Reden wir übers Geld: Gehälter in Vorarlberg

Während gerade im technischen Bereich höhere Gehälter bezahlt werden, können sich Mitarbeiter anderer Bereiche kaum über Wasser halten – Frauen trifft es hier noch mehr als Männer. Sich das Leben im Ländle zu leisten, fällt vielen ­Menschen zunehmend schwerer. Fotos: BWI, AK Vorarlberg, APA/dpa, Paulitsch

Während gerade im technischen Bereich höhere Gehälter bezahlt werden, können sich Mitarbeiter anderer Bereiche kaum über Wasser halten – Frauen trifft es hier noch mehr als Männer. Sich das Leben im Ländle zu leisten, fällt vielen ­Menschen zunehmend schwerer.
Fotos: BWI, AK Vorarlberg, APA/dpa, Paulitsch

Im Ländle verdient man gut, so die weitläufige Meinung. Das trifft sicher auf viele Vorarlberger zu, auf viele andere – speziell auch Vorarlberger­innen – allerdings nicht. Die Gründe dafür sind vielfältig und komplex: Während manche Branchen großzügig weit über dem Kollektiv entlohnen, zahlen andere Bereiche – etwa Handel oder Gastronomie – nach wie vor kaum mehr als die kollektivvertraglichen Bestimmungen, bieten oft nur wenig attraktive Rahmenbedingungen – und klagen dann über fehlendes Personal. Junge Menschen gehen vermehrt höheren Ausbildungen nach und suchen sich Jobs etwa im gut entlohnten technischen Sektor. Dazu kommen die – speziell im Ländle teils noch immer gravierenden – Einkommensunterschiede zwischen Mann und Frau.

Arbeitnehmer erhalten im Ländle weniger vom Gewinn

Wie sich Löhne entwickeln, hängt stark von Produktivitätsentwicklung und Inflation ab, erklärt Dominic Götz, Ökonom der Arbeiterkammer Vorarlberg und fügt hinzu: „Seit 2000 ist die Stundenproduktivität in Österreich um fast ein Viertel gestiegen. Vorarlberg hat eine im Bundesländervergleich sehr hohe Stundenproduktivität. Gleichzeitig ist der Anteil der Löhne an der dadurch erwirtschafteten Wertschöpfung im Bundesländervergleich aber am niedrigsten.“ Das heißt: ArbeitnehmerInnen bekommen hierzulande weniger vom Gewinn als in anderen Bundesländern. „Da ist noch mehr möglich bei Kollektivvertragsabschlüssen – vor allem bei den gerade streikenden Metallern“, betont Götz. Der Wirtschaftswissenschaftler stellt zudem klar: „Seit über 30 Jahren hat es keine allgemeine Arbeitszeitverkürzung mehr gegeben – und das, obwohl wir um über 70 Prozent produktiver sind als damals. Der Zuwachs wurde weder in Zeit noch ausreichend in Zusatzeinkommen abgegolten.“ Götz spricht sich deshalb für eine „vernünftige Inflations- und Produktivitäts-orientierte Lohnpolitik“ aus.

Gehaltsschere verkleinern

In Bezug auf die „Gehaltsschere“ sind vor allem der bereits angesprochene Gender-Pay-Gap sowie die Gehaltsunterschiede in den jeweiligen Branchen relevant. „Vor allem in Anbetracht des wieder aufholenden Wirtschaftswachstums wird es einen verstärkten Wettbewerb um MitarbeiterInnen geben, bei dem die Einkommen eine große Rolle spielen“, stellt Götz klar und ergänzt: „Niedriglohn-Branchen müssen wohl mehr von ihrem Gewinn an die Mitarbeiter­Innen abgeben, um ein Abwandern in andere Berufe zu verhindern, SaisonarbeiterInnen aus Drittstaaten sind keine nachhaltige Lösung. In den Branchen mit niedrigen Gehältern und hoher gesellschaftlicher Relevanz wie Bildung, Sozial- und Gesundheitsberufen muss es dringend eine Aufwertung, auch monetär, geben. Das hat nicht zuletzt die Corona-Krise gezeigt.“

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              „Junge streben nach höherer Ausbildung“
            </p><p>Michael Mall, BWI Unternehmensberatung: „Verglichen mit dem Verkaufsbereich werden speziell in den MINT-Fächern höhere Gehälter ausgezahlt. Handel und Gastronomie sind weiterhin sehr nah am Kollektiv. Hier braucht es Gesamtpakete und attraktivere Lösungen, etwa was Arbeitszeiten anbelangt. Jedes Unternehmen muss sich überlegen: Wie entlohne ich meine Mitarbeiter im Marktvergleich? Hat ein Unternehmen eine starke Marke, ein gutes Image, findet es Mitarbeiter, auch wenn nicht gleich die höchsten Gehälter gezahlt werden. Fest steht auch: Die Alterspyramide zeigt klare Tendenzen. Junge Mitarbeiter für einfachere Jobs zu finden, ist aber schwierig. Die Jungen streben nach höheren Ausbildungen.“</p>

„Junge streben nach höherer Ausbildung“

Michael Mall, BWI Unternehmensberatung: „Verglichen mit dem Verkaufsbereich werden speziell in den MINT-Fächern höhere Gehälter ausgezahlt. Handel und Gastronomie sind weiterhin sehr nah am Kollektiv. Hier braucht es Gesamtpakete und attraktivere Lösungen, etwa was Arbeitszeiten anbelangt. Jedes Unternehmen muss sich überlegen: Wie entlohne ich meine Mitarbeiter im Marktvergleich? Hat ein Unternehmen eine starke Marke, ein gutes Image, findet es Mitarbeiter, auch wenn nicht gleich die höchsten Gehälter gezahlt werden. Fest steht auch: Die Alterspyramide zeigt klare Tendenzen. Junge Mitarbeiter für einfachere Jobs zu finden, ist aber schwierig. Die Jungen streben nach höheren Ausbildungen.“

