Bunter Segen vom Pfarrer

Zum Valentinstag lädt die Regenbogenpastoral der Katholischen Kirche Vorarlberg zum Gottesdienst für alle Liebenden – und segnet dabei erstmals auch Queer-Liebende.

In diesem Jahr werden Stefan und sein Partner Michael* einen besonderen Valentinstags-Ausflug machen: in die Basilika Bildstein. Aber dem Paar geht es dabei nicht nur um Sightseeing. Die Katholische Kirche Vorarlberg will an diesem Tag alle Liebenden segnen – und wendet sich dabei ganz explizit auch an gleichgeschlechtlich Liebende. Ein katholischer Segen für Paare des gleichen Geschlechts? Das ist in Vorarlberg doch sicher nicht bei allen Kirchenleuten gut angekommen, oder? „Das kann schon sein“, sagt Priester Rainer Büchel auf die Frage von WANN & WO. Und lacht: „Um ehrlich zu sein – ich habe meine Priester-Kollegen aber auch gar nicht nach deren
Meinung gefragt.“

„Habe inneres Unbehagen“

Büchel wird am kommenden Sonntag den Gottesdienst leiten und die Liebenden segnen. „Und zwar alle Liebenden, alle Formen des Zusammen-
lebens, ohne Ausschluss“, bekräftigt der 50-Jährige. Sorge vor negativen Reaktionen – schließlich wurden vergangenes Jahr wiederholt an Gotteshäusern aufgehangene Regenbogenflaggen gestohlen und zerstört – habe er nicht. Dass eine Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auch für viele Katholiken noch immer ein Unding ist, weiß er – nachvollziehen kann er es aber nicht: „Im Christentum geht es doch immer um die Liebe. Sie ist das höchste Gut und gilt für alle. Und dann soll das bei gleichgeschlechtlichen Paaren anders sein? Nein, gegen diese Sichtweise habe ich ein inneres Unbehagen.“

„Das ist doch Liebe!“

Büchels Schlüsselmoment liegt schon viele Jahre zurück. In seiner Studentenzeit, um genau zu sein: „Damals habe ich ein Praktikum beim Mobilen Hilfsdienst gemacht und war bei einem homosexuellen Paar“, erinnert sich der Altacher Pfarrer. „Es war klar, dass einer der Männer sterben würde. Sein Partner pflegte ihn so aufopferungsvoll, so selbstlos – da war mir klar: Das ist doch Liebe! Reine, echte Liebe. Warum sollte die weniger gelten, nur weil sie zwischen zwei Männern stattfindet und nicht zwischen Mann und Frau?“ Büchel geht sogar noch weiter und ficht auch noch einen weiteren Punkt konservativer Katholiken an: „Ich sehe keinen Grund, warum es gleichgeschlechtlichen Paaren prinzipiell nicht möglich sein soll, Kinder ins Leben zu begleiten. Ich kenne queere Paare, die ihre Kinder sehr gut und liebevoll erziehen.“

„Wir sind gar kein Thema“

So wie bei Stefan und Michael. Letzterer brachte aus seiner vorigen Beziehung den zehnjährigen Lukas mit in die Partnerschaft. „Er ist jedes zweite Wochenende bei uns, versteht die Situation und hat keine Probleme damit.“ Auch nicht in der Schule: „Das interessiert dort niemanden. Heutzutage gibt es ja eh schon so viele verschieden Lebensmodelle und Patchwork-Familien, da sind wir gar kein Thema. Weder in der Familie, noch im Freundeskreis, bei der Arbeit, in der Schule oder in unserer Kirchengemeinde.“

„Nicht gleich verteufeln“

Dass sich die Zeiten ändern, sieht auch Pfarrer Büchel so. Und wünscht sich, dass es ihm so einige seiner Kirchen-Kollegen gleichtun würden. „Im kirchlichen Bereich gibt es leider diese Schlagseite, die sagt: So etwas geht nicht, das darf es nicht geben“, erläutert der Pfarrer. „Ich bin ja auch der Meinung, dass man nicht zu allem Ja sagen muss. Aber man darf auch nicht alles von vornherein verteufeln. Man muss die Zeichen der Zeit erkennen – und nicht einfach nur ein Programm abspielen, das seit tausend Jahren gleich ist.“

*Stefan und Michael gehen in ihrem privaten Umfeld zwar offen mit ihrer Partnerschaft um, möchten aber aus Rücksicht auf ihre Familien nicht mit ihren echten Namen in der Zeitung stehen.

<p class="caption">Der Altacher Pfarrer Rainer Büchel (Foto) segnet queer lebende Menschen. Die Kirche Vorarlberg zeigte bereits jüngst (Regenbogen-)Flagge, wie hier an der Kirche in Hard Symbolfoto: Pfarre Hard; privat</p>

Der Altacher Pfarrer Rainer Büchel (Foto) segnet queer lebende Menschen. Die Kirche Vorarlberg zeigte bereits jüngst (Regenbogen-)Flagge, wie hier an der Kirche in Hard Symbolfoto: Pfarre Hard; privat

INFOS



Gottesdienst für Liebende

Die ARGE Regenbogenpastoral in Zusammenarbeit mit EFZ Feldkirch und Basilika Bildstein lädt alle verliebten und liebenden Paare zur Segnung für alle Liebenden zum Valentinstag ein.

Der Gottesdienst findet am Sonntag, den 13. Februar, ab 18 Uhr in der
Basilika Bildstein statt.