Das Kreuz mit der Sexualität

Nachdem der Vatikan verlautbaren ließ, „Gott kann Sünde nicht segnen“, wurde vor der Harder Kirche St. Sebastian die Regenbogenfahne gehisst. Unbekannte Täter verbrannten die F­ahne in der Nacht auf vergangenen Dienstag. Auch beim Diözesanhaus in Feldkirch wurde eine Fahne verbrannt. Fotos: CSD Bregenz, Pfarre Hard, Junge Kirche Vorarlberg, Verein GoWest/Julia Nussbaum, handout/privat – Trentinaglia

Nachdem der Vatikan verlautbaren ließ, „Gott kann Sünde nicht segnen“, wurde vor der Harder Kirche St. Sebastian die Regenbogenfahne gehisst. Unbekannte Täter verbrannten die F­ahne in der Nacht auf vergangenen Dienstag. Auch beim Diözesanhaus in Feldkirch wurde eine Fahne verbrannt. Fotos: CSD Bregenz, Pfarre Hard, Junge Kirche Vorarlberg, Verein GoWest/Julia Nussbaum, handout/privat – Trentinaglia

Die Positionierung des Vatikans, keine homosexuellen Menschen zu segnen, gipfelte im Ländle mit dem Verbrennen von Regenbogenfahnen. W&W sprach darüber mit Kirchenvertretern und Mitgliedern der LGBTIQ-Community.

Zu Beginn etwas Geschichtsunterricht: Im Laufe der Entwicklung des Christentums wurden jene als „Kinder Gottes“ bezeichnet, die das Sakrament der Taufe empfangen haben. Einst hieß es: „Wer die Taufe nicht empfangen hat, kann nicht (aus dem Tod) errettet werden!“ Mit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962/1965) änderte sich dieser Blick weitgehend. „Allerdings gibt es in der römisch-katholischen Kirche noch immer Strömungen, die die Aussagen dieses Konzils nicht annehmen bzw. umsetzen. Das ist – milde gesagt – höchst bedauerlich“, sagt der Hörbranzer Pfarrer Roland Trentinaglia im Gespräch mit WANN & WO. Und jene Strömungen sind es auch, die nun verlautbaren: „Gott kann Sünde nicht segnen.“

Homosexualität und Kirche

Mit dem Thema Sexualität habe sich die Kirche immer schon schwergetan, speziell mit Homosexualität. „Homosexualität hat es in der Kirche aber schon zu allen Zeiten gegeben. Das ist ein Fakt. Und dem darf – nein muss – sich auch eine Kirche stellen“, stellt Trentinaglia klar. Zur aktuellen Positionierung des Vatikans hat der Pfarrer eine klare Meinung: „Ich frage ich mich, wie sich jene Priester fühlen, die ,sündhaft‘, also selbst homosexuell sind. Homosexuelle sind keine ,schlechteren‘ Menschen, sie sind wie du und ich – das hat zu allererst auch eine Kirche zu sehen.“

Brennende Regenbögen

Nach den Aussagen aus Rom kam es im Ländle zu schockierenden Vorfällen: In Hard und Feldkirch wurden vor kirchlichen Häusern gehisste Regenbogenfahnen – Symbole der Toleranz und der Vielfalt – von bislang Unbekannten verbrannt. Der materielle Schaden ist gering, der symbolische groß. Die Solidarität mit der Community aber umso größer. „Wir schätzen die Zeichen der Solidarität, gerade dann, wenn wir in unserer Würde attackiert werden“, teilt Brigitte Stadelmann vom Verein GoWest mit und fügt hinzu: „Wir spüren, dass es für viele Christen und Christinnen enorm wichtig ist, dass sich auch Bischöfe und Kardinäle zur Offenheit gegenüber LGBTIQ-Menschen bekennen. Es bleibt aber unsere Aufgabe, die Gesellschaft so zu gestalten, dass in Zukunft wirklich alle LGBTIQ-Menschen diskriminierungsfrei ein gelingendes Leben in Vorarlberg führen können.“

Ihre Meinung ist gefragt:
leserbriefe@wannundwo.at

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