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              „Gehaltsentwicklung weniger dynamisch“
            </p><p>Michael Diettrich, Armutskonferenz: „Der Lohnsteuerstatistik zufolge hatte Vorarlberg 2015 die höchsten Durchschnittsgehälter, 2019 war es bereits von NÖ, OÖ und dem Burgenland überholt worden. Die Entwicklung scheint hier weniger dynamisch verlaufen zu sein. Sieht man sich die Verteilung an, lag der Median der unselbstständig Beschäftigten hier ebenfalls knapp hinter NÖ, OÖ und dem Burgenland, bei den unteren 25 Prozent ist Vorarlberg aber nur noch im unteren Mittelfeld. Das weist darauf hin, dass es im Ländle eine relativ große Einkommensspreizung zwischen unten und oben gibt. Andere Indizien sprechen zudem für einen relativ großen Niedriglohnsektor im Land.“</p>

„Gehaltsentwicklung weniger dynamisch“

Michael Diettrich, Armutskonferenz: „Der Lohnsteuerstatistik zufolge hatte Vorarlberg 2015 die höchsten Durchschnittsgehälter, 2019 war es bereits von NÖ, OÖ und dem Burgenland überholt worden. Die Entwicklung scheint hier weniger dynamisch verlaufen zu sein. Sieht man sich die Verteilung an, lag der Median der unselbstständig Beschäftigten hier ebenfalls knapp hinter NÖ, OÖ und dem Burgenland, bei den unteren 25 Prozent ist Vorarlberg aber nur noch im unteren Mittelfeld. Das weist darauf hin, dass es im Ländle eine relativ große Einkommensspreizung zwischen unten und oben gibt. Andere Indizien sprechen zudem für einen relativ großen Niedriglohnsektor im Land.“

<p class="caption">Diese Grafik zeigt, wie sich die Bruttomonatsgehälter in Vorarlberg im Schnitt je Alter ­entwickeln – aufgegliedert nach Männer und Frauen sowie ArbeiterInnen und Angestellte (Stand 2019). Quelle: AK Vorarlberg; Grafik: AK Vorarlberg, WANN & WO</p>

Diese Grafik zeigt, wie sich die Bruttomonatsgehälter in Vorarlberg im Schnitt je Alter ­entwickeln – aufgegliedert nach Männer und Frauen sowie ArbeiterInnen und Angestellte
(Stand 2019). Quelle: AK Vorarlberg; Grafik: AK Vorarlberg, WANN & WO

<p class="caption">Das Gender-Pay-Gap im Bundesländervergleich – gemessen am ­Bruttojahres­­­­einkommen aus der Einkommensstatistik. Das Ländle liegt beim Einkommen der Männer an der Spitze – allerdings auch bei der Ungleichbehandlung der Frauen.Quelle: Momentum Institut/Statistik Austria; Grafik: Momentum Institut, WANN & WO</p>

Das Gender-Pay-Gap im Bundesländervergleich – gemessen am ­Bruttojahres­­­­einkommen aus der Einkommensstatistik. Das Ländle liegt beim Einkommen der Männer an der Spitze – allerdings auch bei der Ungleichbehandlung der Frauen.
Quelle: Momentum Institut/Statistik Austria; Grafik: Momentum Institut, WANN & WO

1733 € Euro betrug das Netto­medianeinkommen laut Hauptverbanddaten der SV 2019 in Vorarlberg.

2010 € betrug das Nettomedian­einkommen 2019 im Ländle bei Männern.

1433 € betrug es in ­Vorarlberg bei den Frauen. Im ­bundesweiten Vergleich sind die Einkommen unter dem Durchschnitt (1442 Euro). Die Unterschiede lassen sich – zum Teil – durch die höhere Teilzeitquote bei Frauen erklären.

1250 € Nettomedianeinkommen verdienten junge ­Vorarl­bergerInnen bis zum 19. Lebensjahr im Jahr 2019. Auch hier gab es ­klare geschlechtsspezifische Unterschiede:

1334 € Nettomedianeinkommen erhielten junge Männer.

1148 € Nettomedianeinkommen bekamen junge Frauen.

1413 € betrugen die Einstiegsgehälter allerdings in den Bereichen Industrie und interessanterweise Erziehung und Unterricht und lagen damit über dem Durchschnitt.

einkommen info

• Lediglich in der Öffentlichen ­Verwaltung (1878 Euro) und der ­Energieversorgung (1801 Euro) verdienen Frauen ein Nettomedian­einkommen ohne Sonderzahlungen, dass dem durchschnittlichen über alle Wirtschaftsklassen (1733 Euro) entspricht.


• Ansonsten gilt: ­Überdurchschnittlich verdient man in Vorarlberg – ­und das ist wohl keine allzu große Überraschung – vor allem als Mann: Bei der Erbringung von Finanz- und Versicherungs­dienst­leistungen (2839 Euro) erzielen Männer die höchsten Nettomedian­einkommen ohne Sonderzahlungen in Vorarlberg. Im Durchschnitt (Männer und Frauen) verdient man in ­Vorarlberg in der Energieversorgung (2641 Euro) und auch in der Industrie (2095 Euro) überdurchschnittlich.


• Ein besonders schlechtes Nettomedian­einkommen erhalten in Vorarlberg die ArbeitnehmerInnen im Gesundheits- und Sozialwesen (1426 Euro), in Erziehung und ­Unterricht (1428 Euro) sowie in Beherbergung und ­Gastronomie (1446 Euro).

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