Willkommen im Club (-House)!

Clubhouse ist der Hype der Stunde. Doch lohnt sich die App? W&W sprach mit den Nutzern Lukas Rünzler und Janis Grabherr aus Vorarlberg – ein Talk per Clubhouse über Clubhouse.

WANN & WO: Lukas, Janis, erzählt kurz von euch: Was macht ihr und seit wann nutzt ihr Clubhouse?

Lukas: Ich bin 22, studiere Jus und Politikwissenschaften in Wien. Clubhouse habe ich kurz nach dem Erscheinen heruntergeladen.

Janis: Ich bin ebenfalls 22 und 2017 zum Publizistik-Studium nach Wien gezogen. Gerade habe ich meinen Master in Soziologie angefangen und nutze Clubhouse auch schon länger.

WANN & WO: Publizistik,
Soziologie, Jus, Politik-
wissenschaften – das sind ja alles prädestinierte Themen für Clubhouse. Inwiefern nutzt ihr die App tatsächlich fürs Studium?

Lukas: Ich folge auf Twitter Personen aus der österreichischen Politik, die nicht auf der großen Bühne, sondern beratend im Hintergrund tätig sind. Als der Clubhouse-Hype begann, hat sich quasi jeder von ihnen angemeldet und jeden Abend einen Talk gestartet. Manches war auch interessant, aber ganz ehrlich: Der Großteil war nicht sonderlich hilfreich für mich.

Janis: Da muss ich dir zustimmen, Lukas. Ich war auch in Rooms, von denen ich dachte, dort würde professionell über PR und Marketing geredet. Letztlich waren das aber selbsternannte Experten und wie sehr deren Meinung zu schätzen ist, kann man anzweifeln.

WANN & WO: Das ist ja oft auch die Kritik an Clubhouse: Dass sich dort alles in einer elitären Bubble abspielt und der Praxisnutzen minimal ist.

Lukas: Das würde ich zu 100 Prozent unterschreiben. Anfangs zog mich die Aussicht auf Talks mit beispielsweise Elon Musk in die App. Im realen Freundeskreis habe ich außer Janis aber niemanden, der Clubhouse nutzt. Manche haben noch nicht einmal davon gehört.

Janis: Vielleicht auch, Lukas, weil wir zwei immer gleich solche neuen Sachen ausprobieren wollen. (lacht) Aber im Ernst, der große Hype war tatsächlich ein Grund, warum wir es heruntergeladen haben. Ich war damals überrascht, wie viele Freunde angemeldet waren, obwohl es ja hieß, man würde so schwierig reinkommen.

WANN & WO: Das stimmt, ich habe in meiner Adressliste auch sehr viele Leute aus Vorarlberg gesehen, aber wirklich aktiv ist so gut wie niemand.

Janis: Genau! (lacht) Ich denke, der Hype war auch deshalb so groß, weil in vielen Ländern Lockdowns oder ähnliche Beschränkungen herrschen. Aber bei uns Österreichern ist es wohl so, dass wir uns nicht so stark daran halten, wie andere. Viele gehen trotzdem raus und treffen Leute. Die brauchen dann kein Clubhouse.

WANN & WO: Es wird immer wieder berichtet, dass Stars in Clubhouse-Talks kommen und die Räume dann förmlich vor Zuhörern explodieren. Seid ihr auch schon mal in so einem Room gewesen?

Janis: Ich war mal in einem Room mit Jerome Boateng, Thomas Müller und Max Kruse! (lacht) Der Raum war komplett ausgelastet, es waren etwa 4900 Leute drin. Sie haben darüber geredet, wer zur Olympiade fährt. Das war schon witzig, was da für ein Hype war.

WANN & WO: Es ist ja auch etwas Besonderes, einen Prominenten mal so live sprechen zu hören und eben nicht in eine Kamera.

Janis: Genau, man hat das Gefühl, man ist wirklich live dabei! Und sie reden über ganz normale Themen, nichts Vorgegebenes. Man fühlt sich, als würde man daneben sitzen.

Lukas: Ich habe mal über YouTube einen Live-Stream aus einem Talk mit Elon Musk gehört. Das war sehr interessant und ich hatte das Gefühl, dass das PR-Talking wegfällt. Im Vergleich zu einem Podcast ist die Qualität natürlich schlechter, da es live und ungeplant ist. Aber wenn man einen guten Room er-wischt, erfährt man deutlich mehr.

WANN & WO: Es gibt auch viel
Kritik an Clubhouse. Die App sei
elitär, der Datenschutz schlecht.

Lukas: Dass es allgemein elitär ist, sehe ich auch so. Und auch vom Datenschutz her halte ich es für kritisch. Die App durchsucht ja das ganze Telefonbuch, damit man die Invites machen kann. Wenn man das dann darüber hinaus noch nicht löschen kann, ist das wirklich kritisch.

Janis: Aber auf der anderen Seite muss man auch sagen: Man gibt heute schon so viele Daten preis, dass es darauf auch nicht mehr wirklich ankommt. Denn auf Snapchat, Facebook, Instagram zeigt man täglich, was man für ein Mensch ist. Da macht Clubhouse auch nicht mehr viel aus.

WANN & WO: Der ganz große Hype scheint abgeflacht. Meint ihr, Clubhouse wird sich weiter etablieren?

Lukas: Ich glaube nicht. Es wird sein wie so oft: Irgendwann bringt Facebook ein Update mit ähnlichen Funktionen raus. Ob Clubhouse dann noch eine Zukunft hat?

Janis: Ja, das glaube ich auch. Und auch wenn die Leute wieder raus und sich treffen dürfen, ist die reale Konversation mit Freunden mehr wert als eine Konversation mit Fremden über Clubhouse.

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