Aus für Farbtattoos?

Seit Dienstag sind EU-weit ­tausende Inhaltsstoffe von ­Tätowierfarben ­verboten. W&W hat bei ­Studios im Ländle nachgefragt, welche Auswirkungen das Verbot mit sich bringt.

Beschlossen wurde das Verbot der Chemikalien bereits im vergangenen Jahr (WANN & WO berichtete), die genehmigte Übergangsfrist ist nun vor wenigen Tagen abgelaufen. Die EU schätzt die Substanzen als potenziell gefährlich oder nicht ausreichend erforscht ein – sie könnten Allergien, im schlimms­ten Fall auch Krebs, verursachen. Rund 4000 Inhaltsstoffe sind betroffen und unterliegen den Beschränkungen durch die sogenannte REACH-Verordnung. 2023 soll es weitere Einschränkungen geben – dann sind auch die Farbpigmente „Blau 15:3“ und „Grün 7“ betroffen. Diese sind in zwei Dritteln aller Tätowierfarben enthalten.

„Willkürliches Verbot“

Was bedeutet der Beschluss der EU nun für die Tattoo-Studios im Ländle? „Das Verbot resultiert nicht aus einer wissenschaftlichen Studie. Es erscheint uns deshalb sehr willkürlich“, stellt Andy Haller von Fat Foogo in Bregenz auf WANN & WO-Anfrage klar: „Die ,alten‘ Farben haben sich über Jahrzehnte sehr gut bewährt, was ihre Verträglichkeit und Brillanz anbelangt. Zudem wurden sie nach der Deutschen Tätowiermittel-Verordnung bewertet und freigegeben. Das gilt jetzt auf einmal nicht mehr.“ Alternativen sind bislang Mangelware, erklärt der Tattookünstler und fügt hinzu: „Selbst wenn alternative Farben auf den Markt kommen würden – 2023 tritt das Verbot der Pigmente Grün und Blau in Kraft, die aktuell nicht ersetzbar sind und rund 70 Prozent der Farbpalette abdecken.“ Laut Haller „der nächste Hammer“ für die Branche, die zuletzt auch von der Coronasituation stark getroffen wurde.

Mehr zum Thema

Lesen Sie auf diesen Seiten weitere Stimmen aus dem Ländle. Mehr zum Thema Tätowierungen gibt’s zudem auf der folgenden Seite: Influencer Daniel Schmedler aus Feldkirch ist ein echter Tattoo-Liebhaber und gibt unter anderem Einblick in seine Körperkunst.

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              „Weniger Kunden und finanzieller Verlust"
            </p><p class="title">„Das Verbot ist meiner Meinung nach nahezu lächerlich. Die Farben wurden bis dato ohne größere Komplikationen verwendet. Zudem gibt es teilweise auch über 20 Jahre Erfahrungswerte, was den Verheilungsprozess anbelangt. Für die ganzen Künstler, die vorwiegend Farbe verwenden, bedeutet das Verbot einen enormem Rückgang an Kunden sowie einen sehr hohen finanziellen Verlust für jeden Einzelnen. Ich bin auch gespannt, wer diese Kosten ersetzen wird. Ich werde die Farben übrigens als Künstlerfarben weiterverwenden. Denn die ganzen Farben einfach zu entsorgen, erscheint mir auch nicht gerade umweltfreundlich.“ Bianca „BB“, Ink Lab B.Inks und Art & Ink Club, Bürs</p>

„Weniger Kunden und finanzieller Verlust"


„Das Verbot ist meiner Meinung nach nahezu lächerlich. Die Farben wurden bis dato ohne größere Komplikationen verwendet. Zudem gibt es teilweise auch über 20 Jahre Erfahrungswerte, was den Verheilungsprozess anbelangt. Für die ganzen Künstler, die vorwiegend Farbe verwenden, bedeutet das Verbot einen enormem Rückgang an Kunden sowie einen sehr hohen finanziellen Verlust für jeden Einzelnen. Ich bin auch gespannt, wer diese Kosten ersetzen wird. Ich werde die Farben übrigens als Künstlerfarben weiterverwenden. Denn die ganzen Farben einfach zu entsorgen, erscheint mir auch nicht gerade umweltfreundlich.“ Bianca „BB“, Ink Lab B.Inks und Art & Ink Club, Bürs

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              „Produkte verbessern statt verbieten"
            </p><p class="title">„Generell sind Verbote, die einer ganzen Branche die Existenzgrundlage entziehen, nicht sinnvoll. Basierend auf der Vermutung, dass gewisse Konservierungsstoffe und Inhalte zu Allergien führen könnten, werden lange erprobte und vielfach verwendete Farben verboten. Mein Ansatz wäre es vielmehr, stetig an der Verbesserung bestehender Produkte zu arbeiten und diese weiter zu entwickeln, als mit rigorosen Verboten zu arbeiten. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist aber, dass wir uns den Spaß an Tätowierungen nicht verderben lassen und die Qualiät weiterhin im Vordergrund stehen muss. Und ich bin überzeugt, dass es bald sehr gute neue Farben geben wird.“ Jogi, Jogi’s Tattoo, Bludenz</p>

„Produkte verbessern statt verbieten"


„Generell sind Verbote, die einer ganzen Branche die Existenzgrundlage entziehen, nicht sinnvoll. Basierend auf der Vermutung, dass gewisse Konservierungsstoffe und Inhalte zu Allergien führen könnten, werden lange erprobte und vielfach verwendete Farben verboten. Mein Ansatz wäre es vielmehr, stetig an der Verbesserung bestehender Produkte zu arbeiten und diese weiter zu entwickeln, als mit rigorosen Verboten zu arbeiten. Das Wichtigste aus meiner Sicht ist aber, dass wir uns den Spaß an Tätowierungen nicht verderben lassen und die Qualiät weiterhin im Vordergrund stehen muss. Und ich bin überzeugt, dass es bald sehr gute neue Farben geben wird.“
Jogi, Jogi’s Tattoo, Bludenz

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              „Branche ist ohnehin massiv beeinträchtigt“
            </p><p class="title">„Durch Corona und die Lockdowns ist die Tattoo-Branche in den letzten 21 Monaten ohnehin massiv beeinträchtigt worden. Dazu kommt nun die neue EU-Verordnung, die besagt, dass Farben neuen Richtlinien entsprechen müssen. Ob das sinnvoll ist, darüber lässt sich diskutieren. Einige Farben, die den neuen REACH-Regeln entsprechen, sind aber bereits bei gewerblichen Anbietern verfügbar. Daher glaube ich, dass Kunden sich auch künftig an Farbtattoos erfreuen dürfen.“ Markus, ­Faktor 7 Piercing & Tattoo, Bregenz</p>

„Branche ist ohnehin massiv beeinträchtigt“


„Durch Corona und die Lockdowns ist die Tattoo-Branche in den letzten 21 Monaten ohnehin massiv beeinträchtigt worden. Dazu kommt nun die neue EU-Verordnung, die besagt, dass Farben neuen Richtlinien entsprechen müssen. Ob das sinnvoll ist, darüber lässt sich diskutieren. Einige Farben, die den neuen REACH-Regeln entsprechen, sind aber bereits bei gewerblichen Anbietern verfügbar. Daher glaube ich, dass Kunden sich auch künftig an Farbtattoos erfreuen dürfen.“ Markus, ­Faktor 7
Piercing & Tattoo, Bregenz