Auf Weltreise mit Öffis

Soña (43), Anton (6), Richard (5) und Ralf (47) wollen so nachhaltig wie möglich reisen. Foto: Sams

Soña (43), Anton (6), Richard (5) und Ralf (47) wollen so nachhaltig wie möglich reisen. Foto: Sams

Soña und ihre Familie starten Ende April von Bludenz aus ihre große Reise – und werden dabei nur mit Bus und Bahn unterwegs sein. WANN & WO erzählten sie, warum ihnen diese Fortbewungsart am Herzen liegt und wie sie unterwegs noch mehr für die Umwelt tun wollen.

Diese Feier wird für Soña Laufer, ihren Mann Ralf und ihre Kinder Anton und Richard anders als die bisherigen. Getränke, Essen und Freunde werden zwar sein wie immer. Aber danach wird alles anders. Denn die Familie schmeißt kommenden Freitag nicht irgendeine Feier. „Es wird unsere Abschiedsfeier“, erzählt Soña WANN & WO. Die Familie aus Bludenz geht auf Weltreise. Und das ganz anders, als es die meisten tun: Denn „Vanlife“ und Backpacking kann jeder – Familie Laufer aber reist mit Bus und Bahn.

„Die Idee dazu hatte ich schon sehr lange“, sagt Soña. „Ich wollte schon immer, dass unsere Kinder bereits früh eigene Ent-
deckungen machen, in ihrem eigenen Tempo aufwachsen und ihre Abenteuerlust entdecken können“, so die 43-Jährige. „Sie sollen die Natur, die Welt und die Menschen darin sehen. Und nicht nur Tablet, Fernseher und Handy.“

Vier Monate will die Familie dafür unterwegs sein: Soña und die Kinder an einem Stück, Vater Ralf stößt etappenweise hinzu. „Ich kann im Job eine Auszeit nehmen, wofür ich meinem Arbeitgeber sehr dankbar bin“, sagt Soña. „Bei meinem Mann war das leider nicht so einfach.“ Die Besuche vom Papa sind dann eben umso größere Highlights für den Fünf- und den Sechsjährigen.

Abenteuer statt Rücksitz

Aber warum mit Bus und Bahn und nicht mit dem Wohnmobil, so wie es die meisten Weltumrunder tun? „Ganz einfach: Weil wir keines haben“, antwortet Soña und lacht. „Aber im Ernst: Wir reisen bisher schon mit dem Fernbus oder Zug, etwa in meine Heimat in der Slowakei. Auf diesen Reisen lernen unsere Kinder die unterschiedlichsten Menschen kennen, sie lernen soziale Fähigkeiten. Und jede Zugfahrt ist für sie ein größeres Abenteuer, als stundenlang im Rücksitz hocken zu müssen.“

Unterwegs für die Natur

Und nicht zuletzt liegt der Familie die Umwelt sehr am Herzen – kleiner als beim Reisen mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann der ökologische Fußabdruck kaum mehr werden. Schließlich engagieren sie sich schon seit Jahren für die Natur. Unter dem Projektnamen „Clean Playgrounds“ sammeln sie herumliegenden Müll an Spielplätzen auf, organisieren Clean-Up-Events und verarbeiten den Müll in Bildern, um auf die Verschmutzung aufmerksam zu machen. Auch unterwegs wollen sie die Natur von Unrat befreien.

In Sachen Umweltschutz auf ein Wohnmobil verzichten heißt aber auch, auf das eigene Bett verzichten. Wo will die Familie denn auf ihren Reisezielen schlafen? „Wir werden oft zelten“, sagt Soña. „Außerdem habe ich in der Vergangenheit sehr gute Erfahrungen mit ‚Woofen‘ gemacht.“ Damit ist gemeint, dass sich Reisende beispielsweise auf Bauernhöfen oder in kleinen Betrieben einbringen und dafür Kost und Logis erhalten – auch „Urlaub gegen Hand“ genannt.

Das soll aber nicht nur die Reisekosten senken: „In der heutigen Zeit fehlt so oft das Miteinander. Jeder ist für sich“, klagt die Bludenzerin. „Ich möchte unseren Kindern mit der Reise ein gewisses Urvertrauen beibringen. In die Menschen, aber auch in die Lebensumstände und eben darin, dass es immer einen Weg gibt und alles gut wird.“ Dementsprechend planen Laufers auch nur wenig voraus – auch was ihre Reiseziele angeht: „Wir werden erst einmal in Richtung Italien, Frankreich und Marokko starten“, sagt Soña. „Und dann sehen, wohin es uns treibt.“

«Unsere Kinder sollen die Natur, die Welt und Menschen sehen. Nicht nur Tablet, Fernseher und Handy.» Soña Laufer über ihre große Reise