Klimawandel im Ländle: Was bringt die Zukunft?

Der Sommer neigt sich allmählich dem Ende zu. Und wenn‘s nicht gerade wie aus Eimern geregnet hat, war es heiß – sehr heiß. Und der aktuelle Klima­statusbericht des Landes Vorarlberg zeigt: Der Erwärmungstrend der letzten Jahre in Vorarlberg setzt sich weiter fort. „Die Temperaturzunahme in Vorarlberg seit 1880 beträgt 2 Grad Celsius und ist damit doppelt so hoch wie im globalen Durchschnitt“, teilt Christian Vögel, Fachbereitsleiter Energie und Klimaschutz des Landes Vorarlberg gegenüber WANN & WO mit. Auch die Zahl der Hitzetage steigt weiterhin markant. „Dies hat selbstverständlich Auswirkungen auf die Artenvielfallt und den Zustand unserer Gletscher. Auch lokale Starkregen­ereignisse werden zunehmen – mit allen damit verbundenen Konsequenzen. Nur durch tiefgreifende, weiltweite Treibhausgasreduktionen kann die Erderwärmung unterhalb der gefährlichen Schwellenwerte von 1,5 bis 2 Grad Celsius stabilisiert werden.“ Das Land Vorarlberg fahre angesichts dieser Entwicklung eine Doppelstrategie, erklärt Vögel: „Mit der Umsetzung der Energieautonomie+ sollen Vorarlbergs Treibhausgas-Emissionen bis 2030 halbiert werden, sie ist der Vorarlberger Beitrag zum globalen Klimaschutz. Zum anderen bereiten wir uns im Land auf eine Zunahme an Wetterextremen und eine damit zusammenhängende Erhöhung der Schadenskosten vor. Maßnahmen dazu werden in der Vorarlberger Klimawandel-Anpassungsstrategie sowie im Aktionsplan für Klimawandelanpassung für 2021/2022 (siehe Infobox unten) gesetzt.“

<p class="caption">Die Gletscherschmelze in Vorarlberg setzt sich unaufhaltsam fort. Im Bild: Der Ochsentaler Gletscher.</p>

Die Gletscherschmelze in Vorarlberg setzt sich unaufhaltsam fort. Im Bild: Der Ochsentaler Gletscher.

<p class="caption">Ein spektakulärer und gleichzeitig beängstigender Anblick: eine Windhose am Bodensee. Extremwetterereignisse werden in Zukunft zunehmen.</p>

Ein spektakulärer und gleichzeitig beängstigender Anblick: eine Windhose am Bodensee. Extremwetterereignisse werden in Zukunft zunehmen.

<p class="caption">Ein Waldbrand in Braz im Jahr 2018.</p>

Ein Waldbrand in Braz im Jahr 2018.

<p class="caption">Murenabgang nach Starkregen in Schwarzachtobel.</p>

Murenabgang nach Starkregen in Schwarzachtobel.

2 Grad beträgt die Temperaturerhöhung im Ländle seit 1880. Doppelt so hoch, wie im globalen Schnitt. 45,9 Meter betrug der Rückgang des Ochsen­taler Gletschers in der ­Messperiode 2019/20.

10 punkte-plan klimawandelanpassung 2021/22

1. Anpassungsmaßnahmen auf Gemeinde­ebene in fünf Klimawandelanpassungs-Modellregionen in Vorarlberg mit 185.000 Einwohnern (Vorderwald-Egg, plan B-Gemeinden, Regio im Walgau, Großes Walsertal und Vorderland-Feldkirch). In diesen Regionen werden Anpassungskonzepte an den Klimawandel entwickelt und diese in die Umsetzung geführt, beispielsweise Sicherheitstipps gegen Hitzestress, Baumpflanzungen, etc.

2. Luftreinhaltung zur Minimierung von Sommersmog, etwa durch geändertes Mobilitätsverhalten, um einer erhöhten Ozonbildung als Folge höherer Temperaturen und längere Schönwetterperioden entgegenzuwirken.

3. Beratungen durch das Energieinstitut für „klimafitte“ Privatgebäude: Bei jeder Neuplanung und Sanierung sollen ­Möglichkeiten genutzt werden, um Gebäude für die sich ändernden Anforderungen zu rüsten – vor allem in Bezug auf Hitze und Starkregen.

4. Erhöhte Förderungen für „klimafitte“ Gemeindebauten: Gebäude mit gutem Schutz vor Starkregen und/oder sommerlicher Überwärmung erhalten erhöhte Landesförderungen.


5. Gestaltung „klimafitter“ Wälder: Das Land Vorarlberg fördert die nachhaltige Bewirtschaftung mit dem Ziel strukturreiche Mischwälder zu erhalten bzw. zu schaffen.

6. Forcierung der bodennahen Ausbringung von flüssigen Wirtschaftsdüngern: Schleppschlauch statt Pumpspritzen

7. Aktionsplan Moorschutz für Vorarlberg: Moore binden sehr viel CO2, sind aber durch Temperaturerhöhungen von über zwei Grad gefährdet. Intakte Wasserhaushalte reduzieren diese Gefährdung.

8. Grüne Infrastruktur für ein angenehmes Mikroklima: mehr Gründächer sowie ­­
Grün- und Freiraumstrukturen.

9. Zweite Standbeine für die Trinkwasserversorgung in 59 Prozent der Gemeinden: Absicherung der Wasserversorgung u.a. durch Verbundleitungen.

10. Räumliche Entwicklungspläne berücksichtigen Klimawandelanpassung: Erhalt von Frei- und Grünräumen, Gefahrenzonen verstärkt freihalten.

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