Corona-Priester: Kirche zieht Konsequenzen

Die Corona-Schutzimpfung ist für Priester Bernhard Kaufmann ein rotes Tuch. Symbolbild: APA

Die Corona-Schutzimpfung ist für Priester Bernhard Kaufmann ein rotes Tuch. Symbolbild: APA


Er hat es wieder getan: Am vergangenen Wochenende veröffentlichte der umstrittene Priester Bernhard Kaufmann seinen nächsten „Vorarl-berger Rundbrief“. Und auch in diesem leugnet er abermals die Gefahr durch das Corona-Virus, verbreitet Falschmeldungen über den Impfstoff und ruft zum Nicht-Impfen auf – und dass nur kurz, nachdem die Diözese Feldkirch ihn um ein Gespräch mit Generalvikar Hubert Lenz und dem Offizial gebeten hatte. Darin war ihm untersagt worden, sich weiterhin schriftlich oder mündlich zur Corona- und Impfthematik zu äußern (WANN & WO berichtete).

Weitere Behauptungen

In der nun erschienenen Dezember-Ausgabe des „Vorarlberger Rundbriefs“ war dann von dieser Ansage keine Spur: Man bemerke in Südafrika „praktisch nichts von der neuen Mutation“, schreibt Kaufmann da zum Thema Omikron. Dabei ist die Zahl der Corona-Fälle in dem Land zuletzt innerhalb von sieben Tagen aufgrund der sich schnell verbreitenden Mutante um 255 Prozent gestiegen, so die Gesundheitsbehörden. Kinder erkrankten laut Kaufmann „praktisch kaum“ an Corona. Karl Zwiauer, Mitglied des Nationalen Impfgremiums, erklärte hingegen erst kürzlich, dass keine Kinderkrankheit zu so vielen Krankenhaus- und Intensivstationsaufenthalten führe wie das Coronavirus. Und Kaufmann ruft nicht nur abermals dazu auf, sich nicht impfen zu lassen, sondern gibt auch gleich eine detaillierte Anleitung, wie man die Impfpflicht umgehen könne: „Man kann ein solches Schreiben [die Einladung zur Impfung, d.R.] auch als nicht angenommen zurückschicken“, schreibt der Priester. „Dann kann man Ihnen gerichtlich nichts vorwerfen, weil Sie die Post ja nicht erhalten haben. Als Zweites kann man die Einladung ignorieren. Weiters warten wir einfach, bis eine Strafe bei der Bezirkshauptmannschaft verhängt wird. Das gibt so viel Papierkram bei den Ämtern, dass es denen vielleicht zu bunt wird.“ Kaufmanns Herangehensweise laute viel mehr: „Beten, Demonstrieren, Informationen weitergeben und Tee trinken.“

„Aussagen gefährden
Frieden in der Diözese“

Das sind genau die Aussagen, welche die Diözese nicht mehr sehen wollte. Und die hat deshalb auch reagiert: Am Donnerstag wurde Kaufmann abermals zum Gespräch mit Generalvikar Hubert Lenz geladen. Dabei gehört der Priester nicht direkt der Vorarlberger Kirche an, sondern der armenisch-katholischen Erzdiözese von Deriwan. Da er aber in Vorarlberg lebt, durfte er hier Räume der Kirche für die Ausübung seines Priesteramtes nutzen. Bislang wohlgemerkt.
„Die Art und Weise sowie der Inhalt der Aussagen hatten das Potenzial, den gesellschaftlichen, wie auch den religiösen Frieden in der Diözese Feldkirch zu gefährden“, sagt Generalvikar Hubert Lenz, der sich gegenüber WANN & WO abermals von den Aussagen Bernhard Kaufmanns hinsichtlich Corona, der Pandemiebekämpfung und der Impfthematik distanziert. Deshalb habe die Diözesanleitung nun weitere Konsequenzen gezogen. „Bernhard Kaufmann ist es bis auf weiteres nicht erlaubt, innerhalb der Diözese Feldkirch öffentliche Gottesdienste oder andere öffentliche religiöse Zusammenkünfte zu leiten. Auch ist es ihm nicht erlaubt, zu predigen und das Sakrament der Buße zu spenden“, so der Generalvikar weiter. „Gleichzeitig sind alle Pfarren, Orden, Bildungshäuser etc., die zur Diözese Feldkirch gehören, angewiesen, es Bernhard Kaufmann nicht zu erlauben, in ihren Kirchen, Kapellen, Privatkapellen und anderen kirchlichen Räumen Sakramente und Sakramentalien zu spenden.“ In anderen Worten: Kaufmann darf keine Messen halten, keine Trauungen durchführen, keine Taufen vornehmen und keine Beerdigungen abhalten. Darüber hinaus wurde nicht nur die Erzdiöse in Armenien über den Fall informiert, sondern auch alle Diözesen rund um Vorarl-berg – also Innsbruck, Vaduz, Chur, St. Gallen und Augsburg, sowie das nicht zur Diözese Feldkirch gehörende Kloster Mehrerau. „Mit den genannten Maßnahmen hat die Leitung der Diözese den Rahmen, innerhalb dem sie in dieser Situation handlungsmächtig ist, ausgeschöpft“, erklärt Lenz. Oder anders: Die Konsequenzen sind die härtesten, die Kaufmann an dieser Stelle treffen können.

„Großes Bedauern“

Über Anfrage der Redaktion ließ Bernhard Kaufmann über seine Anwältin ausrichten, das Dekret der Diözese Feldkirch vom 16.12.2021 „mit großem Bedauern und großer Verwunderung“ erhalten zu haben. Er wünsche sich einen ernsthaften wissenschaftlichen Diskurs, der andere Meinungen nicht vorab als unwissenschaftlich diskreditiere und mit Sanktionen kombiniere.

<p class="caption">Hubert Lenz</p>

Hubert Lenz

„Die Art und Weise sowie der Inhalt der Aussagen hatten das Potenzial, den gesellschaftlichen, wie auch den religiösen Frieden in der Diözese Feldkirch zu gefährden.“ Generalvikar Hubert Lenz

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