontiert. In Feldkirch etablierte sich eine offene Szene vor allem rund um den Bahnhof. Aids, Prostitution und Beschaffugskriminalität standen an der Tagesordnung. Die Verelendung der Szene war groß und nicht zuletzt der repressiven Drogenpolitik geschuldet, die Suchtkrankheit auf kriminelles Verhalten reduzierte. Erst als sich zeigte, dass starker Verfolgungsdruck alleine keine Lösung brachte und es im Jahr 1990 eine Phase von gehäuften Herointoten gab, wurden Hilfseinrichtungen ausgebaut und auch neu geschaffen. Durch „Therapie statt Strafe“ im Suchtgiftgesetz und ab 1998 auf Grundlage des neuen Suchtmittelgesetzes fand eine – bis heute bestehende – Differenzierung und massive Erweiterung der ambulanten Drogen- und Suchthilfeangebote (behördliche bzw. gerichtliche Weisungen) statt.“

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