Wärt ihr lieber arbeitslos als unglücklich in eurem Job?

Anne (19), Schwarzenberg, studiert Soziologie

Anne (19), Schwarzenberg, studiert Soziologie

In einer aktuellen Studie sagt fast jeder zweite Unter-24-Jährige, er sei lieber arbeitslos als unglücklich. Wie sehen das Jugendliche im „schaffa, schaffa“-Land Vorarlberg? W&W fragte nach.

WANN & WO: Was ist dir im (bevorstehenden) Berufs-leben besonders wichtig?

Anne: Für mein bevorstehendes Berufsleben ist es mir wichtig, dass ich die Gesellschaft aktiv zu einer besseren mitgestalten kann.

Elisa: Von meiner beruflichen Laufbahn wünsche ich mir, dass ich etwas machen kann, was mich bereichert und was mich nicht an meinen persönlichen Interessen und Leidenschaften hindert.

Julian: Die vergangenen beiden Jahre waren für uns SchülerInnen von Home Schooling geprägt. Ich glaube, dieser Trend wird sich auch in der Arbeitswelt widerspiegeln.

WANN & WO: Wenn du an diese Ziele denkst: Glaubst du, dass ArbeitgeberInnen in Vorarlberg diese schon für dich ausreichend möglich machen?

Elisa: Ich denke durch den Leistungsdruck in unserer Gesellschaft ist es schwer, eine gute Work-Life-Balance zu erschaffen, also wird dies meiner Meinung nach noch nicht genügend möglich gemacht.

Anne: Ich glaube, dass der Fokus in Vorarlberg noch oft auf materielle Ziele und Errungenschaften abzielt. Das ist aber natürlich auch branchenabhängig.

WANN & WO: In der Randstad-Studie stimmten viele junge Befragte der Aussage „lieber arbeitslos als unglücklich im Job“ zu: Würdest auch du dieser Aussage zustimmen und einen Job kündigen oder gar nicht erst annehmen, wenn er dich in deiner Lebensgestaltung stark be-einträchtigt?

Lina: Arbeitslosigkeit als Alternative zu einem Job, der unglücklich macht, zu sehen, finde ich schwierig. Ich glaube, dass die meisten Personen – nicht nur junge, sondern auch ältere – keinen Job machen wollen, den sie unglücklich macht, aber es einfach schwierig ist, immer einen Job zu finden, der einen glücklich macht. Dafür ist, glaube ich, der Arbeitsmarkt in Vorarlberg leider noch nicht bereit.

Mehmet: Da die Sozial-leistungen im reichen Industriestaat Österreich einen
leider noch immer nicht über die Armutsgrenze heben, ist diese Entscheidung nur möglich, wenn reich geerbt wird oder die Familie sozioökonomisch sehr gut gestellt ist.

Elisa: Mir ist es wichtig, alles machen zu können, was ich liebe. Wenn mich ein Job daran hindert, würde ich ihn lieber nicht ausüben.

WANN & WO: Vorarlberg gilt als „schaffa, schaffa“-Land, in dem die Arbeit eine der höchsten, wenn nicht sogar die höchste Priorität hat. Glaubst du, das wird so bleiben oder sich in Zukunft verändern?

Anne: Zahlen, wie die der neuen Randstad-Studie zeigen, dass die jüngere Generation auf Veränderung hofft. Ich hoffe, dass das passiert, bin mir aber unsicher, ob das wirklich geschehen wird.

Lina: Ich hoffe, dass sich das stark verändert. Ob das wirklich passiert, kann ich nicht vorhersagen, da jüngere Personen leider oft nicht in den Positionen sind, in denen sie das entscheiden können.

Mehmet: Da die durchschnittliche ÖsterreicherIn sich ohne diese ‚schaffa, schaffa‘-Mentalität kaum ein Leben ohne finanzielle Schwierigkeiten oder soziale Ausgrenzungen ermöglichen kann, glaube ich nicht, dass sich dies in naher Zukunft ändern kann.

Julian: Meine Generation hat durch die Pandemie die notwendigen Voraussetz-ungen wie Selbstorganisation gelernt und möchte sie natürlich auch in ihrem Job anwenden. Selbstorganisation und Home-Office werden die Arbeitswelt verändern.

WANN & WO: In Vorarlberg haben bereits eine Handvoll Unternehmen eine Vier-Tage-Woche eingeführt. Ist das für dich interessant, würdest du auch gern so arbeiten?

Mehmet: Ich finde, dass die Einführung der Vier-Tage-Woche sehr wichtig ist, da nicht nur Reich und Schön ein Recht auf Freizeit und wertvolle Momente mit der Familie haben sollte.

<p>Elisa (16), Altach,AHS-Schülerin</p>

Elisa (16), Altach,
AHS-Schülerin

<p>Lina (18), Bregenz, studiert Rechtswissenschaften und Philosophie</p>

Lina (18), Bregenz, studiert Rechtswissenschaften
und Philosophie

<p>Mehmet (19), Bludenz,AHS-Schüler</p>

Mehmet (19), Bludenz,
AHS-Schüler

<p>Julian (18), Dornbirn, Zivildiener</p>

Julian (18), Dornbirn, Zivildiener