Vorarlbergs kleinstes Eigenheim

Alles eigene Handarbeit:Loïc vor seinem Eigenheimmit Nummernschild. Fotos: Sams

Alles eigene Handarbeit:
Loïc vor seinem Eigenheim
mit Nummernschild. Fotos: Sams

Loïc Mercier Pitois’ Familie träumt von einem Eigenheim – und realisiert den Traum umweltfreundlich und für einen Bruchteil der Preise. Nur eben kleiner.

Die Häuser seiner Nachbarn haben Hausnummern – das Haus von Loïc Mercier Pitois aus Hard hat ein Nummern-
schild. Es steht auch nicht auf einem Fundament, so wie die übrigen. Sondern auf einem Anhänger. Es besteht nicht aus Beton und Putz, sondern aus Holz und Schafwolle. Sein Haus wird ein „Tiny House“. Zwei Erwachsene und zwei Kinder auf gerade einmal 25 Quadratmetern. „Das geht sich schon aus“, ist sich Loïc sicher. „Wir haben schon einmal für ein paar Tage in einem ‚Tiny House‘ in Niederösterreich probegewohnt. Das hat prima geklappt. Man muss nur sehr raffiniert bauen.“ Während der 35-Jährige das sagt, lehnt er an der Treppe, deren unterste Stufe später einmal gleichzeitig die Lehne der Sitzbank am Esstisch sein soll, und die hinauf führt in die obere Etage, welche zum Wohn- und Arbeitsbereich wird – über eine Kletterwand verbunden mit den Kojen der Kinder. „Ein bisschen Spielplatz und Abenteuer muss immer sein“, sagt er lächelnd. Im Büroteil ist bereits ein Einschnitt in der Wand zu entdecken. „Dort wird dann die Tischplatte eingesetzt“, erklärt Loïc. Die Kerbe befindet sich doch aber gerade einmal auf Schienbeinhöhe? „Richtig, an der Stelle ist ein Loch in den Boden gesägt, durch das man die Füße steckt und auf einem Zwischenboden abstellt. In der unteren Etage befindet sich dort nur die Waschmaschine. So wird der Platz über ihr nicht verschwendet.“

Weniger ist mehr

Jedes kleine bisschen Platz ausnutzen, das ist das Geheimnis des „Tiny House“ von Loïc. Das spart Material, was wiederum den ökologischen Fußabdruck verkleinert. „So umweltbewusst wie möglich zu leben, ist uns sehr wichtig“, erklärt Loïc. „Leider hat man als Mieter darauf ja so gut wie keinen Einfluss. Man kann nicht immer bestimmen, womit gebaut, wie gedämmt oder woher Strom und Wärme bezogen werden.“ Deshalb wollte die Familie selber bauen. Doch Vollholzbauweise und ökologische Baustoffe sind teuer. „Wenn wir aber ein kleineres Haus bauen, verbrauchen wir weniger Materialien. Und können uns somit auch die hochwertigeren leisten.“ Im ganzen „Tiny House“ gibt es deshalb keinen einzigen Krümel Bauschaum, keine Silikonfuge und so wenig Erdölprodukte wie nur irgend möglich. Im kleinen Bad steht eine Trockentoilette, deren Inhalt geleert und kompostiert wird, Grauwasser wird unter dem Anhänger gesammelt und in die Kanalisation geleitet. Frischwasser kommt von einem ganz normalen Wasseranschluss, ebenso der Strom. Geheizt wird über mit einem kleinen Holzofen, gerade mal so groß wie eine Obstkiste. „Der genügt völlig“, versichert der gebürtige Franzose, „der Raum, der beheizt werden soll, ist ja schließlich nicht groß und das Haus ist mit Schaf-wolle perfekt gedämmt.“

Traum für ein „Taschengeld“

Die Einsparungen am Material schlagen sich natürlich in den Kosten nieder – ebenso wie die eingesparten Ausgaben für Handwerker. Schließlich ist Loïc gelernter Zimmerer und macht bis auf Elektrik und Sanitär alles selbst. „Wir haben immer von einem Haus geträumt – und irgendwann gemerkt, dass wir eigentlich vor allem von einem Garten träumen“, schildert Loïc. „Also haben wir uns gedacht: Konzentrieren wir uns eben auf den Garten und machen dafür das Haus kleiner. Mit dem schönen Nebeneffekt, uns nicht für 30 oder 40 Jahre zu verschulden.“ Insgesamt rechnet Loïc mit unter 50.000 Euro für das Haus – im Vorarlberger Vergleich ein Taschengeld. Das Projekt kostet stattdessen vor allem eines: Zeit. „Begonnen habe ich im August 2020. Seitdem habe ich schon um die 800 Stunden Arbeit hineingesteckt.“ Neben dem eigentlichen Job und der Familie wohlgemerkt. „Jetzt geht es an den Innenausbau, das Ende ist in Sicht. Ich rechne damit, im Sommer fertig zu sein.“ Dann wird das Eigenheim mit Nummern-
schild per Traktor auf einen Grund gezogen – wenn es nach Familie Mercier Pitois geht, am liebsten in Hard. Doch das „Tiny House“ ist nicht nur minimalistisch, sondern auch flexibel. „Gerade passt das Haus und diese Art zu leben wunderbar zu uns. Wenn es mal nicht mehr passt, kann man umbauen, ein zweites Haus bauen oder es an einen anderen Ort bringen“, sagt Loïc. „Wir wissen nicht, was mal kommt. Aber gerade haben wir sehr viel Spaß und sind glücklich mit dem ‚Tiny House‘. Und das ist doch das Wichtigste im Leben.“

<p class="caption">Zugegeben: Ein bisschen wild schaut es noch aus. Loïc ist gerade am Innenausbau,deshalb stapeln sich im „Tiny House“ derzeit noch Materialien und Werkzeug. Dieeinzelnen Wohnbereiche und die Raumaufteilung sind aber schon gut zu erkennen.</p>

Zugegeben: Ein bisschen wild schaut es noch aus. Loïc ist gerade am Innenausbau,
deshalb stapeln sich im „Tiny House“ derzeit noch Materialien und Werkzeug. Die
einzelnen Wohnbereiche und die Raumaufteilung sind aber schon gut zu erkennen.