Pfarrer: „Schneiden für Impfstoff Babys aus dem Bauch der Mütter“

Der Vorarlberger Pfarrer Bernhard Kaufmann behauptet in seinen „Rundbriefen“ Ungeheuerliches: Dass Kinder zur Covid-Impfstoffgewinnung aus den Bäuchen der Mütter geschnitten werden, ist dabei nur ein Teil der erschreckenden Hirngespinste.




Erst kürzlich fiel einem WANN & WO-Leser die neueste Ausgabe in die Hände: der „Vorarlberger Rundbrief“, aktuell die Nummer 216 vom November 2021. Herausgegeben von Pfarrer Bernhard Kaufmann. Und voll von Verschwörungstheorien, Falschbehauptungen und Stimmungsmache gegen Wissenschaft, Regierung – und gegen die Katholische Kirche selbst. Das Spike-Protein des Corona-Virus, dessen Baupläne in der Impfung enthalten sind, bewirke „Entzündungen in der Lunge, in der Leber, im Herzen und im Gehirn“, aktuell geschehe „ein 200-facher Anstieg von Herzmuskelentzündungen“. „Die Rate von Gebärmutterhalskrebs hat sich um das Zwanzigfache erhöht“, heißt es in dem Schreiben. Und es kursierten „Bilder von schlimmen Missbildungen“ von Kindern infolge der Impfung von Frauen … – Kaufmann lässt kein Narrativ der Impfgegner aus. Was er aber auslässt: Belege für seine Behauptungen.

„Grauenhafte Ermordung von Kindern“

Bei den üblichen Erzählungen der Verschwörungstheoretiker belässt es Pfarrer Bernhard Kaufmann allerdings nicht. In seinem Rundbrief „Lebendiger Rosenkranz“ vom Mai treibt er es auf die Spitze: Impfen sei eine schwere Sünde, weil man damit die „grauenhafte Ermordung“ von ungeborenen Kindern fördere, behauptet der Kleriker. „Die Kinder werden dafür meistens einige Zeit nach der zwölften Woche mit Kaiserschnitt aus dem Leib der Mutter herausgeholt, damit sie noch lebendig sind“, schreibt Kaufmann in dem Rundbrief, der WANN & WO vorliegt. „Dann werden sie ohne Betäubung aufgeschnitten und die Organe werden herausgeschnitten. Mit Betäubung sind die Stammzellen nicht mehr brauchbar. Deswegen bekommt das zu ermordende Kind keine Betäubung.“ Als Heilmittel empfiehlt er den Mineralstoff Zink und das Malaria-Mittel Hydroxychloroquin. Letzteres kann nach aktuellen Erkenntnissen zu schweren psychischen Krisen und suizidalem Verhalten führen, weshalb EU-Behörden inzwischen Warnhinweise in ihre Fachinformationen aufgenommen haben.

„Maulkorb“ verhängt

All diese Behauptungen verbreitet Kaufmann nicht nur per Postwurfsendung, sondern auch online und „live“ bei Messen. Und: Er verbreitet sie unter dem Mantel der Katholischen Kirche, der er als Priester angehört. Dabei greift er die aber auch selbst an: Sie mache „bei diesem fürchterlichen Impfspektakel mit“, schreibt er im November-Rundbrief. Bei der Einführung der Impfpflicht im Vatikan sei bei den Mitarbeitern nicht nur eine „Gehirnwäsche“ vorgenommen worden, sie seien auch „erpresst“ worden. Die Katholische Kirche Vorarlbergs distanziert sich auf WANN & WO-Anfrage von Kaufmanns Aussagen hinsichtlich der Corona-Impfung. Von diesen habe man „erst vor Kurzem erfahren“, erklärt Generalvikar Hubert Lenz. Man habe Kaufmann daraufhin zum Gespräch mit dem Generalvikar und dem Offizial der Diözese Feldkirch geladen: „Es wurde vereinbart, dass Bernhard Kaufmann weder Corona noch die Impfung schriftlich noch mündlich thematisieren darf“, heißt es zu WANN & WO weiter – praktisch ein „Maulkorb“ für den Pfarrer. Kaufmann selbst wollte sich nicht gegenüber WANN & WO zu den Behauptungen aus seinen Rundbriefen äußern. Stattdessen drohte der Pfarrer mit dem Anwalt.

„Abstoßend und wirr“

Umso deutlicher äußert sich hingegen Gesundheitsexperte Dr. Amin Fidler, der auch das Land Vorarlberg in Pandemiefragen berät, gegenüber WANN & WO. „Die Aussagen des Pfarrers Kaufmann sind nicht nur schlichtweg falsch, sondern auch schier haarsträubend und völlig abstrus. Die Behauptung, dass der Impfstoff aus Embryonen hergestellt würde, die aus dem Mutterleib herausgeschnitten werden, ist so abstoßend und wirr, dass es keiner medizinischen Argumentation bedarf, um zu erkennen, dass es sich dabei um Schwachsinn handelt“, führt Fidler im Gespräch mit WANN & WO aus. „Besonders schwer wiegt der Fall, wenn man bedenkt, dass es sich bei dem Herrn Kaufmann nicht um irgendeinen Schwurbler aus dem Internet handelt, sondern um einen Pfarrer und damit in diesem katholisch geprägten Land für viele noch immer um eine Respekts- und Autoritätsperson. Ich erwarte, dass Bischof Benno Elbs hier seiner Aufgabe als ‚oberster Hirte‘ nachkommt und diese unglaubliche und irre Geschichte abstellt.“

<p class="caption">Textpassagen aus den Rundbriefen von Pfarrer Bernhard Kaufmann. Faksimile: W&W</p>

Textpassagen aus den Rundbriefen von Pfarrer Bernhard Kaufmann. Faksimile: W&W

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