W ien? Amsterdam? Hohenems!

Nachhaltige Mode, Maßkleider, Kosmetik und Schmuck bringen Janina, Eva, Anna und Maiken (v.l.) nach Hohenems – und jede Menge gute Laune. Fotos: Sams

Nachhaltige Mode, Maßkleider, Kosmetik und Schmuck bringen Janina, Eva, Anna und Maiken (v.l.) nach Hohenems – und jede Menge gute Laune. Fotos: Sams

Vier Unternehmerinnen haben in der Nibe- lungenstadt ein Start-Up-Kollektiv gegründet. Und bringen mit Hofsause, Umkleidegondel und Pop-Up-Stores ein Stück Metropole in die Kleinstadt.

Mitten in Hohenems, zwischen Markt- und Schweizerstraße, entwickelt sich so langsam und stetig eine Stadt in der Stadt. Oder besser gesagt: eine Metropole in der Kleinstadt. Die Bewohnerinnen: Mode-designerin Janina Burtscher, Goldschmiedin Anna Waibel, Concept-Store-Leiterin Eva-Katharina Heerdegen und Maßschneiderin Maiken Domenica Kloser. „Wir haben uns vergangenen Sommer zum Kollektiv Kwartier zusammengefunden“, erzählt Eva-Katharina im Gespräch mit WANN & WO. „Nach und nach hatte jede von uns ihr Geschäft in der Hohenemser Innenstadt aufgemacht, wir lernten uns als Nachbarinnen kennen, merkten, dass wir viel gemeinsam haben und dachten uns schließlich: Warum nicht zusammenschließen?“ Sie selbst ist gebürtige Allgäuerin, lebt seit zwei Jahren in Vorarl-berg und betreibt ihren Eco Concept Store „Heerdegen“ seit April 2021. Nur einen Monat danach eröffnete auch Janina ihr Slow Fashion Label „Aardn“ in ihrer Heimatstadt. Nicht ganz geplant, wie sie verrät: „Ich hatte vorher in Amsterdam gelebt, war auf Heimatbesuch und wollte anschließend eigentlich auch wieder zurück in die Niederlande – doch dann kam Corona“, erinnert sie sich. „Kurz darauf ergab sich die Ladenmöglichkeit hier und ich ergriff die Chance.“

Direkt von der Fashion Week nach Ems

Von weit her trieb es auch Maiken nach Vorarlberg. 2014 gründete sie nach dem Abschluss ihres Studiums an der Akademie der Bildenden Künste in Wien ihr Label Maiken K, feierte damit Erfolge auf der Pariser, Londoner und Wiener Fashion Week. „Mein Konzept aus Wien habe ich jetzt mit nach Hohenems gebracht und ein wenig auf Vorarlberg umgemünzt“, erzählt sie. Ein alter Hase in der Hohenemser Ladenszene ist hingegen Anna. Die Goldschmiedin betreibt ihr Atelier bereits seit sieben Jahren. „Damals gab es hier noch so gut wie nichts“, erinnert sie sich. „Umso toller ist es für mich zu sehen, was hier entsteht.“

Umkleidegondel und
Hofsause

Und das ist so einiges. Denn das Kollektiv bringt jede Menge frische Ideen in die Nibelungenstadt. Als im vierten Lockdown der Handel schließen musste, Skigebiete aber öffnen durften, machten die vier Frauen aus der Not eine Tugend – und stellten eine Skigondel in den Höfen zwischen ihren Geschäften auf, die ihren KundInnen als Anprobe und Umkleide diente. Und als laue Sommertage nach draußen lockten, im Viertel aber kein Straßencafé zu finden war, stellten sie einfach Stühle und Tische nach draußen und veranstalteten eine Hofsause. „Die Leute waren sofort neugierig, kamen heran und schauten auch die Geschäfte an“, erzählt Maiken. „Wenn man hier etwas macht, dann kommen die Leute auch. Die VorarlbergerInnen haben Lust darauf. Das war in Wien nicht immer so.“ Und Janina fügt hinzu: „Wir wollen ja nicht nur unsere Läden führen. Sondern auch die Stadt beleben, die öffentlichen Räume nutzen, die Leute nach draußen bringen.“ Und sie wollen weitere JungunternehmerInnen ermutigen, es ihnen gleich zu tun. „Bei unseren Veranstaltungen gibt es immer wieder die Möglichkeit, kleine Pop-Up-Stores zu eröffnen und darüber seine Waren zu verkaufen. Und vielleicht bekommen manche so den Mut, zu gründen“, erklärt Eva. „Dafür ist Hohenems nämlich ideal: Die Mieten sind nicht so hoch, man kann es sich noch leisten, etwas auszuprobieren. Und die Stadt ist im Kommen.“

<p class="caption">Eva Heerdegen</p>

Eva Heerdegen

<p class="caption">Janina Burtscher</p>

Janina Burtscher

<p class="caption">Maiken Kloser</p>

Maiken Kloser

<p class="caption">Anna Waibel</p>

Anna Waibel