„Im Leben gibt es mehr als nur schaffa schaffa, Hüsle baua“

Felix

Felix

Viele junge Menschen wagen den Umzug aus Vorarlberg nach Wien. Doch wie geht es Ihnen in der Bundeshauptstadt? Wie nehmen Sie das Ländle aus der Ferne wahr? Und welche Tipps haben Sie? W&W hat nachgefragt.

WANN & WO: Wann und warum bist du nach Wien gezogen?

Stefan: Ich bin 2013 zum Studieren nach Wien gezogen. Der Hinweis meiner Eltern, ich solle doch auch mal etwas anderes sehen, spielte auch eine Rolle.

Felix: Ich bin 2014 für eine Ausbildung an der Filmakademie nach Wien übersiedelt.

Jolanda: 2011 bin ich für das Studium nach Wien gezogen. Ich wollte weg aus Vorarlberg und etwas Neues sehen, neue Möglichkeiten wahrnehmen.

Marilena: Für mich stand immer fest: Sollte ich studieren, dann in Wien. Als dann auch der Großteil meiner Freundinnen nach Wien gezogen ist, hat sich mein ursprünglicher Plan noch mehr gefestigt. 2014 war es dann soweit.

WANN & WO: Ihr habt viele Jahre lang in gelebt Wien bzw. tut das noch immer. Wie haben die Erfahrungen des Stadtlebens euer Bild von Vorarlberg verändert?

Stefan: Vorarlberg hat einen auffällig hohen, aber auch teuren Lebensstandard. Außerdem wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die verschiedenen Regionen in Österreich sind.

Felix: Was mir früher eher ­langweilig vorkam, empfinde ich jetzt als entspannend.

WANN & WO: Gibt es etwas in ­Vorarlberg, dass du mehr zu ­schätzen gelernt hast?

Felix: Tatsächlich die Ruhe (lacht) und die Natur. Vielmehr ist es aber nicht.

Jolanda: Vor allem die Nähe zu meiner Familie. In Wien fehlt sie mir. Früher habe ich das nicht eingesehen. Jetzt ist es mir umso bewusster. Auch die Berge und überhaupt die Natur, das ist schon etwas anderes in Vorarlberg.

WANN & WO: Wenn du ein Stück Wien nach Vorarlberg bringen könntest, was wäre das?

Jolanda: Die Akzeptanz für verschiedene Lebensstile ist hier nicht so ausgeprägt wie in der Großstadt. Da könnten sich die Vorarlberger etwas von den Wienern abschneiden. Im Leben gibt es mehr als bloß „schaffa schaffa, Hüsle baua“.

Marilena: Einerseits eine gewisse Freiheit, Anonymität, aber auch das Fortgehen, die Kulinarik. Ich merke hier auch, wie mir die kulturellen Eindrücke, das Multikulturelle, fehlt.

WANN & WO: Gibt es etwas an Vorarl­berg, dass dich besonders stört?

Stefan: Der übertriebene Regionalstolz vieler Vorarlberger.

Felix: Vorarlberg kann einem wie eine Blase vorkommen, in der alle so tun, als wären sie vom Rest der Welt abgeschlossen.

Jolanda: In Vorarlberg sind die Leute oft so überfreundlich, dass es an Engstirnigkeit grenzt. Es wird viel zu wenig darüber gesprochen, wie sich die Menschen wirklich fühlen. Man sagt immer: „Es passt“. Auch wenn das oft nicht der Fall ist.

WANN & WO: Was ist der größte Kulturschock für dich, wenn du ins Ländle kommst?

Stefan: Wenn ich hier ausgehe, habe ich keine Möglichkeit, den Leuten, die ich nicht sehen will, aus dem Weg zu gehen. Dafür gibt es einfach zu wenig Angebote im Land. Das haut mich immer wieder um.

Felix: Während die Wiener U-Bahn am Wochenende durchfährt und man so lange fortgehen kann, wie man mag, muss ich in Vorarlberg oft lange auf die Öffis warten.

Marilena: Vorarlberg ist sehr entschleunigt. Eigentlich schätze ich das, aber ab und zu ist es recht langweilig im Land. Es ist einfach nicht viel los. Hier muss man den Trubel suchen. Das bunte Leben findet man spärlich, außer man sucht gewisse Plätze oder Einrichtungen auf.

WANN & WO: Dein Tipp für junge Vorarlberger, die nach Wien ziehen?

Stefan: Radelt durch die Stadt und lernt sie kennen! Dann gewinnt man schnell einen Überblick und spart sich Karten oder Apps.

Felix: Schaut euch an, was man alles erleben kann! Man sollte sich auch mit anderen Dialekten, speziell dem Wienerischen, vertraut machen, und nicht glauben, dass alle Vorarlbergerisch verstehen.

Jolanda: Wien ist wunderschön. Nicht zu sehr verkopfen, man findet seinen Weg schon. Und das Studium dreimal zu wechseln, ist auch nicht so schlimm, wie man glaubt.

Marilena: Sucht euch eine Wohnung in der Nähe eines Parks. Seid offen, lernt neue Leute kennen und hängt nicht nur mit Vorarlbergern ab.

<p>Jolanda</p>

Jolanda

<p>Stefan</p>

Stefan

<p>Marilena</p>

Marilena