Im Visier des Ölgiganten?

Der teilstaatliche Öl-Großkonzern OMV soll durch private Investigativfirmen Klima- und Umweltaktivisten ausspionieren – darunter auch die Fridays For Future. Was ist dran? W&W hat nachgefragt.

Die Vorwürfe der Klima- und Umweltschützer von Greenpeace und Fridays For Future belasten den Öl- und Gasriesen – zu 31,5 Prozent in staatlicher Hand – schwer. Einem Bericht der Rechercheplattform Dossier zufolge, soll der Großkonzern Umweltaktivisten systematisch über private Überwachungsfirmen, darunter die britische, von einem ehemaligen MI6-Agenten gegründete Firma Welund, ausspionieren. Geleakte Mails, die den NGOs vorliegen, sollen die Anschuldigen bestätigen. Dass auch der grüne Vizekanzler Werner Kogler höchstpersönlich intervenierte und die OMV um Klärung aufforderte, untermauert die Vorwürfe weiter.

Fridays: „Sind schockiert!“

Im Fadenkreuz des Großkonzerns soll sich offenbar auch der Vorarl­berger Fridays For Future-Sprecher Aaron Wölfling befinden. „Die Leaks zur Kooperation der OMV mit Ge­­­heimagentInnen, die bekannt dafür sind, Klimaschutzorganisationen zu überwachen, haben uns sehr schockiert“, teilt er im Gespräch mit WANN & WO mit. Als jemand, der sich bei den Fridays schon länger mit den Aktivitäten der OMV auseinandersetzt, sei ihm natürlich bewusst, „dass das nicht unsere Freunde sind.“ Der Klimaschützer fügt hinzu: „Was jetzt aber im Raum steht, hätte sogar ich niemals erwartet. Es ist ein harter Brocken, den ich erstmal schlucken muss. Kinder und Jugendliche mit ehemaligen MI6-Agenten zu überwachen, das geht entschieden zu weit!“ Für ihn stehe nun aber fest, noch stärker gegen die Interessen der fossilen Öl- und Gaslobby und für eine lebenswerte Zukunft zu kämpfen. „Wir werden nicht locker lassen, bis die Vorwürfe restlos aufgeklärt sind und die OMV alle Verträge mit Spionage- und Überwachungsfirmen offenlegt“, so Wölfling weiter.

OMV dementiert die ­Vorwürfe vehement

WANN & WO bat das beschuldigte Unternehmen um eine Stellungnahme. Per E-Mail teilte der Konzern mit: „Den Vorwurf, dass NGOs oder Privatpersonen ausspioniert werden, oder in der Vergangenheit wurden, weist die OMV entschieden zurück. Fakt ist, dass zur Sicherheit und zum Schutz unserer Anlagen und MitarbeiterInnen, Unternehmen beauftragt werden, die den reibungslosen Ablauf unserer Tätigkeiten sicherstellen. Als weltweit agierender Konzern und als Unterzeichner des UN Global Compact respektieren wir freie Meinungsäußerung sowie die Versammlungs- und Vereinsfreiheit.“

Stellungnahme der Parteien

Die Causa beschäftigt auch die Vorarl­berger Politk (Stellungnahmen dazu siehe oben). Eine Anfrage an die FPÖ blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

„Dass die OMV ­keine Freunde von uns sind, war mir ­natürlich bewusst. Was jetzt aber im Raum steht, hätte ich nicht ­erwartet. Das ist ein harter Brocken, den ich erstmal schlucken muss.“

Aaron Wölfling, Fridays For Future

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